Stadt will Strahlenbelastung messen

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Die Unterschriftenaktion der Bürger, die sich gegen den plötzlich im Wohngebiet „Am Römischen Hof“ aufgestellten Vodafone-Sendemast richtete, scheint gefruchtet zu haben. Die Stadt kündigte an, dort noch einmal Immissionsmessungen durchführen lassen zu wollen.

Nein, das wollten die Bürger in Ober-Eschbach und Gonzenheim, die in der Nähe der Gotenstraße 21 wohnen, nicht einfach auf sich sitzen lassen. Praktisch über Nacht wurde dort auf einem Wohnhaus, in dem auch das städtische Stadtteil- und Familienzentrum untergebracht ist, ein großer Sendemast des Mobilfunkanbieters Vodafone aufgestellt.

Um eine lange Sache kurz zu machen: Eine Initiative aus Anwohnern entwarf Handzettel, verteilte davon 700 Stück und sammelte hernach 200 Unterschriften, die sie jüngst dem Eschbacher Ortsbeirat übergab, um den Sendemast wieder abzubauen. So weit wird es vermutlich nicht kommen, aber eine Forderung wird die Stadt erfüllen: Sie wird tatsächlich Immissionsmessungen durchführen lassen.

Das an sich ist schon ein großer Sieg für die Initiative, denn eigentlich war man sowohl bei der Stadt als auch beim Ortsbeirat bislang davon ausgegangen, dass eine solche Messung gar nicht im Ermessen der Stadt liegen würde. Zur Erinnerung: Stadtsprecher Andreas Möring hatte Ende August auf Anfrage dieser Zeitung erklärt, dass es seinerzeit keinen Spielraum für eine Ablehnung der Mobilfunkanlage gegeben habe. Zudem habe die Bundesnetzagentur für den Standort Gotenstraße gesundheitliche Unbedenklichkeit bescheinigt. Berücksichtigt worden seien Sicherheitsabstände, Abstrahlrichtung und dergleichen mehr. Weswegen es auch keinen triftigen Grund gebe, noch mal nachzumessen.

Nun aber wird die Stadt das genau tun. Vielleicht hatte es ein bisschen damit zu tun, dass eine der Initiatorinnen der Unterschriftenaktion darauf hingewiesen hatte, dass Städte durchaus eine Handhabe hätten, dass Mobilfunkbetreiber nicht einfach so Antennen in Wohngebieten aufstellen können, sofern sie nicht höher als zehn Meter sind und die vorgegebenen Grenzwerte der Strahlenbelastung. Sie zitierte im Ortsbeirat nämlich ein Präzedenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 30. August 2012. Demnach dürfen Gemeinden Mobilfunkstandorte ausweisen und diese an anderer Stelle verbieten. Bestätigt wurde ein Gutachten des Umweltinstituts München, in dem nachgewiesen wurde, dass ein alternativer Standort eine deutlich bessere Versorgung bei wesentlich niedrigerer Strahlenbelastung ermöglicht, nachzulesen in der Broschüre „Mobilfunk-Strahlung“ des Umweltinstituts München.

Wie dem auch sei: „Die Stadt wird zunächst Rücksprache mit dem zuständigen Regierungspräsidium Darmstadt halten“, erklärte Stadtsprecher Andreas Möring auf Anfrage dieser Zeitung. Wenn – „wovon wir ausgehen“ – das RP erkläre, aus seiner Sicht sei eine neuerliche Messung nicht mehr notwendig, werden wir als Stadt das selbst in die Hand und entsprechend eine eigene vornehmen, betonte Möring. Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) habe die Anregung aus der Bevölkerung aufgenommen und nehme die Ängste und Unsicherheiten der Bürger ernst. Möring: „Mit einer Messung will er Klarheit schaffen.“

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