Ständchen von Roy Hammer in Las Vegas

Die Rock-'n'-Roll-Hochzeit

  • Marc Kolbe
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Eine „unpassende“ Anzughose, ein schmerzhaftes Doppel-Tattoo und 40 Grad im Schatten – wer den Bund der Ehe in Las Vegas schließt, der muss belastbar sein.

Die einen träumen von einer Hochzeit ganz in Weiß in einer romantischen Kirche, andere halten es eher leger und geben sich das Jawort in ganz alltäglichen Klamotten im Standesamt. Für Julius Stein und seine (mittlerweile) Frau Malgorzata kam das eine wie das andere nicht in Frage – was Menschen, die das Paar kennen, auch nicht weiter verwundern dürfte. „Wir wollten mehr Rock ’n’ Roll“, erklärt die Braut. Und wo verspricht eine Hochzeit mehr Rock ’n’ Roll als in Las Vegas?

Schon von Deutschland aus sicherte sich das Paar, das zusammen das Piercing- und Tattoo-Studio Körperkult im Kurhaus führt, einen Termin für die legendäre Graceland Chapel. Hier lässt sich nicht nur das Elvis-Hochzeitspaket „Loving You“ buchen, sondern hier wurde auch für den ersten Teil der Kinokomödie „Hangover“ gedreht.

In Vegas angekommen, muss man sich in einer Art Standesamt zur Eheschließung anmelden. „Dafür braucht man nur das Visum und einen Pass“, erklärt Julius Stein. Die Vermählung gilt zunächst nur für Nevada, kann aber problemlos in einem deutschen Standesamt legalisiert werden.

Anfang April ging es nach Las Vegas – im Gepäck die Trauzeugen und jede Menge Freunde. Übernachtet wurde im „Luxor“. Es versteht sich von selbst, dass es in dem pyramidenförmigen Hotel ausschließlich Kingsize-Betten und jede Menge Spielautomaten gibt.

Der Tag der Tage begann ein wenig – na ja, sagen wir mal holprig. Die Hochzeit war auf 12.30 Uhr festgelegt, für den Bräutigam offensichtlich ausreichend Zeit, morgens noch eine ausgedehnte Runde im Pool einzuplanen. Wäre wohl kein Problem gewesen, hätte anschließend die Anzughose gepasst. Dem war aber nicht so. Also musste Stein noch mal schnell in den Laden für Rodeo-, Western- und Arbeitsbekleidung, um dort das Beinkleid umzutauschen.

Währenddessen wurde die Braut standesgemäß in einem 1946 Plymouth in die Chapel kutschiert. Das Kleid der 40-Jährigen – aus Textilien geschneiderter Rock ’n’ Roll. Moulin-Rouge-Style in Blutrot und Schwarz („Wie unsere Eintracht“), dazu passende schwarze Stilettos und ein Strumpfband mit riesigem Eintracht-Button. Doch auch der Gatte (49) ließ sich nicht lumpen und erreichte die Chapel in einem Anzug (mit passender Hose) im Mariachi-Style, samt Cowboy-Stiefeln und extrem cooler Kopfbedeckung.

„Love Me Tender“

Nach der „tollen Zeremonie“, die von einer deutschsprachigen Priesterin aus der Schweiz vollzogen wurde, ging es zunächst in die Golden Tiki-Bar auf dem Strip und danach auf eine Maß ins Münchener Brauhaus. Hier wartete dann die nächste Überraschung auf das Brautpaar: Denn der unvergleichliche Roy Hammer (diesmal ohne seine Pralinees), der zufällig zur selben Zeit in Las Vegas weilte, sang für das Brautpaar a cappella „Love Me Tender“ auf Deutsch.

So beseelt wurde im Anschluss noch ein Barbecue bei Freunden genossen, die die Steins schon seit sechs Jahren kennen. Denn die beiden besuchen regelmäßig das „Viva Las Vegas Rockabilly-Festival“.

Den schmerzhaften Abschluss der Hochzeit in Schwarz und Rot bildete ein Tattoo im mexikanischen „Día de Muertos“-Style, für das man zum Glück noch eine freie Körperstelle fand. „Das ersetzt uns den Ehering“, erklärt die Braut. Er bekam passenderweise eine Spielkarte mit der Herz-Dame in die Haut getackert, sie den Herz-König. Und all das bei 40 Grad im Schatten . . .

Mittlerweile sind die beiden seit 10 Tagen verheiratet und Malgorzata sagt im Brustton der Überzeugung: „Und ich liebe meinen Mann noch wie am ersten Tag.“ Das kann gerne so weiter gehen. Viva Las Vegas!

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