Die Blutbuche am Ufer das Schlossteichs hat weiß angemalte Äste bekommen. Die Farbe soll die Rinde vor Sonnenbrand bewahren.
+
Die Blutbuche am Ufer das Schlossteichs hat weiß angemalte Äste bekommen. Die Farbe soll die Rinde vor Sonnenbrand bewahren.

Klima

Schlosspark Bad Homburg: "Sonnencreme" für die Blutbuche

  • Christiane Paiement-Gensrich
    VonChristiane Paiement-Gensrich
    schließen

Ein stattlicher Baum am Schlossteich wird von weißer Farbe geschützt. Auch sonst gibt es im Park viel zu entdecken.

Bad Homburg -Wer hat die Blutbuche am Schlossteich angemalt? Weiße Äste hat der stattliche Baum plötzlich bekommen. "Das ist Kalkfarbe, sie schützt die Rinde vor den Sonnenstrahlen", erklärt der Leiter der Schlossgärtnerei, Peter Vornholt. Ein häufiges Baum-Problem sei nämlich Sonnenbrand an den Ästen. "Dann reißt die Rinde, und Pilze setzen sich hinein." Auch bei starken Temperaturschwankungen, etwa im Winter, könne die Rinde Schaden nehmen.

Warum die Blutbuche gerade jetzt ihre Ration kalkige "Sonnencreme" bekommen hat: Vor der Buche stand bis Anfang Juni eine Silberpappel am Ufer, und die fehlt nun als Sonnenschutz. "Die Pappel ist in den Teich gefallen", berichtet Vornholt. Ein vitaler Baum sei das gewesen, der sich aber mit seinen hurtig wachsenden Wurzeln in Richtung Teich ausgebreitet habe. Denn dort sei mehr Platz gewesen. "Leider wurde das Ufer rund um die Wurzeln ausgeschwemmt, so dass der Baum schließlich seinen Halt verloren hat."

Bad Homburg: Neue Bäume vertragen Klima besser

Pappellos soll die Stelle jedoch nicht bleiben. "Im Herbst pflanzen wir eine neue Silberpappel." So bekomme die Blutbuche mit den dunkelroten Blättern wieder ein hell schimmerndes Kontrastgehölz. Das künftige Duo sei dann auch vom Tempel der Pomona aus wieder schön zu sehen. Denn zur Aufgabe der Garten-Denkmalpflege gehöre es, Ansichten zu erhalten und bei Verlusten die gleichen Baumarten nachzupflanzen. Meistens gelinge das.

Nur die drei Bergahorn-Bäume in der Nähe des Tempelchens seien nun durch Spitzahorn-Bäume ersetzt worden, berichtet Vornholt. "Die kommen mit den neuen Klimabedingungen besser zurecht und trotzen der Trockenheit recht gut." Ähnliches gelte für Sumpfeichen, auch wenn ihr Name etwas anderes vermuten lasse. Insgesamt habe die Gärtnerei im vorigen Herbst und Frühjahr mehr als 50 Bäume und über 50 große Sträucher gepflanzt. Darunter die Süßkirschbäume für die Kirschenallee sowie fünf Linden und eine Eiche für den Inselgarten. Der Kastanienhain nahe dem Tempel wurde durch sechs neue Esskastanienbäume vervollständigt. Und sogar eine Paulownia (auch Blauglockenbaum genannt), wie sie schon im 19. Jahrhundert hier stand, wurde nachgepflanzt. "Das ist für unsere Breiten und die damalige Zeit ein erstaunlich exotischer Baum", erklärt Vornholt.

Park: Kalkfarbe gegen die Sonneneinstrahlung

Doch zurück zum kalkweißen Sonnenschutz: Auch bei jungen Obstbäumen sei es üblich, sie mit Kalkfarbe anzustreichen. Denn im Winter könne der Temperaturunterschied zwischen Tag (10-12 Grad) und Nacht (-10 Grad) mehr als 20 Grad betragen. Die weiße Farbe reflektiere die Sonnenstrahlen und helfe den Bäumen. Die Waldbäume hätten das gleiche Problem und stünden auch wegen des Klimawandels unter Stress. Und wenn ein Baum aus einer Gruppe umfalle, dann seien die anderen der Sonne schutzlos ausgeliefert. Aber man könne nunmal nicht alle Waldbäume anmalen.

Im Schlosspark dagegen werde alles getan, um Solitärgehölze zu schützen. Vor rund drei Jahren habe sein Team bereits andere Buchen-Äste weiß gestrichen, berichtet Vornholt. "Bei diesem Baum mussten wir damals die Krone zurücknehmen. Dadurch gab es dann mehr Lichteinfall im Inneren der Buche." Inzwischen sei dort aber keine weiße Farbe mehr nötig. "Der Baum hat sich selbst wieder mit Blättern garniert."

Die Blutbuche am Schlossteich unterdessen habe noch nicht wieder ausgetrieben. Aber auch wenn sie sich jetzt erstmal Zeit lässt: Die "Sonnencreme" an ihren Ästen hält noch rund zwei Jahre.

von Christiane Paiement-Gensrich

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare