Tango zwischen Quietschen und Knarren

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Manchmal spielen die drei Musiker von „SonARTrio“ auch noch andere Musik, verrieten sie am Mittwochabend nach dem Konzert in der Englischen Kirche, in dem sie die Gäste geschickt anleiteten, nicht nur Ohren, sondern auch Seele für neueste Musik zu öffnen.

Eine Marktlücke suchten sie nicht, als sie sich von der Musik des 21. Jahrhunderts inspirieren ließen, die drei Musiker von „SonARTrio“. Dieses besteht aus Simon Kluth (Violine), Till Marek Mannes (Akkordeon) und Benedikt Brodbeck (Violoncello).

Dass es dann doch eine solche war, stellte sich für das 2012 gegründete Ensemble erst später heraus. Inzwischen zählen die drei Musiker zu den aufstrebenden Spezialisten dieser Musik und werden auch bereits gerne kontaktiert von jungen Komponisten.

Moderat begann das Programm mit Karlheinz Stockhausen (1928–2007) – dem Esoteriker unter den Komponisten, der bis hin zur elektronischen Musik viele Phasen durchlief – und Löwe, Krebs und Waage aus seinem Tierkreis. In Töne, Rhythmen und Dynamik war hier umgesetzt, was diesen Charakteren zugeschrieben wird, und zu spüren war auch sofort, mit wie viel Ernsthaftigkeit und Engagement das Trio sich einsetzt.

Obwohl am Ende ein Vogelflattern zu hören ist, sei „Weit draußen“ von Alfred Koerppen (*1926) kein naturprogrammatisches Stück, sondern eher als Rückzug und Flucht in dieselbe zu erleben, erläuterte Simon Kluth.

Solchermaßen eingeführt, hatte man die Auseinandersetzung mit eigenen Emotionen in der Konfrontation mit Natur als mögliche Interpretation. Wolfgang Rihm (*1952), einer der bekanntesten zeitgenössischen Komponisten, setzt häufig die Räumlichkeit mit ein. „Am Horizont“ (1991), von Violine und Cello links und rechts aus dem Saal, vom Akkordeon aus der Apsis als feinste Klänge zu hören, war ein Beispiel dafür.

Die Jüngste der dargebotenen Musikschaffenden, Kathrin Denner (*1986), ist Rihm-Schülerin. Ihr „Trio Synchronico“ (2014), ein Werk voll Spannung, in dem sie neben Ganz- und Halbtonschritten auch Abstände von Vierteltönen verwendet, widmete sie dem „SonARTrio“.

Ebenso ist „Absyrt. OS“ (2014) von Julian Lembke (*1985) für das Trio geschrieben, ein auch rhythmisch sehr interessantes Stück, in dem nicht nur mit der Bogenstange und den Falten des Akkordeonbalgs besondere Klangwirkungen erzielt werden. Aus dem Wundern kamen die Zuhörer kaum heraus bei „Zerango“ (1985) von Hans-Joachim Hespos (1938), wenn zwischen Quietschen und Knarren Tangorhythmen anklangen, die drei Musiker im Kanon wilder Rhythmen unhörbar in der Luft weiter arbeiteten und schließlich in der Bewegung erstarrten; das Auge hatte das Hörerlebnis zu ergänzen.

Des Weiteren gab es hochinteressante Musik von Dominik Susteck (*1977), Johannes Schöllhorn (*1962) und Tilo Medek (1940–2006). Als „Neue Musik“ will das Trio die Werke gar nicht bezeichnet wissen, „Aktuelle Musik“ sei adäquater. Gemessen daran bewiesen sich die interessierten Anwesenden als aktueller denn solche, die sich dafür halten – ein jüngeres Publikum fehlte völlig. Nach frenetischem Dank für die erbrachte Leistung und einem versöhnlichen Piazzolla als Zugabe wurde das Trio bestürmt von 1000 begeistert interessierten Fragen.

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