Auch in der Friedberger Straße haben Radfahrer mitunter einen schweren Stand.
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Auch in der Friedberger Straße haben Radfahrer mitunter einen schweren Stand.

Bad Homburg

Das sind die Vorschläge des Arbeitskreises Radverkehr

  • Marc Kolbe
    vonMarc Kolbe
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Der Arbeitskreis Radverkehr hat für die Kurstadt 118 Mängel aufgedeckt. Ein Planungsbüro erarbeitet jetzt ein Konzept. Darin könnten sich bahnbrechende Änderungen für den Straßenverkehr finden.

Dem Hessenring beidseitig eine Fahrspur wegnehmen, um mehr Platz für Radfahrer zu schaffen? Das klingt erst mal unglaublich, ist aber Teil eines vom Arbeitskreis (AK) Radverkehr vorgeschlagenen Neuerungen für den Straßenverkehr in der Kurstadt. Der Verkehrsexperte der SPD, Jürgen Stamm, hatte auf einer Veranstaltung der Sozialdemokraten kürzlich vorgestellt, was sich die Experten im Arbeitskreis überlegt haben – und diese Überlegungen dürften noch für einige Diskussionen sorgen.

Tatsache ist, dass Bad Homburg für Radfahrer eine unfreundliche Stadt ist. Das hat nicht nur das Städteranking des ADFC ergeben, bei dem die Kurstadt in unschöner Regelmäßigkeit auf den hintersten Plätzen landet. „Die Menschen fahren hier nicht gerne Rad. Das Image ist katastrophal“, sagt Stamm. Und der muss es wissen, hat er doch als Verkehrspolizist so gut wie allen Kindern das Radfahren beigebracht. Zudem ist der SPD-Politiker auch Mitglied im AK Radverkehr und hat in dieser Funktion wesentlich an den Vorschlägen mitgewirkt, die mittlerweile der Stadtverwaltung vorliegen.

Im AK, dem neben Vertretern aller politischen Parteien auch Mitarbeiter der Stadtverwaltung und Experten eines Planungsbüros angehörten, hatte man zunächst eine Mängelliste erarbeitet, auf der am Ende 118 Punkte standen, die man dann einzeln abgearbeitet hat. „Und da sind wirklich bahnbrechende Beschlüsse dabei“, sagt Stamm, der aber befürchtet, dass die Ergebnisse aus dem Arbeitskreis in den Fraktionen noch zerredet werden könnten.

Dass dem einen oder anderen Politiker ob der Vorschläge die Kinnlade runterklappen könnte, scheint tatsächlich außer Frage zu stehen. Hier ein Überblick über die weitreichendsten Ideen:

  Louisenstraße: Die Fußgängerzone soll komplett für den Radverkehr geöffnet werden. Allerdings soll die Maßnahme auf zunächst auf zwei Jahre beschränkt werden.

  Kaiser-Friedrich-Promenade: Stamm bezeichnet diesen Straßenzug als „multimorbid“, da es zwischen Gonzenheim bis hin zur Höhestraße ständig unterschiedliche Nutzungsvoraussetzungen (Einbahnstraßen, unterschiedliche Parkplatzarten) gebe. „Da muss eine einheitliche Linie her“, fordert der SPD-Verkehrsexperte. Ein solches Gesamtkonzept steht allerdings noch aus. Für die Verlängerung der Promenade an ihrem oberen Ende könnte man sich im AK entweder eine Einbahnstraßenregelung für die Höhestraße vorstellen oder die Straße zu einer Fahrradstraße zu machen. In solchen Straßen haben Radfahrer in jeglicher Hinsicht Vorfahrt.

  Fahrradstraße: Eine solche Verkehrsregelung befürwortet der AK auch für den Straßenabschnitt von der Paul-Ehrlich-Straße bis zum Kaiserin-Friedrich-Gymnasium.

  Europakreisel: Vom Rathaus runter bis zum Europakreisel stellen sich die Experten wieder einen Radweg auf beiden Seiten vor, die vor dem Kreisverkehr enden. Im Kreisverkehr wurde darüber nachgedacht, Radwege einzuzeichnen. Eine Idee, vor der Stamm warnt: „Radwege in Kreisverkehren signalisieren eine Sicherheit, die es in der Realität nicht gibt.“

  Hessen-/Hindenburgring : Die weitreichendsten Folgen dürfen sogenannte Radstreifen auf den großen Verkehrswegen in der Stadt. So sprechen sich die Mitglieder des AK dafür aus, sowohl auf dem Hessen- als auch auf dem Hindenburgring in jeder Fahrtrichtung jeweils eine der beiden Fahrspuren wegzunehmen und durch eine breiten Radstreifen zu ersetzen. Radstreifen dürfen im Gegensatz zu Radwegen von Autofahrern überfahren werden. Vorstellbar wäre eine solche Regelung auch für die Frölingstraße, die Urseler Straße und die Thomasbrücke.

Aktuell erarbeitet das beteiligte Planungsbüro ein Gesamtkonzept, dass zunächst dem Magistrat vorgelegt werden soll. Dort wird dann eine Vorlage erarbeitet. Kleinere Maßnahmen – wie zum Beispiel die Öffnung von Einbahnstraßen (u.a. die Wallstraße) für den radelnden Gegenverkehr – werden bereits umgesetzt.

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