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Auch mit ihren Heilbrunnen wollte die Kurstadt bei der Welterbevergabe punkten.

Keine Anerkennung als Weltkulturerbe

Traum vom Great Spa ist ausgeträumt

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Seit drei Jahren hofft die Kurstadt auf den Welterbe-Titel und tut einiges dafür. Jetzt ist sie rausgeflogen aus dem Verfahren. Offenbar haben sich die Bewertungskriterien verschoben.

Sie haben ein Kurparkpflegewerk angelegt, der Orangerie wieder zu altem Glanz verholfen. An der Landgräflichen Gartenlandschaft wurde gearbeitet, im Kurpark wird die Luftreinheit überwacht. Veranstaltungsreihen, Führungen und Publikationen wurden konzipiert; ein „digitales Gebäudebuch für den Kurbezirk“ entwickelt und morgen wird noch ein mit einem kleinen blauen Tempelchen neu ausgeschilderter Rundwanderweg eingeweiht, der die im 19. Jahrhundert gewachsene Kurlandschaft rund um die Stadt erlebbar macht.

Man kann nicht sagen, dass Homburg wenig dafür tue, in die erlauchte Gruppe der „Great Spas of Europe“ aufgenommen zu werden. Doch jetzt ist die Kurstadt aus der Bewerbung zum Unesco-Weltkulturerbe ausgeschieden. Die Stadt bedauert dies außerordentlich. Die Entscheidung hält sie für endgültig.

Seit 2010 gibt es die gemeinsame Initiative europäischer Kurstädte unter dem Titel „Great Spas of Europe“, die mit einer seriellen Bewerbung die Anerkennung als Weltkulturerbe für die beteiligten Städte erlangen will. Bad Homburg strebte seit 2011 eine Mitgliedschaft an und gehörte seit 2013 zu der Initiative. Seit 2010 sei die Zahl der beteiligten Städte von 8 auf 16 gewachsen. Arbeitsgruppen sollen den Prozess steuern. Im Oktober 2015 tagte die Steuergruppe in Bad Homburg; damals sah alles noch vielversprechend für den Gastgeber aus.

Gestern tagten die Bürgermeister der beteiligten Städte in Prag; Dr. Astrid Krüger, Leiterin des Stadtarchivs, vertrat Bad Homburg. Es wurde entschieden, die Gruppe auf elf Städte zu reduzieren. „Bad Homburg, Wiesbaden, Bad Pyrmont (Deutschland), Bad Ischl (Österreich) und Luhacovice (Tschechien) sind fortan nicht mehr Teil der Bewerbung“, erläutert Rathaussprecher Andreas Möring.

Ein Argument gegen Bad Homburg und Wiesbaden sei gewesen, dass hier „nur noch sehr bedingt von einem bestehenden Kurbetrieb gesprochen werden könnte“. Dieses Kriterium habe erst 2015 Gewicht bekommen. Bei der Bewerbung habe man den Fokus auf das Erbe des gesellschaftlichen Lebens gelegt, das sich im 19. Jahrhundert in Homburg entwickelt habe. Zeugnisse wie Spielbank, Russische Kirche und Sala Thai, mit denen Bad Homburg punkten kann, spielten jetzt offenbar keine große Rolle mehr. „Zuletzt verfestigte sich der Eindruck, dass sich der Schwerpunkt bei der Bewertung verschoben hat vom Welt- und Gesellschaftsbad, für das Wiesbaden und Bad Homburg stehen, zum Heilbad.“

Dass die Kurstadt das Zeug dazu hätte, „Great Spa“ zu werden, hatte der Kunsthistoriker Dominique Jarrassé in einem Gutachten dargelegt. Nicht nur der Kurpark mit den Brunnen, Pavillons und der Orangerie habe „außergewöhnlichen universellen Wert“; auch habe Homburg dank seiner Spielbank die Rolle eines der „Salons de l’Europe“ übernommen, habe dank der britischen Kurgäste eine Pionierstellung im Golf- und Tennissport eingenommen. Doch jetzt seien Orangerie und Brunnensälchen zum Beispiel gar nicht erwähnt worden.

OB Alexander Hetjes (CDU) bezeichnete das Verfahren, nach dem die „Great Spas“ ausgesucht werden, als „undurchsichtig“. Die Entscheidungen seien „eher politisch als wissenschaftlich geprägt“; mit politischem Druck habe es auch zu tun, dass Bad Kissingen noch drin sei und Bad Homburg raus. Gemeinsam mit Wiesbadens OB Sven Gerich weist Hetjes darauf hin, dass auch die übrigen Entscheidungsgrundlagen erhebliche Mängel aufweisen. Bei einer von der Unesco geforderten „vergleichenden Analyse“ der Kurstädte habe nur einer von vier Autoren bis zum Ende mitgearbeitet.

Hetjes sieht’s dennoch positiv: „Auch wenn wir nicht ans Ziel gelangen werden, so haben wir in den Städten doch sehr viel bewegt, das bleiben wird. Den Bürgern ist die Besonderheit und der Wert unserer Städte sehr viel deutlicher geworden.“

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