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Angelika Rieber

Späte Suche nach den Opfern des NS-Terrors

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Es fehlt nur noch die Zustimmung von Kulturausschuss und Parlament, dann können vielleicht schon im Herbst die ersten Stolpersteine verlegt werden. Angelika Rieber informierte darüber, wo es Informationen gibt.

Ihre aktuellste Datenquelle ist das Bundesarchiv. Hier bekommt Angelika Rieber die nötigen Daten, um ihr Projekt „Jüdisches Leben in Frankfurt“ zu vervollständigen. Aber sie beschäftigt sich auch mit Juden, die vor ihrer Deportation oder Emigration ihren Lebensmittelpunkt in Bad Homburg oder Oberursel hatten. Am Montag gab sie der Initiative Stolpersteine Tipps, wie deren Mitglieder auf die Spur ermordeter oder ausgewanderter Homburger Juden gelangen können.

Zudem könnte es sein, dass die ersten Stolpersteine bereits im Herbst gelegt werden, denn sie sind zur Sitzung des Kulturausschusses am 9. Juli eingeladen, berichteten die Stolperstein-Initiatoren Wolfgang Juretzek und Imrich Donath. Das Gremium soll dem Parlament eine Empfehlung geben, damit dieses über einen überparteilichen Antrag entscheiden kann. Wie berichtet, gibt es in Bad Homburg (noch) keine Stolpersteine, und die Initiative will dies ändern. Da bei der Verlegung ein kurzer Lebenslauf desjenigen, an den der Stolperstein erinnert, vorgelesen wird, sei es nötig, Informationsquellen zu kennen und sich auszutauschen, um Doppelungen zu vermeiden.

Angelika Rieber ist auch dafür die richtige Ansprechpartnerin. Sie hat bereits einiges an Detektivarbeit geleistet und Schicksale aufgedeckt. Die erste Anlaufstelle seien stets das Stadtarchiv und alte Adressbücher, die aufzeigen, wie lange und wo die Opfer gelebt haben. Das Buch von Heinz Grosche über die Geschichte der Homburger Juden sei eine gute Fundstelle, ebenso wie das Jüdische Museum in Frankfurt und Schularchive. Womöglich sei dort noch historisches Bildmaterial zu ergattern.

Rieber verwies zudem auf das Hauptarchiv in Wiesbaden und das Bundesarchiv in Berlin mit seinem Onlinegedenkbuch, das regelmäßig ergänzt werde. Kirchenbücher oder Passagierlisten von Überseeschiffen seien gute Quellen, ebenso wie Unterlagen der Oberfinanzdirektion; ein Nachweis, wozu die Daten gebraucht werden, sei jedoch nötig. Schon vor 1938 waren jüdische Vermögen anzumelden, nach der Reichspogromnacht wurden sie schrittweise konfisziert. Auswanderer durften lediglich 10 Reichsmark mitnehmen.

Datenschutz bestehe bis 60 Jahre nach dem Tod oder 100 Jahre nach der Geburt des Betroffenen, bei Nachkommen sei das schwieriger. Wenn sie noch leben, können in Gesprächen die Wünsche zum Erhalt der Privatsphäre besprochen werden, denn die sei unbedingt zu beachten. Die Expertin, ehemals Lehrerin für Geschichte und Politik, machte den Zuhörern Mut, sich auf Spurensuche zu begeben, Puzzleteile zusammenzufügen, damit die traurigen Schicksale der Verfolgten nicht im Dunkeln bleiben. Von einem sollten sich die Initiatoren des Projekts jedoch verabschieden: von dem Gedanken, irgendwann mal alle erfasst zu haben. Informationen zur Initiative gibt es unter

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