Therapie muss sein

Gute Lebensqualität ist trotz Morbus Parkinson möglich – das war eine der Hauptbotschaften beim 78. Medizinischen Bürgerdialog zum Thema „Parkinson – Hoffnung auf Heilung“ am Montagabend im Kurhaus. Die rund 200 Zuhörer bei der vom Forum Gesundheit getragenen Veranstaltung wurden in Experten-Vorträgen und in einer anschließenden Fragerunde ausführlich über die Ursachen, Diagnoseverfahren und Therapiemöglichkeiten informiert.

Von GABRIELE CALVO HENNING

Die Behandlung vom Morbus Parkinson erfordert Fingerspitzengefühl, oder um es mit den Worten der niedergelassenen Neurologin Dr. Irma Schöll zu sagen: „Parkinson zu behandeln, das lernen Sie nicht aus einem Buch. Man muss viel Erfahrung mit Patienten gesammelt haben, um wirklich ein Spezialist zu sein.“ Das beginnt bereits bei der sicheren Diagnose dieser degenerativen Erkrankung des Zentralen Nervensystems, bei der jene Nervenzellen absterben, die den Botenstoff Dopamin erzeugen, der wiederum für die Bewegungsabläufe in unserem Körper von Bedeutung ist. Symptome wie die Bewegungsstarre, das leicht nach vorne gebeugte Gangbild, das Zittern, Gleichgewichts-, Sprech- und Schluckprobleme, aber auch Depressionen, Verstopfung oder Schlafstörungen weisen auf möglichen Parkinson hin.

Mit weiteren Untersuchungen wie Ultraschall oder der testweisen Gabe von L-Dopa, dem Dopamin-Ersatzmittel, kann der erfahrene Arzt die Diagnose weiter erhärten oder eben ausschließen. Steht Morbus Parkinson fest, dann kommt es bei dieser Erkrankung extrem darauf an, die Medikamentenkombination individuell auf den Patienten abzustimmen und im weiteren immer wieder anzupassen.

Eine der Hauptbotschaften, die Schöll zusammen mit dem Ärztlichen Leiter der Neurologie an den Hochtaunus-Kliniken, Dr. Andreas Dietz, und der ebenfalls dort tätigen Logopädin Anna-Katharina Frey am Montagabend im Kurhaus beim 78. Medizinischen Bürgerdialog des Forums Gesundheit an das rund 200-köpfige Publikum weitergeben konnten, lautete: Zwar könne Parkinson bis heute nicht geheilt werden. Es gebe aber eine Vielzahl gut wirkender Medikamente, die den Betroffenen ein hohes Maß an Lebensqualität erhalten können. Die Lebenserwartung von gut eingestellten Patienten unterscheide sich deshalb so gut wie gar nicht von der der nicht betroffenen Bevölkerung, so Dietz.

Extrem wichtig ist die zeitlich korrekte Einnahme der Arzneien, vor allem des L-Dopa, damit die volle Wirkung erzielt werden kann. Bei Patienten im fortgeschrittenen Stadium, bei denen sich bereits größere Schluckbeschwerden eingestellt haben, können dies bestimmte Medikamenten-Pumpen garantieren, die, am Körper getragen, die Betroffenen zuverlässig versorgen.

Bei Parkinson sind Medikamente also unverzichtbar. Ohne eine frühzeitig einsetzende physio-, ergo-, psychotherapeutische und logopädische Behandlung geht es aber auch nicht. Gerade die Logopädie biete eine Fülle guter Übungen, sagte Frey und stellte gezielte Stimmkräftigungs- und Artikulationstrainings vor. Auch durch eine bestimmte Kopfhaltung beim Schlucken und mit Übungen zur Steigerung der Konzentrationsfähigkeit könnte der Patient bei einem regelmäßigen Training viel für sich tun.

Sowohl Dietz als auch die in der Forschung tätige Schöll waren sich ziemlich sicher, dass es in absehbarer Zeit keine heilende Therapie für Morbus Parkinson geben werde. Eventuell lägen in der Stammzellenforschung, so wie sie aktuell in Schweden betrieben werde, Möglichkeiten, um irgendwann einmal zu einem Durchbruch zu kommen. In Deutschland allerdings wird dieser Ansatz aus ethischen Gründen zurzeit nicht verfolgt.

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