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An diversen Schautafeln wurden im Kurhaus die einzelnen Projekte vorgestellt.

Bad Homburg 2030

Wo und wie sollen wir künftig wohnen?

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Wo und wie sollen wir künftig wohnen? Wo wollen wir Gewerbe ansiedeln? Und was wird aus dem Verkehr in der Stadt? Die Vision von „Bad Homburg von 2030“ nimmt immer mehr Formen an – und sie beinhaltet durchaus spannende Projekte.

Auf die Erkundung folgte jetzt die Vertiefung. Oder weniger kryptischer ausgedrückt: Das Stadtentwicklungskonzept geht in seine entscheidende Phase. Am Mittwochabend hatten sich erneut rund 350 Homburger eingefunden, um beim 3. Stadtforum gemeinsam an der Zukunft der Kurstadt zu basteln. Und hatte man bislang an Grundlagen und einem generellen Meinungsbild gearbeitet, wurden jetzt – wenn auch noch grob – denkbare Schwerpunkte benannt und ein Konzeptentwurf besprochen. Und einige dieser Leitplanken haben es durchaus in sich.

Eine gut angebundene Wohnstadt mit viel Grün, attraktiven Arbeitsplätzen und einem breiten Kulturangebot sei Bad Homburg schon heute, resümierte Svenja Knuffke vom Büro Albert Speer und Partner. Jetzt gelte es zu planen, wie die Kurstadt in der Zukunft aufgestellt sein soll. Denn trotz allen Lobs für die Gegenwart gibt es auch viele Punkte, mit denen die Bürger nicht zufrieden sind – wie zum Beispiel fehlender erschwinglicher Wohnraum, fehlende Radwege oder ein Kulturangebot, das nicht alle Homburger gleichermaßen anspricht. Was den Bürgern dabei auf den Nägeln brennt, war in den zwei Stadtforen zuvor eruiert worden – inklusive unzähliger Vorschläge, was sich die Menschen dieser Stadt für die Zukunft wünschen. Aus diesem Strauß an Vorschlägen hat das Planungsbüro eine Prioritätenliste – an deren Spitze das Thema Fahrradwege steht – erstellt und den Bürgern jetzt erste konkrete Vorschläge vorgestellt. Drei davon stechen besonders hervor:

Südring: Zwischen dem Südring und dem Römischen Hof in Ober-Eschbach befindet sich eine Ackerfläche, die, so die Experten, für Wohnbebauung und Gewerbeansiedlung nutzbar gemacht werden könnte. „Grundsätzlich gibt es in Homburg nur noch wenige Flächen, auf den eine Siedlungserweiterung möglich ist“, so Knuppke. Neben dem Südring werden auch Bornberg, Ricarda-Huch-Straße, Pappelallee und prinzipiell Ober-Erlenbach genannt. Der Südring sei eine logische Weiterentwicklung. Wichtig sei an dieser Stelle der Erhalt eines Grünkorridors, die Vernetzung der Neubauten mit der Landschaft, die Integration von Freiräumen und die Entwicklung von sozialer Infrastruktur.

Bahnhof: Eine besondere Bedeutung für die Zukunft der Stadt hat das Areal rund um den Bahnhof, hier sehen die Stadtplaner und auch die Bürger ein riesiges Entwicklungspotenzial. Sowohl hinter der Post, Am Wasserturm und auf dem Mercedes-Areal – der dortige Mercedes-Händler verlässt in absehbarer Zeit die Stadt und zieht nach Oberursel – seien mittels Nachverdichtung Wohnen und Arbeiten denkbar.

Kaiser-Friedrich-Promenade: Wie gesagt, spielt das Thema Radwege ein große Rolle in den Vorstellungen der Bad Homburger. Um das Radfahren in der Kurstadt zu verbessern, bedarf es eines Routennetzes mit Hauptrouten. So weit, so klar. Einen komplett neuen Gedanken haben die Planer mit der Kaiser-Friedrich-Promenade als Fahrradstraße eingebracht. „Dieses Modell kommt in anderen Städten mehr und mehr in Gebrauch“, erklärte Planer Stefan Kornmann. In solchen Straßen haben Radfahrer Vorrang, sie bestimmen das Tempo, dürfen auch nebeneinander fahren. Autos und Busse dürfen solche Straßen zwar auch befahren, müssen allerdings die „Vorherrschaft“ der Radler akzeptieren.

Aber auch Themen wie „Landschaft und Umwelt“ oder „Stadtbild und Identität“ sollen im Regiebuch der Stadt eine gewichtige Rolle spielen. Als größeres Projekt nannten die Stadtplaner unter anderem noch die Aufwertung der Gartenfeldsiedlung. Dabei wird sowohl an die Schaffung von zusätzlichem Wohnraum gedacht wie an eine Neugestaltung der Quartiersmitte und eine Aufwertung des öffentlichen Raumes.

Bei der Entwicklung der Innenstadt will man sich nur auf die Fußgängerzone konzentrieren, sondern einen Verbund zwischen Louisen- und Dorotheenstraße sowie Kaiser-Friedrich-Promenade schaffen. Zunächst müsse man dafür aber abwarten, was aus dem Kurhaus als Gelenk der Fußgängerzone werde, so Kornmann. Auf Dauer sei es nicht damit getan, nur auf Einzelhandel und Gastronomie zu achten, sondern insgesamt müsse die Erlebnisqualität der Einkaufsstraße angehoben werden.

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