Dr. Thomas Kreuder (60) kandidiert für die SPD bei der Oberbürgermeisterwahl im kommenden März. Foto: jp
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Dr. Thomas Kreuder (60) kandidiert für die SPD bei der Oberbürgermeisterwahl im kommenden März. Foto: jp

Oberbürgermeisterwahl Bad Homburg 2021

Dr. Thomas Kreuder (SPD) wirft den Hut in den Ring

  • Harald Konopatzki
    vonHarald Konopatzki
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Der 60 Jahre alte Jurist wurde von der Politik Willy Brandts geprägt und will sich deutlich vom Amtsinhaber abgrenzen

Bad Homburg -"Mehr wagen!", die Ähnlichkeit des Mottos von Dr. Thomas Kreuder für die OB-Wahl im März zum legendären Spruch "Mehr Demokratie wagen" von Willy Brandt kommt nicht von ungefähr, bekannte Kreuder bei seiner Vorstellung als OB-Kandidat durch Parteichefin Elke Barth und Fraktionschef Tobias Ottaviani. "Brandt und seine Politik haben mir meinen Lebensweg erst ermöglicht - ich war der Erste aus unserer Familie, der studieren konnte."

Seit seinem Studium in Frankfurt hat der heute 60 Jahre alte Jurist vielfältige Erfahrung in der Verwaltung und in der freien Wirtschaft: Er war unter anderem Ministerialrat im Hessischen Finanzministerium, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Bundesverfassungsgericht und ist derzeit Syndikusrechtsanwalt und Konzernbereichsleiter Recht beim international operierenden Chemie-Riesen Evonik.

In Bad Homburg ist er als stellvertretender Ortsvorsteher Gonzenheims und aktives Mitglied diverser Vereine bekannt, darunter des Geschichtlichen Arbeitskreises Gonzenheim, des Turnvereins, der "Bürger für Gonzenheim" und der Stolperstein-Initiative. Kreuder wohnt - mit Unterbrechungen - seit 1993 in der Kurstadt, seit 2016 sitzt er für die SPD im Ortsbeirat. "Seitdem beobachte ich die Rathauspolitik in Bad Homburg intensiver. Was mir auffällt, als jemand, der die vergangenen 20 Berufsjahren in Leitungspositionen in der Privatwirtschaft verbracht hat, ist: wenig Bewegung, wenig Begeisterung, viel Routine. So erreicht man nichts."

Stattdessen brauche es, da kommt Brandt bei Kreuder wieder durch, "mehr Machen und Zupacken und auch mehr Empathie." Auch wenn er sich auf die Zukunft fokussieren will, fiel in seiner Vorstellung auffällig oft die Formulierung "Ich als OB hätte . . .", jeweils gefolgt von einem Themenkomplex in dem er sich als Gegenpol zum Amtsinhaber präsentierte. Beispiel Corona: Hier hätte er zu mehr Ideen und Mitarbeit eingeladen, statt Sitzbänke vernageln zu lassen. "Ich hätte mich persönlich von Beginn an aktiv um Unterstützung für Betroffene, um nachhaltige Lösungen für Handel und Gastronomie bemüht." Der Krisenstab sei in der Akutphase ein probates Mittel, "nach der akuten Phase ist aber zu wenig passiert, so gibt es erst jetzt ein Hygienekonzept für Kultureinrichtungen".

Auch dass der vom Ortsbeirat schon im Dezember 2019 geforderte Arbeitskreis Louisenstraße noch nicht ein Mal getagt habe, sei ein Armutszeugnis. "In der Privatwirtschaft wurde sich schnell digital vernetzt und viele gute Ideen wurden entwickelt - in Bad Homburg hat man die Digitalisierung verschlafen."

Auch eine stärkere Absprache mit anderen Kommunen wäre wünschenswert gewesen. "Diese Versäumnisse haben etwas mit mangelnder Führung zu tun - und mit fehlenden Ideen in der Führung." Auch beim Klimaschutz hänge Homburg weit hinterher. "Ich werde als OB von Beginn an aktiv daran arbeiten, dass Bad Homburg zum Ende meiner Amtszeit 2027 klimaneutral ist." Den bisherigen Weg zur Zukunft des Kurhauses nannte Kreuder "ein Trauerspiel", bei der Stadtentwicklung wolle er "unkonventionelle Wege gehen", so könne der Bornberg als autofreies Quartier nach dem Vorbild des Freiburger "Quartier Vauban" entwickelt werden. Auch will er mehr Angebote für Jugendliche schaffen, "etwa einen Skater- und Sportpark auf der Salzwiese gegenüber des Außenbereichs der Taunus-Therme.

Dass eine Tätigkeit als Oberbürgermeister eine sehr großer Umstellung und ein finanzieller Rückschritt wäre, ficht den verheirateten Vater dreier erwachsener Kinder nicht an. "Ich habe vor meiner Entscheidung mit meiner Familie, Freunden und einigen SPD-Mitgliedern gesprochen - ich möchte der Gesellschaft etwas zurückgeben."

Angesichts der nicht gerade exorbitanten Zustimmungswerte der Partei setzt Kreuder auf die Persönlichkeitswahl - ohne die Partei hinten an zu stellen. "Mit mir gibt es keinen Etikettenschwindel. Ich bin ein SPD-Kandidat." Dabei will er auch nicht ausschließen, dass es mal unterschiedliche Meinungen geben könne. Kreuder stellte denn auch gleich klar: "Ich werde ein fordernder OB sein." Am liebsten natürlich mit einer SPD in der Stadtverordnetenversammlung, die in Regierungsverantwortung ist.

Die Verwaltung will er als Stadtoberhaupt nicht aufblähen, lieber überlegen, ob man durch die Zusammenlegung von Fachbereichen, die ohnehin viele Schnittmengen hätten, Synergien heben kann. Auch wolle er hinwirken, dass weniger Arbeiten extern vergeben werden. "

Von Barth und Ottaviani gab es viel Wertschätzung. Kreuder sei "ein verdammt guter Kandidat", so Ottaviani, "ein intelligenter Kopf mit viel Erfahrung, vielen Ideen und konkreten Lösungsvorschlägen." Und Barth betonte, in schwierigen Zeiten braucht es einen erfahrenen Manager. Auf die Seefahrt bezogen sagte die leidenschaftliche Seglerin: "In der Krise braucht es, wie im Unwetter, einen erfahrenen Skipper, der das Wetter richtig einschätzt und die Mannschaft mitnimmt." All das bringe der OB Kandidat und Spitzenkandidat auf der SPD-Liste mit.

Am morgigen Freitag soll die Homepage www.thomas-kreuder.de freigeschaltet werden, auf der sich der Kandidat präsentiert. Mit Blick auf die kommenden Monate sagte er gestern: "Ich freue mich auf einen spannenden Wahlkampf der Ideen, den Wettstreit um die besten Konzepte für Bad Homburg und auf viele Gelegenheiten, uns in den nächsten Wochen und Monaten noch besser kennenzulernen. Gefragt hatte Barth den leidenschaftlichen Eintracht-Fan übrigens beim Pokal-Achtelfinale gegen Leipzig. Das gewannen die Adler und scheiterten letztlich erst im Halbfinale gegen den späteren Pokalsieger - die "Roten" von Bayern München.

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