Auch in Bad Homburg?

Stolperstein-Initiative: Wider das Vergessen

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Warum hat die Kurstadt eigentlich keine „Stolpersteine“? Ein engagierter Bürger möchte das ändern. Doch manche Bad Homburger jüdischen Glaubens halten gar nicht viel von dem renommierten Erinnerungsprojekt.

Bewegt vom Gedenktag am 27. Januar, der an die Befreiung des KZ Auschwitz vor 70 Jahren erinnerte, hat der bekannte Bad Homburger Kiefernchirurg Dr. Dr. Wolfgang Kater erneut die Frage aufgeworfen, warum Bad Homburg keine „Stolpersteine“ habe wie andere Städte. Die Kurstadt sei „offenbar noch immer ein weißer Fleck auf der Landkarte, was ich persönlich skandalös finde angesichts der Verdienste jüdischer Mitbürger unserer Stadt“, so Kater.

Allzu gerne möchte der Mediziner „zu einer Initiative aufrufen, um die Gedemütigten und Verfolgten mit ,Stolpersteinen’ gegen das Vergessen zu ehren, und 5000 Euro stiften, wenn sich weitere Homburger Bürger beteiligten“.

Der Gedanke der „Stolpersteine“ wurde in der Stadt – auch in den politischen Gremien – bereits diskutiert – und verworfen. Die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit (GCJZ) im Taunus hat vor rund acht Jahren beschlossen, sich nicht für die Verlegung von „Stolpersteinen“ stark zu machen. „Es gibt ja das Mahnmal in der Elisabethenstraße vor der VHS, auf dem alle Namen der Deportierten festgehalten sind“, erläutert die GCJZ-Vorsitzende Margret Nebo.

Außerdem müsse man „mit dem Gedenken dosiert umgehen“; es solle „nicht überstrapaziert werden“. Wichtiger als die Verlegung von „Stolpersteinen“ sei es für eine Stadt, sich öffentlich gegen Antisemitismus auszusprechen – so habe es auch die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, neulich formuliert. Die Stadt München habe auch keine „Stolpersteine“.

Manche Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Bad Homburg hätten sich vehement gegen das Projekt ausgesprochen, erinnert sich Nebo – unter anderem mit dem Argument, man wolle nicht, dass Passanten auf den Namen ihrer Vorfahren herumtrampelten. „Es wurde kontrovers diskutiert“, erzählt die Vorsitzende. Sollte sich eine Initiative bilden, die sich für „Stolpersteine“ einsetze, so werde die GCJZ dies jedoch nicht torpedieren, betonte die Vorsitzende.

Nebo schätzt, dass man in der Kurstadt bis zu 80 Steine legen könnte. „Wir arbeiten gerade an einem Heft, das im Sommer herauskommen soll“, so Nebo. Darin würden diverse jüdische Schicksale geschildert. Bekannte Beispiele jüdischer Homburger, die deportiert wurden, sind die Familie Rothschild, die einst in der Louisenstraße neben dem Kaufhaus Karstadt gelebt hatte; der einstige Kantor der Homburger jüdischen Gemeinde, Moses Herz, sowie etliche Personen, die in der Wallstraße, in der Nähe der damaligen Synagoge, gewohnt hatten.

Die vorhandene Form des Gedenkens an die Deportierten sei „würdig und angemessen“, erläutert Rathaus-Sprecher Andreas Möring und weist außer auf die Gedenktafel an der VHS auch auf die im November 2013 im Bahnhofsgebäude angebrachte Gedenktafel hin.

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