Homburger Maler

Städtisches Museum zeigt Wilhelm Hilliger

Er ist der Unbekannte unter den Homburger Malern des 19. Jahrhunderts: Wilhelm Hilliger kreierte Gemälde sowie Fahnen und widmete sich der Fotografie. Stets im Schatten des Hofmalers Johann Friedrich Voigt, machte er eher eine steinige Karriere, wie Peter Lingens bei einem Vortrag im Städtischen Museum zu berichten wusste.

Die Recherchen zu Person und Schaffen Wilhelm Hilligers stecken noch in den Kinderschuhen. Zwar verfügt die Museumssammlung in den Depots über zahlreiche bedeutende Werke, doch der Blick wird oft nur auf das Gegenwärtige und Zukünftige gelegt. Vergangenes Schaffen gerät immer wieder in Vergessenheit, gerade unbekannte Künstler wie Hilliger sind hier daher besonders schützenswert.

Geboren am 4. Oktober 1809 als Sohn des Hofmusikers Johann Jacob Hilliger, begann er schon früh künstlerische Fähigkeiten zu erlernen. Wie ungenau die Nachweise sind und, wie schwierig die Recherche ist, zeigt ein erster Hinweis des Philosophen Heinrich Jacobi. Nach ihm habe Hilliger „zur Heimführung der Landgräfin Elisabeth am 15. Juli 1818 die ’kolossalischen Transparentinschriften’ zur Ausschmückung der Stadt gemalt.“ Da er zu diesem Zeitpunkt erst acht Jahre alt war, ist dieser wie auch andere Hinweise schlicht falsch.

Der erste echte Nachweis stammt von 1829, als sich der Künstler mit der Eröffnung einer Zeichenschule der Kurstadt anschloss. Das erste Werk Hilligers ist von Mai 1829: seine „Ansicht der Gruft der souverainen Landgrafen zu Hessen in Homburg“, die für ungefähr einen Gulden zu erwerben war. Da diese Lithografie jedoch große, zumeist perspektivische, Schwächen offenbarte, erhielt er lange Zeit keine weiteren Aufträge aus dem Landgrafenhaus.

Das nächste Werk entstand in den 1830er Jahren und ist ein Portrait des Homburger Erbprinzen Friedrich. Ein weiteres Gemälde zeigt den Prinzen um 1839 und hängt noch heute im Homburger Schloss. Zuzuordnen ist es Hilliger, da es von ihm datiert und signiert wurde. Gerade diese Signaturen sind rar gesät und oft in einem schlechten Zustand, was die Zuordnung häufig schier unmöglich macht.

Während der goldenen Zeit des „Spielbades“ schuf Wilhelm Hilliger mit das bekannteste seiner Gemälde. Als Reproduktionsgrafik wurde „Eine Spielhölle“ im Juli 1849 in der „Illustrierten Zeitung“ veröffentlicht. Es zeigt eine spielfreudige Menge, die das Glück scheinbar längst verließ. Neben weiteren Arbeiten an sogenannten „Freiheitsscheiben“ für Schützenfeste und Fahnen der in der Region ansässigen Vereine, widmete sich Hilliger intensiv der Fotografie. Als Kurort mit vielen weit gereisten und wohlhabenden Menschen war Homburg stets ein Standort für die Innovation dergleichen. Wie Hilliger zum Fotografieren kam, ist nicht bekannt, doch war es gegen 1840/50 keine Seltenheit, dass Maler zur Fotografie wechselten.

Lebensechte Fotos wurden von Kurgästen Gemälden schlechter Qualität vorgezogen. Ab 1846 annoncierte Hilliger immer wieder die Herstellung von „Daguerreotyp-Portraits“ in der Homburger „Kur- und Badeliste“ und im „Amts-und Intelligenzblatt“. Es waren die ersten Anzeigen dieser Art in Homburg, was die Innovationsfreude Hilligers im Rahmen der fotografischen Künste belegt. Seit Anbeginn seiner Zeit in Homburg strebte er eine Anstellung am landgräflichen Hofe an. Da aber der weitaus bekanntere Johann Friedrich Voigt diese Anstellung ab 1829 inne hielt, wurde Hilliger diese Ehre in einer anderen Kunstform zuteil, der Fotografie.

Neben Reisen nach Frankreich, Mainz und in die Schweiz heiratete er wohl 1856 Johanna Margarethe Eckhard, die den Betrieb nach seinem Tod am 3. Mai 1862 fortführte. Es bleibt also eine schwierige Suche nach den Überlieferungen eines Mannes, der stets im Schatten Voigts lebte, dessen Nachlass aber bedeutend ist. Einige seiner Werke sind ab sofort im Städtischen Museum zu bewundern.

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