"Babettes Fest" berauscht

Schauspielerin und Pianist entführen nach Norwegen

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Bereits vor zwei Jahren gestalteten die Schauspielerin Susanne Schäfer und Rolf Kohlrausch als Pianist zusammen ein Programm. Zu „Babettes Fest“ von Tania Blixen (1885–1962), zu dem in einem norwegischen Dorf geladen wird, erklang nun Musik des norwegischen Komponisten Edvard Grieg (1843–1907).

Der gewichtige Auftakt am Flügel „Gade“ op. 57 huldigt dem dänischen Komponisten und somit auch der dänischen Baronin, die unter ihrem Pseudonym Tania Blixen hierzulande bekannt ist. Dann versetzt Susanne Schäfer – die Frankfurterin ist dem Homburger Publikum aus der Soap „Geld. Macht.Liebe“, die in der Villa Wertheimber gedreht wurde, wohlbekannt – ihre Zuhörerschaft im Kurtheater in das „Puppenstädtchen wie aus dem Kinderbaukasten“ am norwegischen Fjord.

Martine und Philippa leben dort ihr altjüngferliches Leben. Jede hatte in jungen Jahren ihre gescheiterte Liebelei, seitdem stören Männerbekanntschaften ihr Leben nicht mehr. Der Vater hatte eine pietistische Sekte gegründet und nach strengen Grundsätzen hatten sie ihr ganzes karges Leben verbracht. Aber die beiden hatten ein Dienstmädchen; die Erklärung hierfür ist dann der Inhalt der Erzählung. Eines Tages hatte Babette vor der Tür gestanden, abgehärmt und mittellos als Flüchtling aus Paris, mit einem Empfehlungsschreiben von Achille Papin, dem Gesangslehrer, der einst Philippa mit ihrer schönen Stimme zum Opern-Stern in Paris ausbilden wollte und seitdem einen Platz in deren Herzen hat.

Petroleuse war Babette im revolutionären Paris gewesen, hatte Petroleum in die Häuser gegossen und diese angesteckt. Zurück konnte sie also nicht. Norwegisch lernte sie in den folgenden Jahren nie, aber Stockfisch kochte sie nach einer Woche bereits perfekt. Eines Tages erhielt Babette einen Brief – sie hatte in Paris in der Lotterie gewonnen, hatte über einen Mittelsmann all die Jahre gespielt. Die Schwestern wollte sie dennoch nicht verlassen, aber sie hatte einen Wunsch. Sie wollte zum Gedenken an den 100. Geburtstag des Propstes ein Essen kochen, was man ihr nach all der Zeit nicht abschlagen wollte. Babette verschwand für zehn Tage, um ihre Vorbereitungen zu treffen.

Sehr konzentriert lauschten die Zuhörer der Stimme von Susanne Schäfer, die die schöne Sprache und all die kleinen Begebenheiten auskostete. „Illusion“, „Glockengeläut“, „Elegie“ und „Springtanz“ hatte der Homburger Pianist Rolf Kohlrausch am Flügel an der jeweils zum Text passenden Stelle eingeflochten. Der Erlebnisfluss sollte durch Beifall nicht unterbrochen werden, darum hatte man gebeten.

Geschickt zog die Autorin die Fäden zwischen den zeitlichen und örtlichen Stationen. Babette war in Paris vor der Revolution eine Starköchin gewesen und legte nun in ihr Festessen all ihre Kunst, zelebrierte alle Finessen der französischen Küche für die zwölf geladenen Gäste. Sehr langsam tauten diese auf, der Alkohol trug dazu bei, sie erlebten Dinge wie nie zuvor – ihr Leben änderte sich. „Notturno“, „Kobold“, „Französische Serenade“ und allerlei kleine Stücke gab es dazwischen zu hören. Die Gäste der Lesung hatten den grauen Sonntagnachmittag auf genussvolle Weise verbracht und sparten am Ende nicht mit Applaus.

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