+
Stefanie Duprel an ihrer Wirkungsstätte: In der Schlosskirche vor der Bürgy-Orgel. Auf ihr spielt sie die Orgelmatineen.

Orgelstipendiatin

Stefanie Duprel gestaltet Matineen auf Bürgy-Orgel in der Schlosskirche

  • schließen

Stefanie Duprel ist die neue Orgelstipendiatin des Kuratoriums Bad Homburger Schloss für die Jahre 2018 und 2019. Die 23-Jährige ist ein Vollblutmusikerin.

Umfangreich und spannend sind die Arbeitstage der noch nicht ganz 24 Jahre alten Kirchenmusikerin Stefanie Duprel aus Luxemburg. Ihren Bachelor für Kirchenmusik B mit Studium in der Klasse von Professor Martin Lücker hat sie bereits in der Tasche. Jetzt studiert sie bei Professor Stefan Viegelahn an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt Kirchenmusik A im Masterstudiengang. Außer Gesang, Klavier, Orchesterleitung und Partiturspiel gibt es als Hauptfach Chorleitung, dazu natürlich Unterricht an der Orgel. Und weil der Schwerpunkt von Viegelahn die Orgelimprovisation ist, widmet sich Stefanie Duprel auch dieser Kunst mit Begeisterung. Beim Unterricht allein kann es freilich nicht bleiben, intensives Üben gehört auch dazu.

Und als wäre das nicht genug: In Saint Michel in Luxemburg-Stadt spielt Duprel seit 2012 als Organistin in Gottesdiensten und seit 2016 ist sie Korrepetitorin am Conservatoire de Musique d’Esch-sur-Alzette. Auch Konzerte hat die junge strebsame Organistin dort wie hier, zum Beispiel in St. Katharinen in Frankfurt, schon bestritten. Und nun kommt also das Stipendium hinzu. Das ist für Duprel die Chance, bei insgesamt zwölf Orgelmatineen – sechs in diesem Jahr und ebenso viele im nächsten – Konzerterfahrung zu sammeln.

Das Programm kann sie sich dabei weitgehend selbst zusammenstellen ebenso wie der andere Stipendiat Lars-Simon Sokola, der ebenfalls bei Viegelahn studiert. Natürlich fließen auch Vorschläge des Professors mit ein.

In der Woche vor ihrem Auftritt kommt Duprel an mehreren Tagen in die Schlosskirche, um an der Bürgy-Orgel, der ältesten Orgel Bad Homburgs, stundenlang zu üben. „Jedes Instrument hat seine Eigenart“, sagt die junge Luxemburgerin, „man muss sich auf die Reaktionen einstellen.“ Dazu probiert sie aus, wie sie die Registrierung einsetzen will, um die Werke in diesem Raum optimal zur Geltung zu bringen.

38 Register besitzt die Orgel, die von 1782 an in fast fünfjähriger Bauzeit von dem in Homburg ansässigen Orgelbauer Johann Conrad Bürgy gebaut wurde. Allerdings versagte sie schon knapp hundert Jahre später ihren Dienst; das Raumklima war zu feucht und Holz arbeitet bekanntlich stark mit bei solchen Bedingungen. Das Werk wurde verkauft und erst Ende der 1980er Jahre im Zuge der Renovierung der Kirche originalgetreu den alten Vorlagen nachgebaut.

„Auch heute muss mit Heizung und Befeuchtung für ausgeglichenes Raumklima gesorgt werden“, erzählt Jürgen Seibert vom Vorstand des Kuratoriums. Er ist begeistert von der Idee der Stipendienvergabe. Stefanie Duprel ist schon die 16. Stipendiatin. Das sei ein

Gewinn für alle Seiten

, sagt er: junge Menschen werden gefördert, die Orgel wird regelmäßig gespielt und das Kulturleben der Stadt

bereichert.

Die Zuhörerschaft habe sich in den Jahren ungefähr verdoppelt auf 80 bis 100 Gäste. Der Stamm sei hoch interessiert und kenne sich mit den Modalitäten und Interpreten sehr gut aus. Auch die Zusammenarbeit mit der Musikhochschule in Frankfurt sei sehr eng und gut, auf die Empfehlungen von dort könne man sich immer verlassen und freuen.

Das glaubt man sofort, selbst wenn man Stefanie Duprel nur erzählen hört. Mit 8 Jahren bekam sie ihren ersten Klavierunterricht, sechs Jahre später wechselte sie zur Orgel. Dazu konnte sie schon als Kind am Conservatoire de Musique d’Esch-sur-Alzette die Fächer Harmonielehre und Kontrapunkt belegen. Mit 11 Jahren kam die Posaune dazu. Ihre Augen leuchten, wenn sie von ihrer fundierten Ausbildung erzählt und sie bedauert sehr, dass sie momentan keine Zeit hat, im Bläserensemble Kammermusik zu machen. Aber glücklich ist sie darüber, ihr Hobby zum Beruf gemacht zu haben.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare