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Restaurator Christoph Dettmering (links) erläutert Spender Dr. Hansjoerg Gruber, wie er die Oberfläche des Schreibtischs aus dem Schlafzimmer der Kaiserin wieder so glatt bekommen hat.

Homburger Schloss

Stiftung wird aufgelöst

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Seit 2011 sammelte eine Stiftung Spenden für die Restaurierung der kaiserlichen Möbel im Schloss. Da Geschäftsführer Dr. Kai Mathieu aus Altersgründen ausscheiden möchte, führt das Kuratorium das Projekt in Eigenregie weiter. Auch in dessen Vorstand gibt es Veränderungen.

Der riesige Spiegelrahmen glänzt wieder, wie er es vermutlich in kaiserlichen Zeiten tat. Damals konnte sich Gemahlin Auguste Viktoria in ihrem Telefonzimmer beim Telefonieren zusehen. Über die Jahrzehnte ermattete das gute Stück. Vor einigen Tagen präsentierte Dr. Kai Mathieu, Gründungsgeschäftsführer der Stiftung Erhaltung Bad Homburger Schloss, den restaurierten Rahmen. Eine Geldspende von Marianne und Dr. Hans Schultz hatte dies möglich gemacht. Ebenso wurde dank Dr. Hansjoerg Grubers Engagements ein Schreibtisch aus dem Schlafzimmer restauriert.

Dass sich überhaupt Bürger finanziell an der Wiederherstellung der kaiserlichen Räume beteiligen, ist besagter Stiftung zu verdanken. Sie wurde Ende 2011 vom Kuratorium Bad Homburger Schloss gegründet, nachdem der betroffene Flügel wegen Einsturzgefahr geschlossen worden war – was er immer noch ist. Während das Land Hessen das Gebäude saniert, sammelt die Stiftung unter der Ägide von Mathieu Spenden. 40 Einrichtungsgegenstände aus dem Appartement der Kaiserin konnten schon aufbereitet werden; etwa noch einmal so viele warten noch auf ihre Restaurierung. „Die Stiftung hat 73 000 Euro erhalten und in gleicher Höhe für die Restaurierungen ausgegeben“, sagt Mathieu.

Im Kuratoriumsvorstand ist man zuversichtlich, dies bis zur Wiedereröffnung des Königsflügels zu schaffen, zumal diese sich noch hinzieht. Künftig wird sich das 1982 zwecks Restaurierung der Schlosskirche gegründete ehrenamtliche Gremium aber selbst um das Projekt Möbelrestaurierung kümmern müssen. Denn Mathieu wird im Frühjahr 80. „Ich habe den Vorstand gebeten, mich als Geschäftsführer zu entlasten“, berichtet Mathieu. „Dem haben wir auch entsprochen“, so Karl Josef Ernst, kommissarischer Vorsitzender des Kuratoriums.

Man habe sich dagegen entschieden, jemand Externes für die Geschäftsführung zu bezahlen, ergänzt Ernsts Vertreter Jürgen Seibert. Doch „das Projekt geht weiter“. Künftig werde sich Schatzmeister Henning Kley um Spenderbetreuung und Restaurierungen kümmern. „Für die Spender ändert sich nichts“, erklärt Wolfgang Bersch (89), Gründer und Ehrenvorsitzender des Kuratoriums.

Mathieu, ebenfalls Ehrenvorsitzender, wird die Auflösung der Stiftung bewerkstelligen; die Einlage von 25 000 Euro fließt zurück aufs Konto des Kuratoriums. Das Gremium sprach Mathieu seinen „tiefen Dank“ für die geleistete ehrenamtliche Arbeit aus.

Das Kuratorium, das derzeit rund 200 Mitglieder hat, hat bereits etliches bewerkstelligt – von der Beschilderung im Schlosspark über Anlage des Obstgartens bis zum neuen Anstrich des Weißen Turms. Vor Weihnachten wurde der barrierefreie Eingang zur Schlosskirche fertig. Das Gremium fördert junge Organisten, richtet an jedem zweiten Samstag im Monat (11.30 Uhr, Eintritt frei) eine Orgelmatinee in der Schlosskirche aus und will im Sommer mit der Wiederherstellung des Teehäuschens im Schlosspark loslegen.

Doch zunächst stehen die Neuwahlen des Vorstands an. Der bisherige Vorsitzende Dieter Jung hat vorzeitig sein Amt niedergelegt, weil sich der Vorstand seiner Meinung nach zu sehr mit sich selbst beschäftigt habe. Damit rückte automatisch sein erster Stellvertreter Karl Josef Ernst an die Spitze. Der Malermeister aus Kirdorf wird bei der Ende März/Anfang April anstehenden Mitgliederversammlung für das Amt des Vorsitzenden kandidieren. „Der Vorstand macht weiter“, so Ernst.

In Zeiten des Umbruchs im Schloss – Ende Januar geht Direktor Karl Weber in den Ruhestand – hat die Führungsriege auch einen Neuzugang: Der bisherige Bürgermeister Karl Heinz Krug (SPD) hat Interesse bekundet, ein Beisitzeramt zu übernehmen.

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