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Romeo und Julia im Bad Homburger Kurtheater: Zickige Teenagerin liebt ungelenk turtelnden Schwadroneur

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Von: Christiane Paiement-Gensrich

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Gleich küssen sie sich: Romeo (Christoph Maasch) und Julia (Sarah Kortmann) auf der Kurtheater-Bühne.
Gleich küssen sie sich: Romeo (Christoph Maasch) und Julia (Sarah Kortmann) auf der Kurtheater-Bühne. © cg

Dramatische Bühne kommt mit drei Shakespeare-Klassikern nach Bad Homburg

Bad Homburg -Der Dramaturg mit Hut und Trenchcoat wendet sich direkt ans Publikum: "Wer will, dass Romeo in Heldenmut entflammt, der gerate nunmehr außer Rand und Band." Die Zuschauer klatschen, und das Unheil nimmt seinen Lauf: Romeo ersticht Tybalt, den Cousin seiner geliebten Julia, und kommt dafür in den Kerker. Die Dramatische Bühne aus Frankfurt war bei der Bad Homburger Kulturnacht zu Gast. Im Kurtheater präsentierte das Ensemble eine "lange Shakespeare-Nacht". Außer "Romeo und Julia" standen das charmante Verwirrspiel "Ein Sommernachtstraum" und die Tragödie "Macbeth" auf dem Programm. Jeweils als Kurzversion von 40 bis 50 Minuten.

Frech und schwungvoll geht es los mit dem "größten Liebespaar aller Zeiten" (so der Erzähler) und einem keck modernisierten Text. Julia, im langen weißen Trägerkleid und großartig von Sarah Kortmann als zickige Teenagerin interpretiert, findet sich mal zu dick und mal zu pickelig - und sie schmachtet. Da nützt es nichts, dass die vollbusige Amme sie warnt: "Der Männer Kopf und Herz ist aus Stroh gemacht." Der turtelnde Romeo schwadroniert später, wie zum Beweis, ziemlich dümmlich vom Liebesleben der Borstenviecher: "Wenn das eine Schwein beim Anblick des anderen Schweins vor Vergnügen stirbt." Und Julia schwankt zwischen Hingabe ("Ist es denn zu küssen eine Sünde?") und angenervt sein ("Ihr seid behämmert, dies Geschwafel ist doch nicht auf Eurem Mist gewachsen.").

Und dann auch noch das: Romeo wird aus dem Kerker gerettet und überlebt. Ja wirklich, er hat zu viel Angst zu sterben und verzichtet auf den Dolchstoß. Aber hätte da, wenn schon umgetextet wird, nicht auch Julia gerettet werden können? Doch nein, sie stirbt, am Dolch im Bauch, den Bühnentod in einem großen Bilderrahmen. Der ist das einzige Bühnenbild, fungiert, mit unheilvoll sturmgebeugtem blätterlosen Baum darin, als Gruft und Hochzeitsbett. Auch taucht der Erzähler darin auf, als Einsiedler-Mönch im schwarz-zotteligen Kapuzengewand. Was aus Romeo nun wird, soll er sagen, aber da kann er auch nicht weiterhelfen. Die Sache sei zu lange her. "Vielleicht hat er neue Lieb' gefunden."

Weiter geht es mit frühlingsgrünen und zartrosa blühenden Bäumen: Im Bilderrahmen steckt nun eine Zauberwald-Kulisse, und davor tänzeln Elflein durch den Sommernachtstraum, eines sogar mit Mr.-Spock-Ohren. Die Zuschauer lassen, angestiftet vom Erzähler, ihre Mobiltelefone leuchten, damit der Zauberwald so aussieht, als stünde er in Flammen. Und Elfenkönig Oberon kommt im üppig bunten Blumenkleid, denn er möchte in dieser Mittsommernacht die Elfenkönigin Titania bezirzen. Die aber narrt ihn lieber. Dazwischen geistert der vorwitzige Kobold Puck, mit Fell bekleidet und mit Kuhschwanz in der Hand, und verzaubert flugs den Frauenhasser Egeus in einen relativ charmanten Casanova. Die vier jungen Leute aus Athen unterdessen, von denen jeder nach dem Willen des Vaters ausgerechnet die Person heiraten soll, die er nicht leiden kann, erleben eine unruhige Nacht im Wald. Grandios der sich zierende arrogant-einfältige Demetrius, in den Helena verschossen ist. Und Lysander, der Hermia liebt, kommt zu dem Schluss: "Des Menschen Seele ist ein tiefer dunkler Zauberwald."

Viel Theaterblut schließlich wird bei Macbeth wahlweise auf nackte Männer-Oberkörper und weiße Kittel geschmiert. Kein Wunder, der erfolgreiche Feldherr (grandios gespielt von Thorsten Morawietz) mordet sich auf den rotsamtenen Thron - bevor er selbst zur Strecke gebracht wird. Die Hexen, die das ganze Schlamassel vorausgesehen haben, tragen rot-schwarze Kimonos und zerzauste schwarze Geisha-Perücken. Auch der Hofstaat ist asiatisch gewandet und mit thailändischen Tanzkronen geschmückt. Lady Macbeth (hervorragend verkörpert von Sandra Lühr) trägt sogar, wie lange Krallen, metallene Fingernägel. Sie stiftet den Gatten an, vertuscht die Bluttat, zerbricht an der Schuld und verfällt dem Wahnsinn. Zum Schluss versucht sie vergeblich, sich mit einem Eimer Wasser reinzuwaschen. "Dich selbst musst du allein ertragen", hat sie Macbeth zuvor ins Stammbuch geschrieben. Und die Moral aus der Geschicht': "Im Parkett sitzt der Gott, der applaudiert voll Hohn und Spott." Von Christiane Paiement-Gensrich

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