Meisterkurse für junge Talente

Schlosskirche wird zum Tonstudio

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Die Meisterkurse für junge Talente sind mittlerweile fest etablierter Bestandteil des Bad Homburger Kulturlebens. Das liegt auch an den ungewöhnlichen Unterrichtsmethoden.

Der Meisterkurs, der derzeit in der Schlosskirche stattfindet, ist einzigartig in Deutschland. Dass hier Angelika Merkle und Hubert Buchberger, beide Professoren für Kammermusik an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt, den Kurs begleiten, ist freilich nicht ungewöhnlich. Die besondere Note bringt Tonmeister Christian Starke ins Spiel. Er verwandelt die Schlosskirche in ein professionelles Tonstudio, in dem die Proben aufgezeichnet werden. Dies bietet die Gelegenheit, das soeben Gespielte für die Besprechung zu nutzen.

Sechs Ensembles hatten sich für diesen Kurs angemeldet, zwei bis drei Probensequenzen gibt es, und für die selbstständige Arbeit erhalten sie eine CD. Da ist das Tenero-Quartett (Sophie Schüler und Natália Nagyová, Violine – Clara Holdenried, Viola – Bettina Kessler, Violoncello). Bearbeiten wollen sie aus Franz Schuberts „Der Tod und das Mädchen“ das erste Allegro aus dem Streichquartett F-Dur von Maurice Ravel und das Adagio aus op. 76 Nr.4 von Joseph Haydn.

Die Akkorde werden aufgebaut und lange gehalten, immer wieder leicht korrigiert, um die Intonation sauber zu bekommen. So transparent ist Haydns Adagio, dass jede Unreinheit durchdringt. Und so getragen ist es auch, dass die Herausforderung in der musikalischen Gestaltung liegt.

Die Musikerinnen gehen kritisch mit ihrem Spiel um und finden selbst vieles, wie es noch aussagekräftiger werden könnte. Erst dann kommen Vorschläge von Buchberger und Starke. Die Dynamik ist das Wichtigste, wie weit kann man ins Pianissimo zurückgehen und behält dennoch genügend Spielraum? Selbst die Länge einer Fermate wird hier diskutiert. Manches von dem Besprochenen kann beim nächsten Spiel schon umgesetzt werden. Auf die gleiche Weise gehen sie im Anschluss das Allegro von Schubert an. Hier gibt es neben dem anspruchsvollen Ausdruck für den Tod und das Mädchen auch technische Probleme. Und wieder bieten die beiden Dozenten Hilfen bis in winzige Details.

Am Nachmittag ist das Duo Goun Kim (Klavier) und Dominik Manz (Violoncello) mit Le grand Tango von Astor Piazzolla bei der Arbeit. In zwei Arbeitsphasen haben sie viereinhalb Stunden Zeit zu spielen, die Aufnahmen anzuhören und zu besprechen. Den feurigen Charakter des südamerikanischen Tanzes zu treffen, die starke und sehr spezielle Energie ständig zu halten, ist die ganz große Herausforderung. Professor Merkle gibt unendlich viele Tipps, feuert die beiden an, es hält sie kaum auf ihrem Stuhl.

Heute kann man den Proben tagsüber noch zuhören. Die Ergebnisse der Proben werden morgen, Samstag, 17.30 Uhr, in der Schlosskirche hören. Das Konzert ist Pfarrer Gerhard Blaurock gewidmet, dem Initiator des Meisterkurses, der im vergangenen Dezember verstorben ist.

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