Simon und Caroline (re.) schauen zu, wie Katharina die Probe des Abstrichs auf das Testfeld tropft. Für das Foto wird der Test ausnahmsweise draußen gemacht, normalerweise braucht es eine Temperatur zwischen 15 und 25 Grad.
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Simon und Caroline (re.) schauen zu, wie Katharina die Probe des Abstrichs auf das Testfeld tropft. Für das Foto wird der Test ausnahmsweise draußen gemacht, normalerweise braucht es eine Temperatur zwischen 15 und 25 Grad.

Corona-Tests in Bad Homburg

Schnelltests kommen langsam auch in der Schule an

  • vonKatja Schuricht
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Kaiserin-Friedrich-Gymnasium ist eine von landesweit 21 Pilotschulen

Bad Homburg -Erst hat es in der Nase gekitzelt, dann hatte Caroline kurz Tränen in den Augen. "Aber das war gar nicht schlimm, man muss das Stäbchen ein Glück nicht ganz so tief in die Nase stecken, wie ich gedacht habe", erzählt die Zehnjährige. "Wichtig ist nur, das man dann das Stäbchen 15 Sekunden in der Nase hin und her dreht. Und das in allen beiden Nasenlöchern",berichtet sie. "Ich musste danach nur niesen", erzählt ihre Freundin Katharina (11) von ihrer Erfahrung. "Insgesamt war das nicht schlimm und ging schnell", fügt Simon (11) hinzu. Auch das Prozedere mit der Pipette und der Testflüssigkeit habe gut geklappt. "Die 15 Minuten Wartezeit auf das Ergebnis waren dann aber schon aufregend", meint Caroline. Die drei sind Schüler der Klasse 5 b3 des Kaiserin-Friedrich-Gymnasium (KFG) und haben gestern zum ersten Mal in der Schule einen Antigen-Schnelltest durchgeführt. "Wir haben das Glück, zu den 21 Pilotschulen in Hessen zu gehören, die das hessische Kultusministerium jetzt mit Selbst-Schnelltests ausgerüstet hat", erklärt Schulleiter Jochen Henkel. "Wir sind die einzige weiterführende Schule im Hochtaunuskreis, die dabei sein darf", freut sich Henkel.

Alles ging ganz fix, wie Henkel berichtet. "Wir haben am 19. März die Anfrage des Kultusministeriums bekommen, dann haben wir Info-Schreiben an die Kollegen und Eltern verteilt und kurz darauf kam schon die Lieferung mit den Selbsttests", erzählt er. Bis zum Beginn der Osterferien führen die Lehrkräfte und Schüler die Tests zwei Mal pro Woche mit den Schülern der Präsenzpflicht durch. Für die Statistik: "In der vergangenen Woche, der ersten Wochen der Selbsttests, haben 294 Schüler aus den Jahrgangsstufen fünf und sechs sowie aus der Q 2 und Q 4 und 67 Lehrkräfte die Selbsttests durchgeführt", informiert Henkel. Die Selbsttests sind ein freiwilliges Angebot. Am höchsten ist die Bereitschaft bei den Schülern der Stufe Q 2. Da machen 80 Prozent mit", sagt Henkel. "Bei den Fünftklässlern sind es bis jetzt 60 Prozent." Bis jetzt, so Henkel, waren zum Glück alle Tests negativ.

Einfach zu handhaben

Zur Seite steht den Schülern und Lehrern in der zweiwöchigen Probephase vor Ostern ein Team aus Ärzten. "Wir haben gemeinsam mit Lehrern und Schülern das Video zur Anleitung angesehen. Dann hat der Lehrer den Schülern die einzelnen Schritte vorgemacht", berichtet eine der Ärztinnen aus dem Team. "Das hat alles sehr gut geklappt", betont die Medizinerin, die beeindruckt ist, wie konzentriert und sorgfältig die Schüler dabei vorgehen. Und: Das Ganze dauert nur wenige Minuten. "Vom Ablauf her ist das Ganze sehr gut zu bewältigen, auch wenn es bei den Fünftklässlern am Anfang vielleicht etwas länger dauert, bis man sie behutsam mit der Sache vertraut gemacht hat", erläutert Schulleiter Henkel. "Aber die Test-Variante, die wir zur Verfügung gestellt bekommen, ist eine harmlose, ohne tiefen Abstrich", sagt er. "Der Tupfer muss nur zwei Zentimeter tief in jedes Nasenloch eingeführt werden", erklärt der KFG-Leiter, der froh ist, dass er mit seiner Schule diese ersten, wertvollen Erfahrungen sammeln darf. "So können wir nach den Ferien mit den Tests weitermachen und viel entspannter damit umgehen".

Seine Botschaft an alle anderen Schulen: "Die Selbsttests funktionieren gut und sind leicht und absolut unproblematisch zu handhaben." Der Gewöhnungsprozess der Abläufe setzte rasch ein. "Das Testen wird schnell zur Alltagsroutine", versichert Henkel und gibt zu: "Anfangs dachten wir auch, dass von der Schulstunde viel Zeit verloren geht. Aber, wenn man es einmal gemacht hat, geht das schnell. Und in der Viertelstunde Wartezeit auf die Testergebnisse kann man schon mit dem Unterricht starten." Klar sei aber auch, so Henkel, dass die Schnelltests zwar ein gutes Hilfs-, aber kein Allheilmittel sind. "Deshalb ist es wichtig, dass auch wir als Lehrkräfte der weiterführenden Schulen schnell geimpft werden. So wie wir uns insgesamt ein schnelleres Impf-Tempo für alle wünschen", meint Henkel.

Wie immer sei das Meinungsbild auch beim Thema Selbsttests an der Schule zweigeteilt, verrät der Schulleiter. "Es gibt Eltern, die sagen ,super, endlich wird an den Schulen getestet'. Andere stehen dem ängstlich oder skeptisch gegenüber. Es haben auch schon Eltern nachgefragt, ob wir dann nicht, wenn die Schnelltestes alle negativ sind, die Schüler von den Masken während des Unterrichts befreien können", erzählt er. Das gehe aber nicht. "Das Testergebnis ist nur eine Momentaufnahme und gibt keine absolute Sicherheit. Der Effekt, den wir durch die Schnelltests haben, ist für uns der, dass wir einen Überblick darüber bekommen, ob wir an unserer Schule einen Infektionsherd haben oder nicht", stellt er klar. "Deshalb sehen wir die Schnelltests als große Chance."

Großes Paket pünktlich zu Ferienbeginn leer

Am Ende der Woche wird das große Paket mit den 1000 Tests leer sein. So viele Test-Kits mit Antigen-Selbsttests (SARS-CoV-2 Rapid Antigen Tests) haben die Schüler und Lehrer des KFG in den vergangenen zwei Wochen verbraucht. Und bisher waren glücklicherweise alle Tests negativ. Das Gymnasium gehört zu den 21 Pilotschulen, die das hessische Kultusministerium mit mehr als 16 000 Schnelltests ausgerüstet hat. "Wir sind die einzige weiterführende Schule im Hochtaunuskreis, die bei diesem Pilotprojekt sein darf", freut sich Schulleiter Jochen Henkel. Von den Pilotschulen erhofft sich das Ministerium ein wichtiges Feedback, um, so erklärt es der hessische Kultusminister Professor Dr. Alexander Lorz (CDU) in einer Pressemittelung, "nach den Ferien die Tests flächendeckend an alle Schulen problemlos durchführen zu können." Der Vorteil: Die Test-Kits müssen nicht im Kühlschrank aufbewahrt werden. Nur bei der Durchführung der Testung muss darauf geachtet werden, dass die Umgebungstemperatur zwischen 15 und 25 Grad ist. Geplant ist, dass sich dann, wie schon jetzt am KFG, Schüler, Lehrkräfte und weiteres Schulpersonal "unkompliziert, kostenfrei und freiwillig mindestens jeweils einmal in der Woche selbst testen können." Die Tests sollen vor Unterrichtsbeginn durchgeführt werden. Dafür, heißt es in der Pressemeldung weiter, stelle das Gesundheits- und Kultusministerium Videos zur Handhabung und Anleitung bereit. Fällt ein Test positiv aus, muss das Gesundheitsamt informiert, die Person in Quarantäne und ein PCR-Test durchgeführt werden.

Die Tests stellt die Landesregierung bis zum Ende des Schuljahres zur Verfügung. Das Land investiert in die Vergabe der Antigen-Schnelltests für Schulen und der Kindertagespflege 90 Millionen Euro. Bis zu den Sommerferien sollen damit die rund 760 000 Schüler und rund 100 000 Lehrer und Mitarbeiter an den knapp 2000 hessischen Schulen mit Schnelltests ausgestattet werden.

Von Katja Schuricht

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