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Einmal in einem solchen Buick Platz nehmen und sich fühlen wie ein Star am Sunset Boulevard von Hollywood ? das Mitfahrmuseum machte es möglich. Und die Besucher machten auch weidlich davon Gebrauch.

Fahrten für den guten Zweck

Sunset Boulevard im Schlosshof

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Von Landgraf Ferdinand von Hessen-Homburg ist bekannt, dass er, wenn sich der Himmel auftat, gerne ohne Dach überm erlauchten Haupt reiste. Am Sonntag wäre, direkt vor seiner Haustüre, Gelegenheit zum Offenfahren gewesen, denn beim Mitfahrmuseum des Lions-Clubs Bad Homburg Hessenpark herrschte Landgrafenwetter.

Bereits zum dritten Mal hatte der Lions Club Band Homburg Hessenpark rund um den Weißen Turm das Nützliche mit dem Angenehmen verbunden und rund 50 Besitzer von Oldtimern mit ihren fahrbaren Schätzen um sich geschart, auf dass Hunderte Oldie-Fans den Schlosshof stürmten und vor der Qual der Wahl standen: An welcher Wagentür sollten sie Schlange stehen, um zu einer Spritztour durch Bad Homburg eingeladen zu werden? Schwierig!

Cabrios wie der 1938er Mercedes Benz 230D, der 1939er Audi 920 oder der Bancroft Roadster mit dem „Schwiegermuttersitz“, der am Ende die meisten Buchungen hatte, waren ebenso heißt begehrt wie der monströse „Adenauer-Benz“ und der nach oben offene Messerschmidt Kabinenroller, so mancher Mustang, Straßenkreuzer oder „Gangster-Citroën“. „Egal wie teuer oder wie alt – es sind alles Traumautos. Toll, dass so viele gekommen sind, viel mehr als sich angemeldet hatten“, freute sich Mischa Towfighi, Past-President des Lions Club und Organisator der Benefiz-Autoshow, dass es rund um den Weißen Turm keine Parkplätze mehr gab.

Wer mitfahren wollte, musste spenden. Der Appell, großzügig zu sein, verhallte nicht ungehört. Der Erlös steht noch nicht fest, man rechnet aber bei rund 500 Fahrten mit einem Rekordergebnis. Das Geld geht wie in den Vorjahren an den Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst und die „Aktion Luftsprung“, die chronisch erkrankten jungen Leuten hilft.

Die meisten Autos waren im Bestzustand, viele zu mehr als 90 Prozent original. Das kommt nicht von ungefähr, der Aufwand, der nötig ist, den ursprünglichen Glanz der Jahrzehnte alten Fahrzeuge zu erhalten, ist erheblich. Kommt man mit den Besitzern ins Gespräch, erfährt man, dass die Ersatzteilbeschaffung meist geregelt ist.

Besonders gut im Futter steht der graue 1956er Peugeot 203 Commerciale von Reiner Plass aus Karlstadt. Innen ist der von einem französischen Bauern stammende Kombi weitestgehend im Originalzustand. „Die Farbe außen stimmt nicht ganz, aber fast“, sagt Plass. Motor und Getriebe sind im Urzustand und offenbar unkaputtbar. Nur eine neue Wasserpumpe war bei 50 000 Kilometern nötig, wozu Plass eine „normale Peugeot-Werkstatt“ aufsuchte. Ersatzteilnot dürfte bei ihm nicht auftreten, hat er doch eine irreparable 203-Mobilie erworben und in ihre Einzelteile zerlegt. „Schwierig zu bekommen sind Kotflügel, dazu muss man in Frankreich suchen“, ist Plass froh, dass das noch nicht nötig war.

Die Oberurselerin Dorothee Nickel hegt und pflegt ihren Audi 920 wie einen Augapfel. Das Auto hat aber sehr gute Gene. Außer einer defekten Wasserpumpe, die gleich auch noch den Zylinderkopf zerstört hat, ist an dem Auto, das Nickel vom Vater übernommen hat und von dem weltweit nur noch 15 unterwegs sind, noch nichts größeres passiert. „Ersatzteile sind meist viel günstiger als man denkt, entweder Originalteile oder Nachbauten. Selbst der Marderschaden letztes Jahr war mit 300 Euro erledigt“, sagt Nickel, die, wenn es etwas zu richten gibt, zum Schrauber ihres Vertrauens, den Oberurseler Oldie-Spezialisten Hans-Robert Schramm geht.

Wenig Probleme mit seinem 1967er Ford Mustang hat auch Michael Kleemann aus Köppern. Das ursprünglich auf einem kalifornischen Weingut beheimatete Cabrio ist sehr robust. Die Ersatzteilbeschaffung sei kein Problem, für Wartungsarbeiten gibt es genügend Spezialisten, wobei Kleemann auf eine Mustang-Werkstatt in Saulheim schwört. Nächstes Jahr wird er der wohl wieder einen Besuch abstatten, „dann ist der Motor dran.“

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