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Sentinels: Beste Platzierung, aber weniger Fans

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Von: Thorsten Remsperger

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Schwörte seine Spieler für diese Saison ein letztes Mal ein: Maximilian Schwarz mit dem Zweitliga-Team der Sentinels.
Schwörte seine Spieler für diese Saison ein letztes Mal ein: Maximilian Schwarz mit dem Zweitliga-Team der Sentinels. © ZIBART.DE

Wie das Saisonfazit von Zweitligist Bad Homburg Sentinels ausfällt. Präsident und Offensive Coordinator Maximilian Schwarz zieht Bilanz.

Bad Homburg -Was die Gunst der Zuschauer betrifft, sind die Bad Homburg Sentinels die unangefochtene Nummer eins im Sportkreis Hochtaunus. Dennoch spricht Maximilian Schwarz nach dem bisher besten sportlichen Abschneiden seines erst sieben Jahre alten Clubs bezogen auf den Publikumszuspruch von einer "durchwachsenen Bilanz".

350 bis 550 Fans hätten die insgesamt fünf Heimspiele der Zweitliga-Mannschaft im Sportzentrum Nord-West besucht, sagt der 28-jährige Vereinspräsident und Offensive Coordinator in Personalunion. Zum Saisonabschluss beim völlig ungefährdeten 27:6 gegen die Stuttgart Scorpions, dem siebten Sieg im zehnten Spiel in der GFL 2 Süd, waren es noch einmal 450.

Teams in anderen Sportarten würden sich in Bad Homburg und im Umkreis die Finger nach einer so zahlreicher Anhängerschaft lecken. Aber die "Wächter" lockten nun einmal in ihrer Anfangszeit 1000 Fans und mehr zu ihren Spielen. Die Euphorie war groß, ein Aufstieg folgte auf den anderen. Schon vor der Corona-Pandemie waren die Zahlen dann aber rückläufig. Woran liegt das?

Hoher Aufwand für Eventcharakter

Damit, dass die Zuschauer "auf Nord-West" zu wenig geboten bekommen, kann es nicht zusammenhängen. Die Motto-Spieltage, stets in Verbindung mit einem Sponsor aufgezogen, seien sehr gut angekommen, berichtet der Ober-Eschbacher Schwarz. Am Samstag gab's in Kooperation mit einem Lebensmitteleinzelhändler zu "Ice in the sunshine" auch Auftritte eines Rappers und einer Tanzgruppe zu bestaunen, Spieler der Frankfurt Galaxy waren zu Gast, die kleinsten Fans konnten auf einer riesigen Hüpfburg herumtollen.

"Es gibt einfach zu viele Optionen für die Leute", meint Schwarz, "die Auswahl an Veranstaltungen und Events ist momentan riesig." Die Freizeitaktivitäten eines Haushaltes seien aber nun einmal zeitlich und auch finanziell begrenzt. Auch die Sommerferien und die nicht so weit entfernt in der europäischen Liga EFL spielende Galaxy als Football-Konkurrent spielen mit Sicherheit eine Rolle.

Was die Landkarte des American Football Verbandes Deutschland (AFVD) angeht, haben sich die Sentinels wiederum eine Vormachtstellung erarbeitet. "Ich sehe uns auch aufgrund unseres Vereinsprogramms an Nummer eins in Hessen", sagt Schwarz - und damit liegt er nicht so falsch. Die Frankfurt Universe befindet sich in der GFL 1 auf Abschiedstour, und aus der GFL 2 sind die Wiesbaden Phantoms, einstiger Platzhirsch im Rhein-Main-Gebiet, und die Frankfurt Pirates sang- und klanglos abgestiegen.

Demgegenüber sicherten die Bad Homburger mit dem Heimsieg gegen Stuttgart den dritten Platz in der Südgruppe der GFL 2 mit der positiven Bilanz von sieben Siegen und drei Niederlagen. Dadurch ergibt sich bei der künftigen Zusammenstellung des Teams für die Kaderplaner um Schwarz eine (noch) bessere Perspektive.

Quarterback Danny Farley hatte bei seinem womöglich letzten Auftritt für die Kurstädter zunächst Wide Receiver Kevin Klemm und Tight End Cem Aksu bei dessen Comeback für Touchdown-Läufe bedient. Nach dem Wechsel lief Runningback Jeremia Böhmann in die Endzone und Eritros Haggi fing einen weiteren Touchdown-Pass Farleys.

Mit dem 31-jährigen US-Amerikaner, der mit seiner deutschen Frau in Solingen lebt, wollen sich die Sentinels im Oktober zusammensetzen. Seine Zukunft ist ebenso offen wie die des zweiten Profispielers, Defensiv-Spezialist Rashad Greene, der seine zweite Saison in Bad Homburg aus familiären Gründen vorzeitig beendet hatte und in die USA zurückgekehrt war.

Aufstieg als Ziel - das hat aber keine Eile

Was den eigenen Nachwuchs angeht, können die Sentinels von einer rosigen Zukunft träumen. Aus der erfolgreichen U19, Viertelfinalist in der GFL Juniors, drängen eine Reihe talentierter Spieler in den Kader. In den letzten beiden Partien kamen schon Benjamin Sadtler, der einen Onside Kick eroberte, Longsnapper Adrian Fietze, und Kicker Jonas Kauth zum Einsatz, andere potenzielle GFL-2-Debütanten waren in den Schulferien im Urlaub. Gerade von Kauths Schusskraft zeigte sich Schwarz begeistert. Der A-Jugendliche steuerte nicht nur Extrapunkte bei, ihm gelangen auch beim Kickoff drei Touchbacks - das heißt, der Ball flog bis in oder über die Endzone hinaus, so dass der Gegner ihn nicht direkt zum Gegenangriff aufnehmen konnte.

Auch angesichts der vielen eigenen Talente mit Perspektive, aber auch um für Sponsoren noch attraktiver zu werden, nennt Schwarz den Erstliga-Aufstieg "in den nächsten ein, zwei Jahren" schon als Ziel. Sowohl sportlich - wie in den Partien gegen Meister Ingolstadt Dukes und "Vize" Kirchdorf Wildcats zu sehen - als auch finanziell müssten die Sentinels dafür allerdings nochmals einen großen Sprung machen. "Wir wollen gesund wachsen und an den richtigen Stellen investieren", gibt Präsident Schwarz die Marschroute aus, "wenn wir uns immer leicht steigern, sind wir irgendwann gut genug für die GFL 1."

Debüt des neuen U10-Teams rückt näher

Während die Saison in der GFL 2 bereits beendet ist, steht die Spielzeit für die jüngsten Teams der Bad Homburg Sentinels noch bevor. Am 10. September beginnt für die U13-Mannschaft die kurze Runde, diesmal in einer 7er-Tackle-Liga mit den Schwäbisch Hall Unicorns, Mannheim Bandits und Wiesbaden Phantoms. Der erste Heimspieltag im Sportzentrum Nord-West ist für den 17. September geplant. Dann soll auch die neu gegründete U10 der "Wächter" ihr Heimdebüt feiern. Das jüngste Team spielt die Flag-Variante, also Football ohne Körperkontakt. Gemeldet haben acht hessische Teams.

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