1997 ging "Radio Megahertz" zum Laternenfest erstmals auf Sendung. Im Bild von 2001: Megahertz-Moderator Sven Weidlich und Laternenkönigin Christine II.
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1997 ging "Radio Megahertz" zum Laternenfest erstmals auf Sendung. Im Bild von 2001: Megahertz-Moderator Sven Weidlich und Laternenkönigin Christine II.

Die Jubiläen des Jahres in Bad Homburg

Runde Zahlen für Großes und Kleines

  • Harald Konopatzki
    VonHarald Konopatzki
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2022 stehen in der Kurstadt etliche Jubiläen an

Bad Homburg -Was Jubiläen angeht, wird 2022 in der Kurstadt ganz im Zeichen der einstigen Landgrafschaft stehen. 1622, vor 400 Jahren, wurde Homburg selbstständig und wurde es auch nach dem Wiener Kongress wieder - ein Kuriosum selbst für den "Flickenteppich Deutschland". Diese Zeit hinterließ Spuren, nicht nur um Taunus. Doch es gibt noch eine ganze Reihe anderer Jahrestage, von denen im Verlauf des Jahres der eine oder andere sicher größer beleuchtet werden wird. Ein kurzer Abriss:

Vor 25 Jahren gab's eine Neuerung beim Laternenfest: Mit Radio Megahertz ging im Kurhaus ein eigener Sender an den Start, der rund ums Festwochenende nicht nur Musik spielte, sondern auch übers Fest und die Stadt informierte sowie etliche Interviews über den Äther schickte. Sechs Feste hielt der Sender durch, nach 2003 herrscht Funkstille.

Eine andere 1997 etablierte Institution hat nicht nur überlebt, sondern sich sogar prächtig entwickelt: Von Mai bis Oktober feierten in diesem Jahr die "Blickachsen" mit 17 im öffentlichen Raum ausgestellten großformatigen Kunstwerken Premiere. Die Biennale, die bis auf 2021 im zweijährigen Turnus fortgeführt wird, ist längst über den Kurbezirk und die Stadtgrenzen hinaus gewachsen. 2019 waren 60, 2017 sogar 79 Werke zu sehen. Und sie hat Bad Homburg schon eine ganze Reihe kurioser Installationen beschert - etwa die erhängte Weißwurst ("Dabei sein ist alles") oder den blau gestrichenen Nachbau einer amerikanischen Artillerie-Feldhaubitze ("WWIII"). In der Kurstadt sind mittlerweile einige ehemalige Blickachsen-Kunstwerke heimisch - von der "Walking Woman" auf dem Bahnhofsvorplatz bis hin zum Fuß auf dem Parkplatz an der PPR-Kreuzung.

Vor 50 Jahren kamen neue Stadtteile hinzu

In ganz Hessen wird in diesem Jahr einer Zäsur gedacht: 50 Jahre Gebietsreform . 1972 änderte sich auch für Bad Homburg einiges: Man wurde Kreisstadt des neu geschaffenen Hochtaunuskreises. Die ehemals eigenständigen Gemeinden Dornholzhausen (Obertaunuskreis), Ober-Eschbach und Ober-Erlenbach (beide Kreis Friedberg) wurden zu Stadtteilen Bad Homburgs. Obernhain wollte auch, durfte jedoch nicht.

Vor 75 Jahren, im Juli 1947, richtete der Wirtschaftsrat der Bizone zur Vorbereitung der Währungsreform in Bad Homburg die Sonderstelle Geld und Kredit ein, deren Leiter der spätere Bundeswirtschaftsminister und Kanzler Ludwig Erhard (CDU) wurde.

Im selben Monat kam es zur Gründung der Gemeinnützigen Bau- und Siedlungsgenossenschaft "Selbsthilfe" - der Vorgängerin der heutigen "Hochtaunusbau" .

Beide Themen - Wirtschaft und Bauen - vereinigen sich in einem dritten Projekt von 1947, der städtebaulichen Erschließung des Hardtwalds , damals noch in der Erwartung, dass Frankfurt zur neuen Hauptstadt werden könnte.

Im Kontrast dazu steht eine Veranstaltung, die sich im April zum 75. Mal jährt: die erste ordentliche Verbandskonferenz der wiedergegründeten "sozialistischen Jugend Deutschlands - Die Falken" in der Englischen Kirche.

Diverse Vereine haben was zu feiern

1947 bezog auch der neu gegründete VdK Bad Homburg sein erstes Büro - in einer Gartenhütte an der Kaiser-Friedrich-Promenade. Im September gab es den ersten Vorstoß zur Gründung einer Interessensvertretung für Frauen - zwei Jahre später wurde der Deutsche Frauenring aus der Taufe gehoben.

Bedeutende Jubiläen begehen unter anderem der Wanderclub Kirdorf von 1922 und die Feuerwehr Dornholzhausen , die es auch seit 100 Jahren gibt. Der "Hockey- und Tennisclub Bad Homburg" wurde ebenfalls 1922 gegründet, fusionierte jedoch in der Folgezeit mit mehreren Vereinen, so dass letztlich die "Spielvereinigung 05" entstand. Allerdings sieht sich der seit 1989 eigenständige Hockey-Club als Nachfolger dieser Tradition.

Gedacht werden wird zudem an Armin Klein . Der einstige Bad Homburger Rathauschef (1962-1980) wurde am 15. Juni 1922 in Dresden geboren und war Stadtoberhaupt während der Gebietsreform 1972. Der Christdemokrat brachte seine Partei gegen sich auf, als er sich offen gegen den avisierten Neubau des Kurhauses stellte.

Vor 100 Jahren, am 17. Mai 1922, starb Dr. Carl Weber . Der "Geheime Sanitätsrat und Badearzt" galt als Entdecker des Homburger Tonschlamms; er regte an, einen Wanderweg vom Kurpark entlang des Kirdorfer Baches bis in den Taunus anzulegen, und beteiligte sich an der Finanzierung. So entstand der heute noch existente, wenn auch stark verkürzte Weberpfad. Weber hinterließ der Stadt eine Stiftung über 100 000 Mark, die unter anderem die 77 Wohnungen an der Urseler Straße baute.

Vierfacher Jahrestag für die Saalburg

125 Jahre ist es nun her, dass Louis Jacobi Kaiser Wilhelm II. für den Wiederaufbau der Saalburg begeistern konnte. Dabei kann die Saalburg dreifach feiern: 1747 hatte ein hessen-homburgischer Regierungsrat erkannt, dass die Ruinen am Taunuskamm römischen Ursprungs sind. Er identifizierte sie vor 275 Jahren als "römische Schanze". Vor 150 Jahren wurde das erste Gebäude des Kastelldorfes, das Gräberhaus, wieder errichtet. Ebenfalls 1872 ging die Gartenwirtschaft an den Start. 1897 wurde dann die Rekonstruktion des Saalburg-Kastells auf Grundlage der umfangreichen Ausgrabungsfunde veranlasst.

Sein 125-Jähriges feiert das E-Werk in der Wallstraße, das 1897 als Dampfkraftwerk errichtet wurde.

Vor 150 Jahren, am 18 Januar 1872, starb Prinzessin Caroline von Hessen-Homburg , die als Fürstin Caroline von Reuss-Greiz acht Jahre lang als Regentin fungierte und Großmutter der zweiten Frau des ehemaligen Kaisers Wilhelm II war. Diese Hochzeit wurde übrigens vor genau 100 Jahren gefeiert,

Ende des Jahres steht noch ein Jubiläum an, das vor allem die Kur gerne vergessen würde. Vor 150 Jahren, am 31. Dezember 1872, musste die Homburger Spielbank schließen. Die Zwangspause dauerte bis 1949. Die Voraussetzungen wurden 1947 geschaffen - im Februar dieses Jahres beauftragte die Stadtverordnetenversammlung den Magistrat: "Sollte die Hessische Staatsregierung im Staate Hessen die Errichtung einer Spielbank grundsätzlich genehmigen, so soll Bad Homburg die Spielbank für sich beanspruchen."

Auch für die Landgräfliche Gartenlandschaft wird es ein besonderes Jahr werden: 200 Jahre wird unter anderem der Gustavsgarten in diesem Jahr alt, und auch die Elisabethenschneise als Verlängerung der Tannenwaldallee wurde im selben Jahr verwirklicht. Seit 200 Jahren steht zudem die Libanon-Zeder vor dem Schloss. Allerdings kam dieser Baum schon 1818 als kleines Bäumchen aus London in den Taunus.

Louise Ulrike von Hessen-Homburg wurde vor 250 Jahren geboren. Die Prinzessin hat gemeinsam mit ihren Schwestern einen großen Anteil daran, dass die kleine Landgrafschaft nach dem Wiener Kongress wieder souverän wurde.

Im selben Jahr, 1772, entstand nicht nur das Teehäuschen im Rahmen der Umgestaltung eines Teils des Schlossgartens, sondern auch das Gedicht "Pilgers Morgenlied" des damals frisch gebackenen Juristen Johann Wolfgang Goethe - damals noch ohne "von" - zu dem sich der Dichter bei einer Vorbeifahrt an Homburg inspirieren ließ.

Es gibt noch ein besonderes Betriebsjubiläum zu feiern: Ihr 275-jähriges Bestehen (!) können die Dachdecker-Firmen Sadtler feiern, die beide auf Johannes Sadtler (1724-1808) zurückgehen, der vom Landgrafen 1747 an den Homburger Hof gerufen wurde. Die beiden heutigen Firmen gingen vor 50 Jahren auseinander.

Und fast so weit wie die Landgrafschaft reicht die (nachweisliche) Geschichte des Friedhofs am Untertor zurück: 375 Jahre sind es genau. Harald Konopatzki

Große Hingucker liefern die "Blickachsen" den Homburgern seit 25 Jahren. 2003 ließ der "Espacios para el Deseo" von Ricardo Calero die Thai Sala klein aussehen. Bei mittlerweile zwölf Ausstellungen wurde die Kurstadt mit zahlreichen Skulpturen und Installationen beschert.

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