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Stadt steigt aus: Kino-Deal ist geplatzt

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Seit 2010 ist die Stadt in der Planung für ein Kino, ein Verwaltungsgebäude für die Stadtwerke und ein Parkhaus auf dem ehemaligen Post-Gelände. Um den Sack endlich zuzumachen hatte das Parlament einen Vertragsentwurf abgesegnet, der den potenziellen Investoren vorgelegt wurde. Mit einer Deadline. Die lief am Freitag ab.

Seit dem Jahr 2010 gibt es Überlegungen, wie auf dem ehemaligen Post-Gelände ein Kino, ein Verwaltungsgebäude für die Stadtwerke und ein Parkhaus realisiert werden können. Und wenngleich man vor kurzem noch dachte, dass das Projekt bis 2022 realisiert würde, so haben sich diese Hoffnungen jetzt in Luft aufgelöst. Denn die Stadt beendet die derzeit laufenden Gespräche mit dem gegenwärtig in der engeren Wahl befindlichen Bieter über die Bebauung des ehemaligen Postareals.

In einer Pressemitteilung, die am Samstagmittag veröffentlicht wurde, heißt es: „Der bisherige Gesprächspartner, der sein Interesse in einem Investoren-Wettbewerb bekundet hatte, forderte jetzt Nachverhandlungen zu dem von den Stadtverordneten am 22. November 2018 beschlossenen Vertragstext. Dies lehnt die Stadt ab, weil eine weitere Änderung der Konditionen die Wirtschaftlichkeit für die Kommune in Frage stellt.“ Die Uhr ist damit also wieder auf Null gestellt.

Diskussion seit Jahren Zur Erinnerung: Schon seit dem Jahr 2010 arbeitet die Stadt daran, das Areal zu entwickeln – zunächst noch unter dem sperrigen Namen „Move and Groove-Center“ (mit Disco und Trendsporthalle im Blick) und unter der Ägide des damaligen Oberbürgermeisters Michael Korwisi (Grüne). Im Frühjahr 2014 startete dann die öffentliche Ausschreibung mit dem Ziel, mit dem Abriss beginnen zu können. Die alte Post wurde auch tatsächlich abgerissen, aber danach tat sich lange nichts – es musste erst ein Investor gesucht werden.

Aus einem später ausgeschriebenen Investorenwettbewerb – inzwischen war Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) im Amt – ging die Dohma Grundstücksverwaltungsgesellschaft in Mainz, eine Objektgesellschaft der Deutschen Anlagen-Leasing (DAL), als interessierter Investor für das Bauprojekt am Bahnhof hervor. Inzwischen ging es nicht mehr um Halle und Disco, sondern nur um Kino, Parkhaus und Verwaltungsgebäude für die Stadtwerke. Der Verkauf der städtischen Grundstücke sollte per Immobilien-Leasingvertrag abgewickelt und damit einhergehend auch ein Mietvertrag mit einer Kinopolis-Tochter unter Dach und Fach gebracht werden.

Die Stadt wollte laut Entwurf die rund 7000 Quadratmeter große Fläche am Bahnhof für knapp vier Millionen Euro an die Dohma verkaufen. Nach Fertigstellung sollten die Stadtwerke als Generalmieter (Leasingnehmer) auftreten und alle Flächen, die die städtische Tochter nicht benötigt, an eine Gesellschaft der Kur und Kongreß-GmbH und einen gewerblichen Betreiber – die Kinopolis-Tochter – untervermieten. Das bebaute Areal sollte auf 30 Jahre an die Stadt vermietet werden und nach Ablauf dieser Frist wieder lastenfrei an die Stadt übergehen.

Der Deal war seitens der Opposition heftig kritisiert worden, vor allem, weil er nach Meinung vieler auf einmal so plötzlich über die Bühne gehen und auch in nicht-öffentlicher Sitzung darüber abgestimmt werden sollte. Was denn auch geschah, und wogegen sich etwa die BLB und die FDP erfolglos gewehrt hatten. FDP-Mann Wolfgang Hof hatte die Magistratsvorlage seinerzeit als „abenteuerlich“ bezeichnet.

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Nach Informationen dieser Zeitung sollen die Verträge für ein Investorenmodell aber nachweislich vorteilhafter gewesen sein, als wenn die Stadt das Ganze in Eigenregie realisiert hätte. Ob sie das jetzt möglicherweise doch tut, steht in den Sternen. Aus dem Rathaus heißt es: „Die Stadt wird im neuen Jahr über die weitere Vorgehensweise entscheiden und Gespräche führen, um Möglichkeiten für die Realisierung eines Parkhauses auf der Bahnhofnordseite und eines Kinos in Bad Homburg mit weiteren Interessenten auszuloten.“

Was ist mit Stadtwerken? Was in der Erklärung fehlt, ist der Neubau für die Stadtwerke am Bahnhof. Die Stadtwerke sind derzeit bekanntlich zur Miete in einem Gebäude in Ober-Erlenbach, das Dachdeckermeister Peter Löw gehört. Ob sie aus dem Projekt an Bahnhof gänzlich herausgenommen werden, dazu machte die Stadt keine Angaben. Es steht aber durchaus zu vermuten, dass man im Rathaus darüber nachdenkt, die Stadtwerke entweder in Ober-Erlenbach zu belassen oder einen alten Plan wiederzubeleben: die Stadtwerke neu auf dem ehemaligen Lilly-Gelände an der PPR-Kreuzung in Dornholzhausen zu bauen.

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