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So könnte die U-Bahn-Verlängerung funktionieren ? Bürger konnten im Kurhaus Mitarbeitern der Verwaltung Löcher in den Bauch fragen.

Bürgerinfo

Stadt informiert über die Modalitäten der U-Bahn-Verlängerung

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Legt man das gefühlte Applausometer zugrunde, dürften die Gegner eines U-Bahn-Ausbaus bei der gestrigen Bürgerinfo in der Mehrheit gewesen sein. Dafür erhält OB Alexander Hetjes (CDU) plötzlich Unterstützung aus einer Ecke, aus der man das nicht vermutet hätte.

In dem Moment, an dem die Informationsveranstaltung zur U-Bahn-Verlängerung begann, öffnete der Himmel seine Schleusen. Freudentränen oder himmlisches Zeter und Mordio? Nein, als Omen wollte das kurze Gewitter keiner werten. Höchstens vielleicht Peter Stiller, doch dazu später mehr. Die Stadt hatte am Donnerstag von Nachmittag bis in den frühen Abend zu einer Info-Veranstaltung geladen.

Dort konnten die Bürger – es waren trotz des Gewitters relativ viele gekommen – an acht Themeninseln mit Experten ins Gespräch kommen. Zudem gab es zu Beginn und am Ende der Veranstaltung jeweils eine Reihe kurzer Fachvorträge. „Wir wollen den Bad Homburgern vor dem Bürgerentscheid genügend Informationen für eine fundierte Entscheidung zur Verfügung stellen“, erklärte Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU).

Wie berichtet, hat das Parlament auf Wunsch des OB beschlossen, die Entscheidung, ob die U-Bahnlinie 2 vom bisherigen Endhaltepunkt Gonzenheim bis an den Bahnhof verlängert wird, den Bürgern in die Hände zu legen. Am Termin der Landtagswahl, Sonntag, 28. Oktober, sollen die Homburger entscheiden, ob die U-Bahn verlängert wird.

Hetjes selbst will sich aus dem Amt heraus neutral verhalten. „Ich weiß um die Vorteile, die dieser Lückenschluss mit sich bringen würde, verstehe aber auch die Sorgen und Nöte der Anwohner vor allem in Sachen Lärmschutz.“

Der Magistrat wird bereits am Montag über die Frage „Verlängerung oder nicht“ entscheiden. Die Vorlage der Verwaltung spricht sich für eine Verlängerung aus. Nachvollziehbar, so der OB, habe die Verwaltung doch in den vergangenen Jahren für die Verlängerung gearbeitet – mit Erfolg, wie Hetjes meint. Unter anderem habe man ein sehr gutes Finanzierungsergebnis erreicht – das Land übernimmt zu 80 Prozent die förderfähigen Kosten des Projekts, das zwischen 55 und 65 Millionen Euro kosten würde.

Im Kurhaus konnten sich die Bürger über Themen wie „Verkehrliche Ziele und Nutzen“, „Schallentwicklung und Schallschutz“ oder „Der Weg zum Bürgerentscheid“ informieren. Die Stadt erhofft sich von dieser Form der Informationen einen intensiveren Austausch zwischen Verwaltung und Bürgern. „Im direkten Gespräch lassen sich auch wesentlich mehr Fragen beantworten“, erklärte Ralf Eggert vom Kommunikationsunternehmen IFOC, das die Stadt bei der Bürgerinformation begleitet.

Zudem hatten aber auch Vertreter der Industrie- und Handelskammer als Befürworter der Verlängerung, aber auch Gegner wie beispielsweise Dr. Wolfgang Lindstaedt oder Günter Stiller eine Themeninsel erhalten. „Es ist uns wichtig, auch die Gegner des Projekts zu Wort kommen zu lassen“, so der OB. Tatsächlich hatte sich Hetjes bereits vorab mit Lindstaedt, der in unmittelbarer Nähe der U-Bahnlinie lebt, zusammengesetzt und versprochen, gesetzt dem Fall, dass sich eine Mehrheit für die Verlängerung ausspricht, in der Ausführungsplanung das Thema Schallschutz separat zu behandeln. Hetjes: „Wir wollen den Schallschutz noch verbessern können.“

Das wiederum erfreute Lindstaedt bei seinem Impulsreferat dermaßen, dass er den OB lobte. „Ich bin positiv überrascht, dass der OB einen Schritt auf die Anwohner zugekommen ist.“ Nichtsdestotrotz betonte der ehemalige IHK-Geschäftsführer, dass Gonzenheim („Die Schienenlärm-Deponie der Kurstadt“) in Sachen Schallschutz notleidend sei.

Der heutige Geschäftsführer der IHK, Reinhard Fröhlich, warb hingegen für die Verlängerung der U-Bahn. Der „Lückenschluss“, wie Befürworter das Projekt gerne nennen, trage maßgeblich zur Gewinnung neuer und zum Erhalt vorhandener Arbeitsplätze bei. Auch Svenja Knuffke, die für das Architekturbüro Albert Speer + Partner am Stadtentwicklungskonzept der Kurstadt arbeitet, sprach sich „aus städteplanerischer Sicht“ für die Verlängerung aus: „Ein starker öffentlicher Personennahverkehr ist wichtig für eine gesunde Siedlungsentwicklung.“ Zudem wirke der ÖPNV am besten als Gesamtsystem. „Der Lückenschluss ist eine große Chance für die Stadt.“

Nicht ans Mikrofon durfte mit Günter Stiller dagegen ein weiterer Kritiker. Er wollte davor warnen, dass die geplante unterirdische U-Bahn-Haltestelle in Gonzenheim bei Starkregen in den Wassermassen versinken könnte. Laut Berechnungen der Stadt würde das freilich anders sein.

Die Stadt will in den Monaten vor dem Bürgerentscheid gemeinsam mit IFOC noch weitere Möglichkeiten anbieten, um sich über das Projekt informieren zu können,

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