+
Weite Teile der Tiefgarage sind wegen der Instandsetzungsarbeiten abgesperrt. Fotos: Anke Hillebrecht

Statik vor Schönheit

In der Tiefgarage unter dem Kurhaus werden die gröbsten Betonschäden repariert

  • schließen

35 Jahre ist das Kurhaus alt. Die Tiefgarage bietet Kongressteilnehmern alles andere als ein luxuriöses Bild. Durch Nässe und Streusalz wurde aber auch der Beton angegriffen. Jetzt werden Löcher und kaputte Fugen repariert. Bis April müssen Nutzer Umwege in Kauf nehmen.

Mit der Kelle haben zwei Bauarbeiter im ersten Untergeschoss der Kurhaus-Garage eine Betonfuge im Boden zwischen zwei Tiefgaragenplätzen von Schmutz und alter Dichtungsmasse befreit. Gelbliches Neonlicht scheint hindurch – die Arbeiter haben freien Blick ins zweite Untergeschoss. Dort tropfte es in den vergangenen Monaten mitunter von der Decke: So wussten Helmut Holzmann und seine Kollegen von der Ingenieurgesellschaft Klein und Holzmann, dass nun etwas getan werden musste.

Reiner Merkel (Kur, l.) und Ingenieur Helmut Holzmann (r.) betrachten die Schäden rund um die korrodierten Bewehrungsgitter.

„Es handelt sich um eine tragende Decke“, erläutert Holzmann, der in den vergangenen Jahren bei Kontrollgängen die Entwicklung der Schäden in der maroden Tiefgarage beobachtet hat und prüft, ob die Statik gegeben ist. In dieser Woche wurde mit den Instandsetzungsarbeiten begonnen. Rund 80 der 343 Stellplätze sind abgesperrt; die Nutzer müssen sich auf die restlichen Plätze beschränken. „Die Arbeiten werden bis Ende März, vielleicht auch in den April hinein dauern“, erläutert Reiner Merkel, in der Technischen Abteilung der Kur- und Kongreß GmbH Leiter für Projekte.

Gebäude sicher

Bei den Arbeiten werden vor allem Fugen abgedichtet und zahlreiche Löcher im Beton neu verfüllt. Fugen wurden beim Bau des Kurhauses und seiner Tiefgarage vor 35 Jahren zwischen den einzelnen, großen Betonflächen angelegt, weil Beton in der ersten Zeit nach dem Guss schwindet, also Spielraum braucht. Doch jetzt muss das Füllmaterial erneuert werden.

Im Blick der Baufirma Wayss und Freitag ist derzeit der Boden im ersten Untergeschoss – tragende Decke des darunter liegenden Tiefgeschosses. Eine Zufahrt ist gesperrt und mit einem schwarzen Staubschutzvorhang abgehängt. Im Betonboden klafft ein Loch, die Bewehrungseisen sind zu sehen. „Sie sind korrodiert“, erläutert Holzmann. Auch hier wird altes Material entfernt, und die Löcher werden neu verfüllt. Es handelt sich um 150 marode Flächen von insgesamt rund 100 Quadratmetern.

Solche Löcher im Beton sind in der Kurhausgarage oft zu finden. Sie werden neu verfüllt.

Das Problem: Autoreifen bringen Nässe und – besonders aggressiv – Streusalz in die Garage. Es tropft von den Wagen und bleibt liegen, sickert durch Risse in den Beton und reagiert chemisch mit dem Eisen, was wiederum den Beton angreift. Auch an einigen Tragepfosten gibt es Rostflecken. „Bislang ist die Statik in der Tiefgarage sicher“, betont Merkel. Die Arbeiten sollen verhindern, dass sich die Schäden weiter ausbreiten.

2016 hatte man bei der Kur schon einmal einen Schreck bekommen. Damals trat vom Brunnen im Kurhausgarten Wasser in die Tiefgarage ein. Damals war das Team Holzmann/Wayss und Freitag schon einmal tätig und hatte die schlimmsten Schäden beseitigt. Der damalige Kurdirektor Ralf Wolter hatte für die Parkgarage einen Sanierungsbedarf von rund 5 Millionen Euro festgestellt.

Doch bevor so viel Geld ausgegeben würde, muss klar sein, was mit dem Kurhaus geschieht. Derzeit wartet man noch auf die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie fürs gesamte Kurhaus, die Aufschluss gibt, wie das Gebäude künftig genutzt werden soll. Möglich, dass das Kurhaus abgerissen und neu errichtet wird. Deswegen verzichtet man auf eine Komplettsanierung, einen Neuzuschnitt von Plätzen (siehe auch Box) oder auch nur Schönheitsreparaturen. Für die statischen Maßnahmen gibt die Kur laut Merkel rund 200 000 Euro aus.

Bestfrequentiertes Parkhaus

Gut investiertes Geld, denn die Kurhaus-Garage ist mit einer Auslastung von rund 90 Prozent das am besten frequentierte Parkhaus der Stadt. Eigentlich, so Merkel, hätte schon vor Weihnachten damit begonnen werden sollen. Doch um Hotel- und Theaterbesucher sowie Geschäftsinhaber zu schonen, seien die Arbeiten in die Zeit nach dem Jahreswechsel gelegt worden. Dauernutzer bekommen andere Plätze zugewiesen; für Zufallsparker

zeigt die Zufahrtsampel jetzt früher Rot.

Info: Pfosten definieren Breite

Die Autos werden immer dicker, die Stellplätze in Parkhäusern aber bleiben gleich schmal. Somit hat man immer weniger Platz zum Aussteigen, und die Lackschäden werden mehr. In der Kurhaus-Garage bleibt es bei der vorhandenen Anzahl von 343 Plätzen. Sie ist vordefiniert durch die Stützpfosten. Oft sind drei Plätze zwischen zwei Pfosten platziert. Würde man einen Platz verbreitern, würde man einen verlieren – das wäre unklug bei der bestens ausgelasteten Tiefgarage. In einem künftigen Neubau könnten die Plätze neu bemessen werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare