Wie hier gestern am Usinger Schlossplatz drängen sich überall im Hochtaunuskreis nach Schulschluss die Schüler an den Bushaltestellen und Bahnhöfen dicht an dicht. 	Foto: Matthias Pieren
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Wie hier gestern am Usinger Schlossplatz drängen sich überall im Hochtaunuskreis nach Schulschluss die Schüler an den Bushaltestellen und Bahnhöfen dicht an dicht. Foto: Matthias Pieren

Schulstart im Hochtaunuskreis

Massiver Corona-Ärger im Taunus: "Situation beim Schulbusverkehr katastrophal"

  • vonMatthias Pieren
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Von Bad Homburg bis Neu-Anspach sind Eltern in Sorge: In überfüllten Schulbussen ist Corona-Schutz quasi unmöglich, beklagen sie. Der Kreis greift die Beschwerden auf. Nun droht Zoff mit dem Kultusministerium.

Bad Homburg – Wenn sich Landrat Ulrich Krebs schriftlich an den Hessischen Kultusminister Professor. Alexander Lorz (beide CDU) wendet, um sein Unverständnis über eine Entscheidung des Landes Hessen zu äußern, dann muss ihm der Kragen schon ziemlich eng geworden sein. Meist bleibt solche parteiinterne Kritik intern und dringt nicht an die Öffentlichkeit. Da die Pressestelle des Hochtaunuskreises jenes "Unverständnis" als Reaktion des Landrats auf die Kritik von Eltern schulpflichtiger Kinder anführt, muss ihm der oberste Knopf seines Kragens wohl bereits geplatzt sein..

"In einem Schreiben an den Hessischen Kultusminister äußert Landrat Krebs sein Unverständnis darüber, dass das Land Hessen nach den Sommerferien unmittelbar den vollen Präsenzunterricht für alle Schülerinnen und Schüler eingeführt hat", teilt Pressesprecherin Barbara Wüst auf Anfrage dieser Zeitung mit.

Corona im Taunus: Schulbus-Verkehr macht Probleme – Eltern in Sorge

Um die vorgegebenen Abstandsregeln einzuüben und die vorhandenen Kapazitäten im Schulbus-Verkehr des Hochtaunuskreises mit Bus und Bahn vernünftig zu nutzen, wären nach Ansicht des Landrats und Schuldezernenten des Hochtaunuskreises mit Beginn des neuen Schuljahres versetzte Unterrichtszeiten von Vorteil gewesen.

Mit seinem Schreiben ans Kultusministerium hat Krebs auf die Irritation besorgter Eltern reagiert, die eine "problematische, wenn nicht gar katastrophale" Situation im Schulbus-Verkehr ihrer Kinder kritisiert (siehe Text unten). Tatsächlich zeigt sich an den meisten Schul-Standorten ein ähnliches Bild.

Schülerbeförderung zwischen Schmitten, Glashütten und Königstein teils „katastrophal“

Esther Groh aus Schmitten war aktiv und hat die Sorge der Eltern in vielen Gruppen sozialer Medien gepostet – mit großer Resonanz. „Die Situation der Schülerbeförderung zwischen Schmitten, Glashütten und Königstein empfinden viele Familien als sehr problematisch, wenn nicht gar katastrophal“, schreibt sie auf Facebook an Landrat Ulrich Krebs (CDU). „Es bedarf einer Lösung.“

Faktisch sei so gut wie kein Infektionsschutz möglich, wenn die Kinder eng gedrängt im Bus unterwegs seien. Die Situation in überfüllten Bussen sei schon vor der Pandemie unzumutbar gewesen. „In vielen Familien wird notgedrungen das ,Elterntaxi‘ praktiziert“, berichtet Groh. „Wer dies nicht kann, bleibt auf der Strecke oder riskiert eine Ansteckung.“ Auch Melanie Westenberger berichtet dem Landrat auf Facebook von überfüllten Schulbussen zwischen Niederreifenberg und Neu-Anspach. „Wenn im Schulbus alle Kinder so zusammengepfercht zusammen fahren, ergibt es nicht so viel Sinn, in der Schule penibel darauf zu achten, die einzelnen Jahrgänge räumlich voneinander zu trennen. Auch die Bussteige an der Schule sind völlig überfüllt.“

Eltern aus dem Taunus fürchten sich Corona-Fall

Ebenso ist nach den Schilderungen von Monika Rodenhäuser aus Oberems auf der zehn Kilometer langen Schulbusfahrt von Oberems nach Königstein der gebotene Covid-19 Abstand nicht annähernd möglich. „Ein Regelschulbetrieb für alle Schüler ist einfach nicht durchdacht worden. Wo sollen zusätzliche Busunternehmen, Busse und Busfahrer hergezaubert werden, die vonnöten wären um die Covid-19-Regelung einhalten zu können?! Sobald wegen einem Corona-Fall die Schule oder das Busunternehmen zu machen, ist wieder Home-Schooling angesagt“, schreibt auch sie an den Landrat auf Facebook.

Der Sohn von Bettina Löbl aus Oberreifenberg besucht die Grundschule in Niederreifenberg und möchte nach Angaben seiner Mutter endlich wieder selbstständig zur Schule und auch zurück nach Hause fahren. Eigentlich unterstützen seine Eltern diesen Wunsch. „Aufgrund der überfüllten Busse der Linie 80 werden wir ihn jedoch weiter zur Schule bringen und abholen“, teilt Löbl mit. „Das geht aber nur, weil mein Mann und ich von daheim aus arbeiten können und entsprechend flexibel sind.“ map

Corona-Schutz im Schulverkehr des Hochtaunuskreises: Ab und auf bei den Masken

Innerhalb der Schulen, auf dem Schulweg, an den Bushaltestellen und im Schulbus geht es bezüglich der Abstands- und Hygieneregeln sowie der Maskenpflicht infolge der Corona-Pandemie seit Schulbeginn Mitte August drunter und drüber. Dazu muss man aber wissen, dass Schüler gewiss nicht der Gruppe der Corona-Leugnern zuzurechnen sind. Im Gegenteil: Vielmehr bilden sie wohl eher die Gruppe innerhalb der Bevölkerung, die nach dem Lockdown klaglos und selbstverständlich viele Einschränkungen mitgetragen haben. Das Problem liegt in einer absurden Corona-Unstimmigkeit: In den Schulen und auf dem Schulgelände gilt im Hochtaunuskreis eine Maskenpflicht - sehr viele Schüler tragen diese aus Verantwortungsbewusstsein sogar im Unterricht. Sobald aber die Schüler nach dem Unterricht das Schulgelände verlassen, sind sie verständlicherweise froh, ihre Masken wieder abnehmen zu können. An den Bushaltestellen ballen sich dann Schüleransammlungen - zumeist ganz ohne Masken.

Da in Bussen und Bahnen des ÖPNV hingegen absolute Maskenpflicht gilt, werden diese beim Einsteigen dann wieder aufgezogen. Drinnen herrscht dann drangvolle Enge. Nahe liegend, dass die Masken beim Ausstieg wieder umgehend abgenommen werden.

Corona im Hochtaunuskreis: Landrat schlägt sich auf die Seite der Eltern

"Der Landrat teilt die Sorge der Eltern, dass in den Schulbussen und im schienengebundenen Nahverkehr die Corona-Regeln nur schwer einzuhalten sind", teilt Kreissprecherin Wüst weiter mit. "Der Landkreis konzentriert sich bei seinen Bemühungen deshalb darauf, den Schulbeginn zu entzerren. So könnten auch spätere, derzeit nur gering genutzte ÖPNV-Angebote frequentiert werden." Um dies zu erreichen, müsse aber das Kultusministerium mitwirken und den Schulen einen versetzten Schulbeginn gestatten. Gerade mit Blick auf die heraufziehende kalte Jahreszeit sei dieser Schritt unabdingbar, da weder zusätzliche Buskapazitäten noch zusätzliche Busfahrer in der erforderlichen Zahl zur Verfügung stehen.

"Der Kreis erörtert gegenwärtig unter Beteiligung des Kreiselternbeirates und des Staatlichen Schulamts die Situation, um gemeinsame Lösungsvorschläge für die Schulen zu erarbeiten", so Wüst.

Der Verkehrsverbandes Hochtaunus (VHT), der den Schulbusverkehr verantwortet teilt zudem mit: "Ausschließlich die städtischen und gemeindlichen Ordnungsämter sowie die Polizei können das Nicht-Einhalten der Maskenpflicht in Bussen und Bahnen sanktionieren", sagt VHT-Geschäftsführer Frank Denfeld. "Das Personal des RMV und des VHT sind dazu weder ausgebildet noch befugt. An den Haltestellen, die unmittelbar ans Schulgelände grenzen, haben die Schulen die Aufsichtspflicht." (Von Matthias Pieren)

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