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Sportliche Leistung

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Von: Harald Konopatzki

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Noch braucht es Phantasie, um es sich vorzustellen. Aber Fachdienstleiter Enzo Spadano (rechts) und Projektleiter Mark Reiffen stehen hier im Foyer des künftigen Sportzentrums an einer der Hauptstützen. Wenn die Halle fertig ist, können Zuschauer von hier aus direkt auf die Tribüne der Turnierhalle gelangen, deren Wände derzeit im Hintergrund wachsen.
Noch braucht es Phantasie, um es sich vorzustellen. Aber Fachdienstleiter Enzo Spadano (rechts) und Projektleiter Mark Reiffen stehen hier im Foyer des künftigen Sportzentrums an einer der Hauptstützen. Wenn die Halle fertig ist, können Zuschauer von hier aus direkt auf die Tribüne der Turnierhalle gelangen, deren Wände derzeit im Hintergrund wachsen. © hko

Rohbau des Sportzentrums am Massenheimer Weg in Ober-Eschbach nimmt Form an

Ober-Eschbach -Gerade einmal etwas über zwei Monate ist es her, da wurde feierlich der Grundstein für das Sportzentrum Süd am Massenheimer Weg gelegt. Sicher, die Bodenplatte war schon etwas vorher angegangen worden, aber in den vergangenen Wochen hat sich dennoch erstaunlich viel getan.

"Wir liegen im Zeitplan", freuen sich Fachbereichsleiter Enzo Spadano und Projektleiter Mark Reiffen. Worte, die man angesichts von Problemen bei der Beschaffung von Baumaterialien nicht häufig hört. Tatsächlich seien 60 Prozent des Betons bereits verbaut. Das liegt mit an der massiven, 75 Zentimeter dicken Bodenplatte. "Im Bereich der Hauptstützen ist sie sogar 1,50 Meter dick", erläutern die Fachleute. Die Platte bringt ordentlich Masse. Sie soll den Auftrieb verhindern, der entsteht, wenn Grundwasser nach oben drückt.

Damit Wasser, auch als Wasserdampf, keine Chance hat, der Halle zuzusetzen, bekommt diese nicht nur eine "weiße Wanne", also die wasserundurchlässige Stahlbeton-Konstruktion. Der Beton hat außerdem eine gelbe Frischbetonverbundfolie. "Die wird beim Gießen gleich hinzugefügt und verbindet sich mit dem Beton - so hat die Außenmauer quasi eine zusätzliche Schutzschicht", erklärt Reiffen.

Im Erdgeschoss lässt sich bereits der Zuschnitt der Räume erkennen. Die Bewehrungsstäbe, aus denen quasi das Gerüst der Wände besteht, sind entweder, wie im Bereich der künftigen Teeküche und der Lagerräume, schon wandhoch oder ragen zumindest schon 30 Zentimeter aus dem Boden, wie bei dem späterem Gymnastikraum gleich links vom Foyer. "Dieser 200 Quadratmeter große Raum kann später auch von Bürgern für Veranstaltungen angemietet werden", so Spadano.

Heizzentrale kommt von den Stadtwerken

Durchquert man das, was später mal das Foyer werden soll, fällt das Gelände abrupt ab. "Hier sind wir auf der Galerie, über die später die einschiebbare Tribüne erreicht werden kann." Eine Neuerung gegenüber der alten Albin-Göhring-Halle ist nicht nur der direkte Zugang zu den Sitzplätzen, sondern auch, dass diese bis ans Spielfeld reichen. "Das war auch ein Wunsch der Vereine", erläutert Spadano.

Derzeit ist der Weg in die Turnierhalle noch etwas umständlich und führt entweder über einen der künftigen Fluchtwege in die dunklen Katakomben - die Umkleiden und Duschräume sind bereits "überdacht" - oder über eine schmale Behelfstreppe direkt in die Dreifeld-Halle. Auffällig sind die vielen Aussparungen an den Seiten. "Dort werden später die Geräte gelagert - und dafür braucht es viel Stauraum", so Spadano. Kein Wunder, wird der Komplex doch zum zentralen Veranstaltungsort vieler Vereine und Gruppen aus dem Osten der Stadt.

Ein besonders hoher Raum ist der Technik vorbehalten. "Hier bauen die Stadtwerke später die Heizzentrale ein, nebenan ist die Elektrik", informiert Reiffen. Wie der Einbau einer großen Heizanlage angesichts zweier Türen, durch die schon der Transport einer Tiefkühltruhe eine logistische Herausforderung wäre, funktionieren soll? "Von oben", zeigt Reiffen gen Himmel. Natürlich werde die Anlage erst eingebaut, wenn der Rohbau abgeschlossen ist. "Aber die Zwischendecke wird hier nur halb eingezogen, so dass man später aus dem Erdgeschoss die großen Teile ablassen kann.

Praxistest für die Zwischendecke

Auch wenn die Halle von außen nur unwesentlich höher werden soll als ihre Vorgängerin: Im Inneren lässt sich erahnen, wie mächtig der halb in der Erde versenkte Komplex später wird. So geben die Spitzen einiger Bewehrungsstäbe, die aus der schon rund fünf Meter hohen Seitenwand herausragen, einen Eindruck von den 7,50 Metern lichter Hallenhöhe. Dann kommt die Beton-Zwischendecke, mit Verkleidung und Boden immerhin auch zwei Meter stark, und darüber die zweite, ebenfalls 7,50 Meter hohe Trainingshalle. "Das Dach wird dann in Holzbauweise entstehen - da wäre Beton zu schwer." Obendrauf kommt noch die derzeit eingelagerte Solaranlage der Stadtwerke. "Und wir wollen gerne noch eine weitere Anlage errichten", blickt Spadano voraus. "Denn während der Strom der Stadtwerke ins Netz eingespeist wird, könnten wir durch eine zusätzliche Photovoltaik-Anlage den Strombedarf deutlich senken."

Was die Zwischendecke angeht, darf sich das Sportzentrum schon vor der Eröffnung auf einen Praxistest freuen. Denn die muss starr sein und gleichzeitig die Schwingungen der Sportler in der oberen Halle aushalten können. Spadano: "Von den Berechnungen her sollten wir ohne den Einbau vergleichsweise teurer Schwingungsdämpfer auskommen. Aber auch wenn wir den Einbau vermeiden wollen: Um ganz sicher zu gehen, werden wir das nach Abschluss der Rohbau-Arbeiten quasi unter Live-Bedingungen testen und die Schwingungen messen."

Haltbarer als Bauwerke aus den 1970ern

Eine Erinnerung an die frühe Bauphase wird übrigens dauerhaft bleiben: Die Abdrücke der Bretter, die für die Verschalung benutzt wurden, zeichnen sich in den Wänden deutlich ab. "Da kommen zwar noch eine Schutzschicht und Farbe drüber, aber das wird so bleiben", verrät der Fachbereichsleiter.

Apropos Stahlbeton: Dass der Konstruktion eine Haltbarkeit von mindestens 80 Jahren und damit deutlich mehr als vielen Bauwerken aus den 1970ern bescheinigt werden kann, liegt an veränderten Normen. "Früher lagen die Stahlteile 1,50 bis 2 Meter unter der Oberfläche - zumindest theoretisch, in der Praxis war es schon mal weniger", erzählt Spadano. Wurde der Beton beschädigt, lagen die Stahlteile schnell frei und der Rost konnte sich durchfressen - fatal. "Hier sind sie je nach Dicke der Elemente zwischen dreieinhalb und fünf Zentimeter unter der Oberfläche."

Ein besonderes Lob hat Reiffen für die derzeit 20 Arbeiter, die den Rohbau in fünf Kolonnen vorantreiben. "Mit Leonhard Weiss haben wir eine klasse Firma - selten hat es auf einer Baustelle so reibungslos geklappt." So hilft die Größe des beauftragten Unternehmens auch bei der Logistik in der derzeit schwierigen Lage auf dem Bau-Sektor - "große Baufirmen müssen die Teile nicht individuell bestellen, sondern bekommen ihre vereinbarten Margen", erläutert Spadano. Der Nachschub ist also gesichert.

Einzig das Wetter machte den Bauarbeitern zwei Mal einen Strich durch die Rechnung. "Wir mussten wegen der Hitze zwei Termine für das Gießen von Betonteilen verschieben." Denn wenn es zu heiß ist, bindet der Beton außen zu schnell ab, und es entstehen Risse. Um das zu verhindern, werden frisch betonierte Flächen derzeit abgedeckt. So kann die Feuchtigkeit nicht zu schnell verdunsten.

Eine Herausforderung wird im Herbst der Bau für die Ableitung des Regenwassers unter dem Massenheimer Weg und dem Parkplatz hindurch zum Eschbach. "Nur knapp einen Meter unter dem Massenheimer Weg liegt ein Hauptkanal fürs Abwasser mit einem Durchmesser von zwei Metern", erläutert Reiffen. "Wir müssen also rund vier Meter tief gehen."

In die Aussparungen unter der Galerie lassen sich die Tribünen-Elemente zusammenschieben.
In die Aussparungen unter der Galerie lassen sich die Tribünen-Elemente zusammenschieben. © hko

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