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Umsichtig, schnell und bedacht, vor allem aber engagiert haben Goran Vukelic (links) und Faizan Maqsood reagiert, als sie Ende September die Wagenheber zückten und eine 16-Jährige, die bei einem Unfall unter einem Fahrzeug eingeklemmt war, befreiten.

Mädchen nach Unfall befreit

Diese beiden Männer sind echte Helden 

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Was macht man, wenn man sieht, dass ein junges Mädchen nach einem Verkehrsunfall unter einem Auto eingeklemmt ist? Wenn jede Sekunde zählt? Man wählt den Notruf, klar. Aber zwei junge Männer haben weit mehr als das getan. Sie zögerten nicht lange und machten sich mutig selbst daran, das Mädchen zu retten.

Faizan Maqsood ist 23 Jahre alt, Asylbewerber aus Pakistan und so, wie man sich einen jungen Mann seines Alters vorstellt: ein bisschen zurückhaltend, mit spitzbübischem Lächeln, dunkle Jacke, weiße Jeans – das Outfit ist in dem Alter ja nicht ganz unwichtig. Er kam vor zwei Jahren nach Deutschland in der Hoffnung „auf ein besseres Leben“ und arbeitet jetzt als Koch in einem italienischen Restaurant in der Louisenstraße. Dorthin war er auch am 21. September unterwegs, als er plötzlich vor sich auf der Frankfurter Landstraße einen verunfalltes Fahrzeug sah – und darunter eingeklemmt eine Person. Maqsood fackelte nicht lange, stellte seinen Wagen am Straßenrand ab, ging zum Kofferraum, holte einen Wagenheber raus und rannte zur Unfallstelle.

„Ich habe in dem Moment alles ausgeblendet, habe automatisch gehandelt und bin mit dem Ziel losmarschiert, die eingeklemmte Person zu befreien“, erinnert er sich. Als er zum Fahrzeug gekommen sei, habe er gesehen, dass es sich um ein junges Mädchen gehandelt habe, sich kurz einen Überblick über die Lage des Mädchens verschafft und den Wagenheber erst einmal in Kopfnähe angebracht, um den zu sichern. „Als ich den Wagen aufbockte, merkte ich aber, dass er auf der anderen Seite kippen würde und wollte schon wieder aufhören – da kam mir jemand zu Hilfe und bedeutete mir, weiterzumachen, er werde sich um die Sicherung der anderen Seite kümmern.“

Dieser andere Mann, das war Goran Vukelic. Der 41 Jahre alte Bad Homburger mit bosnischen Wurzeln wohnt nicht weit von der Unfallstelle entfernt. „Ich war gerade von der Arbeit nach Hause gekommen – ich bin Technischer Teamleiter Logistik bei Magna – und ließ mit meiner Frau den Tag Revue passieren, als ich Schreie hörte.“ Er habe aus dem Fenster geschaut, die Situation erfasst („ich bin gelernter Automechaniker“), sich seinen Wagenheber geschnappt und sei nach unten gerannt.

„Automatisch reagiert“

Auch Vukelic hat, wie er sagt, „automatisch“ reagiert. „Ich habe selbst drei Kinder im Alter von 17, achteinhalb und sieben Jahren, und beim Anblick des Mädchens habe ich nur gedacht, ich muss dem Kind unbedingt helfen.“

Zusammen mit Maqsood habe er vorsichtig den Unfallwagen aufgebockt, damit die Einsatzkräfte, sobald sie einträfen, sofort mit der Bergung beginnen konnten. „Ich blendete dabei den Anblick, der sich uns bot, aus, denn ich hatte Angst davor, dass es sich um eine Freundin meines 17-jährigen Sohnes handeln könnte – die Kinder sind ja alle mit dem Fahrrad unterwegs“, sagt Vukelic. Beide sagen: „Wir haben nur getan, was getan werden musste.“

„Außergewöhnliche Hilfe“

Tatsächlich aber schätzt Homburgs Feuerwehrchef, Brandrat Daniel Guischard, ihren Einsatz als „heldenhaft“ ein. Die Männer hätten eine „wirklich außergewöhnliche Hilfeleistung“ gegeben. Mehr noch, durch ihren Einsatz sei, nach ärztlicher Einschätzung, die Einklemmung mit Verbrennungsgefahr am Auspuff „erheblich reduziert worden“ und habe damit „wesentlich zur erfolgreichen Rettung beigetragen“.

Zudem hätten sie „unter nicht unerheblicher Eigengefährdung“ unverzüglich Erste-Hilfe-Maßnahmen eingeleitet und die eintreffenden Einsatzkräfte der Feuerwehr und des Rettungsdienstes bestmöglich unterstützt.

Nicht falsch verstehen: Ein Laienhelfer sollte sich nicht selbst in Gefahr begeben – etwa jemandem, der ins Wasser gefallen ist, hinterherspringen ohne entsprechende Schutzausrüstung. „Aber diese Männer wussten, was sie taten“, sagt Guischard und weiter: „Eine in Ausführung und Umfang gleichartige Hilfeleistung durch Laienhelfer haben wir bei der Bad Homburger Feuerwehr in den zurückliegenden Jahren noch nicht erlebt.“

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