Shakehands unter Kirdorfern: Der noch amtierende OB Michael Korwisi (rechts) gratuliert seinem Nachfolger Alexander Hetjes zum Sieg in der Stichwahl. Nach einem harten Wahlkampf wirkt das Lächeln der Kontrahenten noch ein wenig gequält.
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Shakehands unter Kirdorfern: Der noch amtierende OB Michael Korwisi (rechts) gratuliert seinem Nachfolger Alexander Hetjes zum Sieg in der Stichwahl. Nach einem harten Wahlkampf wirkt das Lächeln der Kontrahenten noch ein wenig gequält.

CDU-Kandidat setzt sich in der Stichwahl klar

Stichwahl in Bad Homburg: Hetjes triumphiert

  • Marc Kolbe
    vonMarc Kolbe
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Eine Karriere ist beendet, eine andere startet gerade erst: Alexander Hetjes beerbt Michael Korwisi als Oberbürgermeister. Der Wahlsieg fällt deutlich aus.

Seit Sonntagabend 19.16 Uhr ist es endgültig klar: Bad Homburg erhält einen neuen Oberbürgermeister. Alexander Hetjes hat für die CDU den Rathaussessel zurückerobert. Er setzte sich in der Stichwahl deutlich mit 61,5 zu 38,5 Prozent gegen Amtsinhaber Michael Korwisi (unabhängig/Grüne) durch.

Der Wahlabend beginnt mit einem kleinen Paukenschlag, als gegen 18.15 Uhr der erste Wahlbezirk ausgezählt ist. In der Humboldtschule setzt sich Korwisi mit 58,9 zu 41,1 gegen Hetjes durch. Sollte es dem amtierenden OB tatsächlich doch noch gelungen sein, das Ruder herumzureißen? Nur eine Minute liegt Spannung in der Luft, dann folgt der Dämpfer: Hetjes holt in Ober-Erlenbach über 70 Prozent.

Erster Applaus brandet auf. Korwisi setzt sich zwar auch noch im Gartenfeld durch, aber dann geht ein Raunen durch Raum 133 im Rathaus. Der Hardtwald geht mit 75 Prozent an Hetjes, Dornholzhausen und Ober-Erlenbach folgen.

Und so ist gegen 18.30 Uhr klar, dass es einen neuen OB geben wird – die Frage ist nur, wie deutlich sich Hetjes durchsetzen wird. Aus rund 300 Stimmen Vorsprung werden schnell 1300. Der erste (in)offizielle Hetjes-Fanclub ist da bereits gegründet. Nia (6) und Emily (12) haben eigens ein Plakat für ihren Liebling entworfen.

Mittlerweile sind OB Korwisi und seine Frau Gabriele im Rathaus aufgetaucht. Ein paar Hände werden geschüttelt, einen einzelnen Klopfer gibt’s auf die Schulter. Hetjes knabbert mittlerweile an der 60-Prozent-Marke und knackt diese letztlich auch. Der CDU-Mann taucht erst auf, als auch tatsächlich der letzte Wahlbezirk ausgezählt ist. Mit seinem Sohn Maximilian auf dem Arm wird er mit tosendem Applaus empfangen. Nur wenig später schütteln sich der amtierende und der zukünftige OB die Hände. Ein Generationenwechsel.

„Werde nicht Banzer 2“

Korwisi gibt sich nach der Auszählung äußerlich gefasst. Woran es gelegen hat, möchte er nicht diskutieren. „Ich mache jetzt keine Wahlanalyse. Tatsache ist, dass ich kein OB mehr sein werde“, sagt der 63-Jährige, der sich „ein wenig erleichtert“ fühlt. Er werde jetzt keine Depressionen bekommen. Tatsache ist auch, dass das politische Leben von Michael Korwisi nach 35 Jahren endet. „Ich werde nicht ,Banzer 2‘“, sagt er in Anspielung auf den ehemaligen Landrat, der jetzt Kreistagsvorsitzender ist.

„Ich war noch niemals in New York, ich war noch niemals auf Hawaii“, antwortet Korwisi auf die Frage, was jetzt kommt. Er habe eine große Familie, werde vielleicht auch mal Opa und könne jetzt wieder seinen Hobbys und Leidenschaften frönen – dafür habe er in den vergangenen Jahren keine Zeit gehabt. Vermissen werde er die vielen tollen Menschen und Gespräche, die er in seiner Zeit als OB kennengelernt und geführt habe. Schade sei, dass er einige bereits angestoßene Projekte – wie den Wohnungsbau und das Kino am Bahnhof – nicht beenden könne. „Aber ich denke, dass ich einiges hinterlassen habe und etliche Duftsteine für die Historie unserer Stadt gesetzt habe“, so Korwisi.

Gibt es einen Tipp für den Nachfolger? Aber sicher: „Er sollte sich jetzt ganz schnell in die Probleme der Stadt einarbeiten.“ Anders, anders als es seine Vorgängerin getan hat, will er Hetjes anbieten, ihn in den kommenden Wochen und Monaten dabei zu unterstützen, sich in das Amt einzuarbeiten. Korwisi: „Sämtliche Fachbereichsleiter bekommen die Ansage, Herrn Hetjes alle gewünschten Informationen zu geben. Ich will eine geregelte, saubere Übergabe. 2009 musste ich bei Null anfangen, es herrschte eine regelrechte Informationssperre.“

Der umjubelte Sieger will das Angebot annehmen. „Man muss immer miteinander reden, auch wenn die Fronten verhärtet sind“, sagt Hetjes. Das sei die Prämisse der CDU, und daran, eine andere Gesprächskultur einzuführen, müsse er sich messen lassen. Den Ausschlag für seinen Sieg habe der sachliche Wahlkampf gegeben. Hetjes: „Wir haben Missstände aufgezeigt und gescheite Alternativen präsentiert.“ Natürlich habe ihm auch die Wahlempfehlung des nach dem ersten Wahlgang ausgeschiedenen Karl Heinz Krug (SPD) geholfen.

Stadtplanung Chefsache

Der soll unter einem OB Hetjes auch einen Großteil der Aufgaben wiedererhalten, die ihm Korwisi im vergangenen Jahr genommen hatte. Ob Krug die Kämmerei zurückerhält? „Das kann ich fünf Minuten nach der Wahl noch nicht sagen“, so Hetjes. Was er aber sagen kann, ist, dass er Stadtplanung und Wirtschaftsförderung zur Chefsache machen will.

Während Krug also auf das Wohlwollen des neuen OB hoffen kann, kommen auf Gabriele Korwisi ungemütliche Zeiten zu. Die OB-Gattin ist aktuell Personalchefin im Rathaus – ein Umstand, den die CDU in den vergangenen Jahren immer wieder heftig kritisiert hatte. Noch habe er nicht mit ihr gesprochen, sagt Hetjes. „Erstmal werden wir die Mitarbeiterbefragung auswerten und klären, warum die Stimmung im Rathaus so mies ist. Dann wird es zum Teil auch unangenehme Personalentscheidungen geben. Da wird Frau Korwisi eine zentrale Rolle spielen.“ Sprach’s und brach zur großen Wahlparty im Kronenhof auf.

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