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Stadt schreibt Leistungen neu aus

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Von: Harald Konopatzki

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Die Entsorgungsfahrzeuge von Betriebshof und externen Dienstleistern haben eine Mammutaufgabe. Dazu gehört auch, die schweren Fahrzeuge durch Engstellen zu manövrieren, wie hier an der Gedächtniskirche.
Die Entsorgungsfahrzeuge von Betriebshof und externen Dienstleistern haben eine Mammutaufgabe. Dazu gehört auch, die schweren Fahrzeuge durch Engstellen zu manövrieren, wie hier an der Gedächtniskirche. © hko

Ankündigung bietet Einblicke in den Wertstoffkreislauf. Menge an Sperrmüll ist deutlich zurückgegangen.

Bad Homburg -Beinahe jeden Tag sind Mitarbeiter des Bad Homburger Betriebshofs oder von der Stadt beauftragter Unternehmen im Einsatz, um das zu entsorgen, was in den Homburger Haushalten nicht mehr benötigt wird. Ob in Tonnen oder Säcken, als gebündelter Grünschnitt, einzelnes Elektro-Großgerät oder Haufen Sperrmüll: Wie viel da anfällt, merkt man oft erst dann, wenn mal eine Abfuhr nicht am vorgesehenen Tag erledigt werden kann. Und ältere Semester werden sich noch an die Zeit erinnern, als der Sperrmüll in Bad Homburg nicht angemeldet wurde, sondern an ein paar festgelegten Tagen im Jahr die Siedlungen abgefahren wurden.

Man stelle sich vor: drei der großen Ariane V-Raketen nebeneinander, voll betankt und bis an die maximale Nutzlast-Grenze beladen. Man muss sich schon behelfen, um ein Bild zu finden, mit dem sich 2300 Tonnen darstellen lassen. Diese Masse wurde zwischen 2019 und 2021 durchschnittlich jedes Jahr in Form von Sperrmüll (1484 Tonnen), Grünabfall (732), Elektrogroßgeräten (68) und Altmetall (18 Tonnen) von den Bad Homburgern am Straßenrand bereitgestellt, um entsorgt zu werden. Dabei sticht das Haupt-Corona-Jahr deutlich heraus. Es bleibt offenbar mehr Zeit, daheim zu entrümpeln oder sich dem Garten zu widmen.

Diese Leistungen schreibt die Stadt aktuell - zusammen mit weiteren Aufträgen rund um das Thema Abfall - neu aus. Vom 1. Januar 2023 an soll der neue Vertrag laufen, der für vier Jahre gelten soll. Dabei gibt die Ausschreibung einen Einblick in den Wertstoffkreislauf und hat einige interessante Zahlen zu bieten.

So wird auch aufgelistet, dass in den vergangenen drei Jahren im Schnitt 5069 Tonnen jährlich auf den Wertstoffhöfen angefahren wurden. Bild gefällig? Straßensammlung und Wertstoffhofanlieferung bringen zusammen jährlich ungefähr so viel Masse auf die Waage wie die Stahlkonstruktion des Eiffelturms in Paris wiegt, nämlich 7300 Tonnen - eine Masse Müll . . .

Und damit nicht genug. Allein der Restmüll macht laut Abfallbericht vom vergangen Jahr über 7700 Tonnen (2020) aus, der vom Betriebshof eingesammelt wurde. Hinzu kommen knapp 3700 Tonnen Biomüll und rund 4000 Tonnen Papiermüll. Das zusammenaddiert ergibt 22 700 Tonnen Müll, die jährlich anfallen - im Schnitt also 62,5 Tonnen jeden Tag, Sonn- und Feiertage eingeschlossen.

Statistisch 300 Gramm Altreifen pro Kopf und Jahr

Umgerechnet auf Köpfe in der Stadt bedeutet das, dass alle Bad Homburger - vom Baby bis zum hochbetagten Senior - pro Jahr im Schnitt rund 400 Kilogramm Abfall produzieren - davon werden 87 Kilo beim Wertstoffhof entsorgt, 39,5 Kilo im Rahmen der Straßensammlung.

Klar, nicht alles lässt sich beliebig ohne Sinnverlust herunterrechnen. Als Beispiel dürfen die 300 Gramm Altreifen dienen, die jeder Einwohner - zumindest statistisch - pro Jahr zum Wertstoffhof bringt. Wobei die Stadt auch erwähnt, dass die Gesamtmasse von 15 Tonnen pro Jahr bei dieser Abfallart ausnahmsweise ein Schätzwert ist.

Bei den Weihnachtsbäumen wird es schon greifbarer: Christbäume mit einem Gesamtgewicht von 51,98 Tonnen wurden im Januar 2021 eingesammelt. 2020 waren es 44,5 und 2019 sogar "nur" 40,5 Tonnen. Ob der Trend zum größeren Baum geht oder ob aufgrund der Corona-Einschränkungen im Winter 2020/21 mehr Familien das Fest (mit Baum) zu Hause verbracht haben, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Aber eine Steigerung um fast 30 Prozent innerhalb von zwei Jahren ist in jedem Fall bemerkenswert.

Deutlicher Rückgang beim Sperrmüll

Zu erkennen ist in der Aufstellung unter anderem, welche Auswirkung die Neuregelung der Sperrmüll-Anforderungen auf dem Wertstoffhof vor drei Jahren hatte. Seit August 2019 muss Sperrmüll auch wirklich sperrig sein, sprich eine gewisse Mindest-Kantenlänge aufweisen. Waren vorher zuverlässig über 100 Tonnen monatlich verzeichnet, gingen die Mengen seitdem deutlich zurück und liegen seitdem bei deutlich unter 60 Tonnen, in manchen Monaten - ohne Schließung - sind sogar weniger als 30 Tonnen abgegeben worden.

Der Sperrmüll landete in der Vergangenheit zum Großteil in der Abfallverbrennungsanlage Frankfurt Nordweststadt (der markante Schornstein nahe des Nordwestzentrums) und wird wohl auch in Zukunft dort landen. Als weitere Abnehmer führt die Stadt das Müllheizkraftwerk Offenbach und die Abfallumladeanlage im Frankfurter Osthafen. Der Grünabfall wird auf die Deponie Brandholz zwischen Neu-Anspach und Usingen gebracht.

Eine wachsende Größe sollen die Sachen bilden, die nicht der Entsorgung zugeführt, sondern weiter verwendet werden, nachdem sie der Besitzer nicht mehr braucht. Auf dem vergangenes Jahr etablierten Tausch- Verschenkmarkt des Betriebshofs, online auf www.verschenkmarkt- bad-homburg.de, finden sich ständig Angebote - vom Bürostuhl über die Mikrowelle bis hin zu ganzen Schrankwänden oder Dachziegel.

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