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Ein Smartphone braucht Zeit, Geduld – und Mut

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Bad Homburg,DRK,Schüler erklären Senioren Handys
Bad Homburg,DRK,Schüler erklären Senioren Handys © Jochen Reichwein

Vier Schülerinnen der Feldbergschule boten jüngst in der DRK-Seniorentagesstätte eine Smartphone-Schulung für Rentner an. Weil sie ihren Job so gut machten, wünschen sich die Senioren jetzt, dass die jungen Frauen regelmäßig wiederkommen.

Von Muriel Larissa Frank

Elke Lemmer will mit ihrem Samsung Galaxy S5 Mini endlich Bilder und Videos verschicken. „Aber das krieg’ ich einfach nicht hin“, sagte die Rentnerin entnervt. Deshalb war sie am Dienstagnachmittag samt Smartphone in die DRK-Seniorentagesstätte gekommen, um sich von vier Schülerinnen der elften Klasse der Oberurseler Feldbergschule endlich bei der Bedienung ihres modernen Touchhandys helfen zu lassen.

„Solche Schulungen sind Teil unseres Firmenangebots“, erklärte Deborah Ferraro (18), die mit 21 Klassenkameraden zu Beginn des Schuljahres ein eigenes Unternehmen gegründet hat. Es heißt „FBS Helfer mit Herz“ und bietet gegen ein geringes Entgelt Dienstleistungen für ältere Menschen an. Dazu zählen Spaziergänge, Vorlesestunden, Spielenachmittage und eben auch Smartphone-Schulungen.

Dass nach diesen durchaus große Nachfrage besteht, zeigte der Andrang: Rund 20 Senioren waren gekommen, so auch Ursula Keller. Erst seit wenigen Wochen besitzt die 77-Jährige ein eigenes Smartphone – es war ein Geschenk des Sohnes. „Er möchte, dass ich lerne, es zu benutzen“, erklärte sie. Mit dem Computer zu Hause kann sie gut umgehen. „Beim Smartphone ist alles wieder anders“, findet sie und war dankbar, dass ihr Schülerin Humaira Wazin alle wichtigen Funktionen erklärte. Die war begeistert von den modernen Senioren. „Ich stelle immer mehr fest, wie aufgeschlossen sie sind. Das ist bemerkenswert“, so Wazin.

Mittlerweile wusste auch Elke Lemmer mehr. Schritt für Schritt hatte ihr Deborah Ferraro erklärt, wie sie ein Bild in der Fotogalerie auswählen und verschicken kann. „Das ist ja gar nicht so schwer“, sagte die Rentnerin.

„Probleme mit Smartphones haben übrigens nicht nur ältere Menschen“, so Deborah Ferraro. Doch in der Regel hätten Jugendliche eine schnellere Auffassungsgabe und bräuchten weniger Wiederholungen. „Ich sehe es an meinen Eltern. Auch ihnen muss ich oft mit ihren Smartphones helfen. Bis sie alle Funktionen kennen und nutzen können, braucht es viel Zeit.“ Grundsätzlich haben Senioren ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis und viele Bedenken im Umgang mit ihren Touchhandys. „Ich will eben nichts Falsches machen“, gab Carla Klamm zu. Sie hatte viele Fragen; sie wollte etwa wissen, ob sie die App Hangout, ein Pendant zu Whatsapp, brauche oder wie sie das Anzeigenbild ändern könne. „Mein Sohn hat mir zwar schon mehrfach Lehrgänge gegeben, aber er ist mir zu schnell. Und irgendwann habe ich mich nicht mehr getraut, Fragen zu stellen“, sagte die ältere Dame. Sie war froh, dass sich Humaira Wazin viel Zeit für sie nahm.

In einer anderen Ecke des Raumes half Schülerin Sandra Dos Santos derweil Helga Poralla. „Mein Sohn hat mir zu Weihnachten ein iPhone geschenkt. Normalerweise haben wir Kontakt über Whatsapp, doch das funktioniert einfach nicht“, beschrieb Poralla ihr Problem. Gemeinsam mit der Elftklässlerin suchte sie nach dem Fehler. Schnell stand fest: Vor der Handynummer fehlte die Landesvorwahl, weshalb der Kontakt zu ihrem Sohn, der in Rio de Janeiro wohnt, einfach nicht aufgebaut werden kann. „Es ist so reizend, dass die Damen uns so geduldig anleiten“, lobt die Homburgerin. Wichtige Schritte notierte sie sich in einem kleinen Büchlein.

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