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Ein Jahr lang dauerte die Restaurierung. Jetzt zeigt sich der Pferdekopf in neuem Glanz.

Sensationsfund

Römischer Pferdekopf kann ab heute auf der Saalburg bewundert werden

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Vom morgigen Sonntag an wird der berühmte Pferdekopf aus Waldgirmes auf der Saalburg gezeigt. Dafür wurde der Fund imposant in Szene gesetzt.

Die Chaos-Theorie besagt, dass ein Flügelschlag eines Schmetterlings unter bestimmten Bedingungen einen Tornado auslösen kann. Kleine Ursache – große Wirkung. Die römische Siedlung in Waldgirmes bestand wohl nur wenige Jahre, einen „Wimpernschlag in der Geschichte“, wie es Saalburgdirektor Carsten Amrhein gestern formulierte. Und dennoch entfachte die Entdeckung von Bruchstücken eines Pferdekopfes einer Reiterstatue einen Sturm in der Wissenschaft. Der als Pferdekopf von Waldgirmes gilt als archäologische Sensation. Vom morgigen Sonntag an wird er in einer Dauerausstellung auf der Saalburg gezeigt.

Das Presseaufgebot war enorm. Fernsehteams von RTL, ZDF, Sat1 und HR standen in einer dichten Traube um die mit Panzerglas gesicherte und durch Videos überwachte Vitrine, in der der Pferdekopf präsentiert wird. Kaum zu glauben, wie sich das Exponat verändert hat, seitdem er vor einigen Jahren präsentiert wurde. Rund ein Jahr hat alleine die Restaurierung gedauert, berichtet Angelika Ulbrich, die Restauratorin. Dabei hat sie aber nicht nur das Objekt gereinigt und die lose Vergoldung wieder gefestigt, sondern hat es auch untersucht, um Erkenntnisse über die Herstellungsprozesse zu gewinnen. Der hessische Minister für Wissenschaft und Kunst, Boris Rhein (CDU), zeigte sich vom Ergebnis begeistert: „Schon auf den ersten Blick sieht man die Lebendigkeit und Plastizität, mit der der Aufbau und Erscheinung des Kopfes vom Bildhauer erfasst wurden. Das ist wirklich sehr beeindruckend.“

Dr. Carsten Amrhein verdeutlichte die Bedeutung des Fundes nicht nur aus kunsthandwerklicher, sondern vor allem aus wissenschaftlicher Sicht. Das Standbild, zu dem der Kopf gehört, habe vermutlich den Kaiser Augustus zu Pferd dargestellt, erklärte er. Der Fundort Waldgirmes beweise, dass die Römer schon unter Augustus Germanien als eine Provinz des Römischen Reiches gesehen hätten. Denn als Standort für ein solch prunkvolles Standbild komme nur das Forum eines Verwaltungsmittelpunkts in Frage. Doch spätestens nach der Niederlage der Römer in der Varusschlacht (9 nach Christus) war diese Einschätzung einer römischen Provinz Germaniens obsolet.

Die beeindruckende Wirkung in der neuen Dauerausstellung verdankt der Pferdekopf einer geschickten Inszenierung. Wegen der zeitlichen Diskrepanz (Ende der Siedlung 14 nach Christus, Anlage des Limes erst um 110 nach Christus) entschieden sich die Ausstellungsmacher zu einem Kunstgriff. Gezeigt wird die Ausstellung in einem Seitenarm der Principia mit mehreren Räumen. Im letzten Raum, quasi als Höhepunkt, ist der Pferdekopf zu finden. Im Raum davor erfahren die Besucher Hintergründe zu der Siedlung von Waldgirmes. Mittels Computeranimation kann man sich sogar selbst als römischer Städtebauer ausprobieren.

Geschickt in Bezug gesetzt wird dies mit bronzezeitlichen Funden, keltischen Münzen und Gräbern der Merowingerzeit aus dem Taunus. Man wolle damit die Funde aus Waldgirmes in einen historischen Kontext einbetten und so den Besuchern die Siedlungsentwicklung in der Region näherbringen, erläutert Amrhein .

Übrigens: Ganz ist das juristische Scharmützel um den Pferdekopf nicht abgeschlossen. Man prüfe noch, ob man gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts Limburg Revision einlege, erklärte Minister Rhein. Die Frist dafür laufe am 27. August aus. Laut Urteil muss das Land 821 000 Euro an den Landwirt zahlen, auf dessen Acker der Pferdekopf entdeckt wurde.

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