Der Autor Peter Henning. foto: luchterhand-Verlag
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Der Autor Peter Henning. foto: luchterhand-Verlag

Hölderlin in Bad Homburg

Stadtschreiber befasst sich mit Herrhausen-Mord

  • Anke Hillebrecht
    vonAnke Hillebrecht
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Bad Homburg hat jetzt auch einen Stadtschreiber. Der Schriftsteller Peter Henning bekleidet als Erster dieses neue Amt. Er wohnt in der neuen Hölderlin-Wohnung und versucht, mehr über das Attentat herauszufinden - auch mit Hilfe von Bürgern.

Bad Homburg -Die Kurstadt hat künftig einen Stadtschreiber. Den Ersten seiner Art hat sie schon benannt: Es handelt sich um den Kölner Schriftsteller Peter Henning. Der 61-Jährige hat mehr als ein Dutzend Romane geschrieben, ist Literaturkritiker und Lehrbeauftragter für Kreatives Schreiben. Zuletzt erschien sein Roman "Die Tote von Sant Andreu"; bekannt wurde er 2009 mit seinem Familien-Roman "Die Ängstlichen". In "Mein Schmetterlingsjahr" frönt er einer persönlichen Begeisterung. Ganz anders wiederum "Ein deutscher Sommer"; in dem "Spiegel"-Bestseller zeichnete Henning das Gladbecker Geiseldrama nach, bei dem im Sommer 1988 drei Menschen den Tod fanden.

Derzeit befasst sich der Autor erneut mit einem realen Attentat: dem Mord an Alfred Herrhausen in Bad Homburg. Schreiben will er darüber in der Kurstadt selbst. Dafür wird Henning vorübergehend kostenfrei in die neue Hölderlin-Wohnung einziehen, die die Stadt in der Villa Wertheimber eingerichtet hat.

Das 70 Quadratmeter große Domizil mit umfangreicher Bibliothek ist im Obergeschoss der Gründerzeit-Villa, die sich in städtischem Besitz befindet und außerdem das Stadtarchiv beherbergt. In der Stadtverwaltung hat man kürzlich entschieden, das Konzept um Literaten zu erweitern, weil die Literatur eine wichtige Kultursäule in Bad Homburg darstellt. Für jeweils ein Jahr können sich Wissenschaftler und neuerdings auch Schriftsteller bewerben, hier zu wohnen und zu arbeiten.

Henning will kommende Woche nach Bad Homburg kommen und sein Projekt vorstellen. Es steht unter dem Arbeitstitel "Das Ende der Benommenheit". Die Täter des Herrhausen-Attentats 1989 im Seedammweg sind nach wie vor nicht bekannt. Henning bezweifelt, dass die RAF dafür verantwortlich war. In Homburg will er recherchieren und mit Menschen zu sprechen, die das Attentat als Zeitzeugen miterlebten. Interessierte will Henning mit öffentlichen Werkstattgesprächen an der Entstehung des Buches teilhaben lassen. VON anke hillebrecht

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