Carnevalsverein Heiterkeit

Schnappschuss wie bei den Oscars

Karneval steht für die unbeschwerte Zeit im Jahr, für Frohsinn, schräge Kostüme und schmissige Büttenreden. Eine solche bunte Mischung an Unterhaltung, Tanz und Bühneneinlagen gab es auch bei der Karnevalssitzung des Kirdorfer CV Heiterkeit.

Von Judith Alpmann

„Manege frei!“, hieß es bei der Fastnachtssitzung des Carnevalsvereins Heiterkeit gleich mehrfach. Denn diese stand in diesem Jahr unter dem Motto „Zirkus kunterbunt“. „Ein Zirkus muss nicht riesig sein, ihr kennt das alle von daheim!“, eröffnete so auch Sitzungspräsident Hans-Georg Zettlitzer die diesjährige Fremdensitzung.

Mit von der Partie war selbstverständlich Ihre Tollität Natalia I, die sich als geborene Kirdorferin natürlich besonders freute, dabei zu sein. Ein kurzes Selfie auf der Bühne, das Natalias Ehrentag für immer festhalten sollte, ein dreifaches Helau und ein kleines Präsent später, dann stand auch schon die erste Büttenrede an.

Protokoller Dieter Schaller, bekannt dafür, dass er neben Weltpolitik, Wirtschaft und Kultur auch dafür sorgt, dass die Homburger Lokalpolitiker ihr Fett wegbekommen, holte zum Rundumschlag aus. „Von der Wirtschaft und dem lieben Geld“ über Putins Großmachtsansprüche bis hin zu Erdogans wenig pfleglichem Umgang mit der Pressefreiheit hatte er einiges zu kritisieren.

Aber auch in Bad Homburg sei im vergangenen Jahr so manches schief gelaufen. Das Homburger Bündnis, früher mal bekannt als „eine Ehe voller Harmonie, dunkle Wolken gab es nie“, habe in diesem Jahr ein jähes Ende erfahren. „Plötzlich dann der große Knall, für Krug begann der freie Fall.“ Dass es so nicht weitergehen könne, ist sich Schaller sicher. Deshalb fordert er die anwesenden Politiker, darunter Oberbürgermeister Michael Korwisi (Grüne), Bürgermeister Karl Heinz Krug (SPD), Alexander Hetjes, Bürgermeisterkandidat der CDU, und Stadtverordnetenvorsteher Holger Fritzel (NHU), auch gleich auf: „Ihr Herren kriegt euch wieder ein, produktive Diskussion ist jetzt gefragt, zum Wohle unserer Heimatstadt.“

Gastredner in diesem Jahr war Oberbürgermeister Korwisi, der als sein eigener kleiner Bruder auftrat. Sein großer Bruder, der OB, könne nicht kommen, habe ihm aber vorher eingeschärft: „Vermeide jegliche Kritik und rede nicht über Politik. Und fällt dir gar kein Thema ein, rede über Kirdorf und sei Äppelwoi.“

Getreu diesem Motto mied Korwisi die Homburger Politik und gab stattdessen Einblicke in seine kulinarischen Reiseerlebnisse. Dabei habe er feststellen müssen: Das leckerste Gericht sei immer noch „Kirdorfer Weck und Worscht und Äppelwoi“. Da könne kein Pfälzer Saumagen, keine Baden-Württemberger Spätzle und auch kein Survival-Dinner im australischen Outback mithalten.

Weiterhin sinnierte eine Karnevalsprinzessin in spe, alias Jasmin Hett, gemeinsam mit Bianca I., ihrerseits bereits 2006 Tollität gewesen, über die Vor- und Nachteile einer Regentschaft. Mit den Orden „hört man sich an wie ne Kuh auf der bayerischen Alm“, beschwerte sich die „Prinzessin Ade“, musste dann aber schlussendlich doch zugeben, dass ihre Zeit als Lieblichkeit zwar anstrengend, aber auch schön gewesen sei.

Das kurzweilige Programm mit guten Büttenreden wurde immer wieder aufgelockert durch eine kunterbunte Zirkusvorstellung der Minigarde, der mitreißenden Tanzdarbietung des Mittelballetts und der anspruchsvollen Burlesquenummer des großen Balletts.

Außerdem zeigte das Tanzpaar der Heiterkeit, Denise Kunzelmann und Marc Hett, wie elegant es über das Parkett schweben kann. Für gute Stimmung sorgten zudem die „Pitschedabbscher“, die eine eigene Interpretation des Musicals „Sister Act“ auf die Bühne brachten.

Auch die Frauengruppe konnte sich über fehlenden göttlichen Beistand nicht beklagen. Als griechische Götter verkleidet, heizten die Damen dem Publikum kräftig ein. Musikalisch unterstützt wurden sie dabei durch Gute-Laune-Lieder, wie „Das bisschen Haushalt“ und Helene Fischers Dauerbrenner „Atemlos“.

Für Winfried Hett war es in diesem Jahr ein ganz besonderer Abend, denn er durfte die goldene Vereinsspange für stolze 50 Jahre Mitgliedschaft entgegennehmen. Bereits seit 1965 ist er im Spielmannszug als Trommler und auch im Verein aktiv und versicherte sichtlich gerührt: „Bis zum bitteren Ende bleibe ich dabei.“

Temporeich ging es auch bei den folgenden Büttenreden zu. Sabine Filbert gab wortgewandt Einblicke in ihr turbulentes Leben mit ihrem pensionierten Ehemann, Uwe Paul erzählte als Clown einen Witz nach dem anderen und Anja Schreiter berichtete von den Tücken beim Bau eines Eigenheims. Auch Dieter Schaller ließ es sich nicht nehmen und trat ein weiteres Mal in die Bütt. Locker und flockig erzählte er vom neuen heimischen Wasserbett und wie er unverhofft zu einem eigenen Pool im Schlafzimmer kam. Mit viel Liebe zum Detail, tollen Kostümen und einem prächtig geschmückten Saal konnte im Anschluss ans fünfstündige Programm noch kräftig geplauscht, getanzt und gefeiert werden.

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