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Schlossdirektor Karl Weber (links am Gerüst) erläuterte den Gästen, was im Schloss derzeit saniert werden muss und warum. Den ?Marmor, der nur so tut als ob?, wird wohl keiner mehr vergessen.

Weißer Turm Bad Homburg

Nur die Treppe fehlt noch

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Das Kuratorium Bad Homburger Schloss bedankte sich bei den Unterstützern mit einer denkwürdigen Geschichtsstunde. Denn der Weiße Turm erstrahlt in neuem Glanz. Doch bald wird er wieder von Bauzäunen umringt sein.

Er erstrahlt wirklich in neuem Glanz, der Weiße Turm auf dem Schlosshof. Rund 270 000 Euro verschlingen die Sanierungsarbeiten – wie berichtet, wurden das Hauptdach, das Zwischendach und die Fassade erneuert. Eigentlich hätte es schon längst weitergehen sollen, denn nun muss noch die Außentreppe saniert werden. Derzeit läuft laut Schlossdirektor Karl Weber die Ausschreibung.

Zwischen 15. und 20. Mai, schätzt Weber, sollen die Arbeiten beginnen. Dann wird das Wahrzeichen wieder eingerüstet und den Sommer über auch nicht betretbar sein. „Die Außentreppe wird abgebaut und die einzelnen Stufen gesäubert“, so Weber. 80 000 bis 100 000 Euro – enthalten in den 270 000 Euro – wird diese Maßnahme kosten. Mitte bis Ende August, hofft er, wird der Weiße Turm dann ganz fertig sein. Nun hatte das Kuratorium Bad Homburger Schloss seine Unterstützer zu einem Dankeschön-Empfang geladen. Gekommen waren drei Dutzend Gäste: Ärzte, die Flyer in ihrer Praxis aufgestellt hatten, dass das Kuratorium Sponsoren für das Projekt suchte, und Geschäftsleute, die Spendenboxen auf den Ladentheken platziert hatten. Die waren im Laufe der Monate so prall gefüllt, dass Kuratoriums-Vorsitzender Dieter Jung verkünden konnte: „Wir konnten mit Hilfe der Bürger unser Budget einhalten.“

„Es ist wunderbar, dass die Bürger sich so verantwortlich gezeigt haben, auf dass wir den Turm für die jüngere Generation instandsetzen konnten, die das hoffentlich für die ihr folgende wieder tun wird“, sagte Weber mit Blick vor allem auf die ganz jungen Gäste. Die Homburger Mädchen und Jungen hatten mit Malwettbewerben und Knackfroschaktionen für Unterstützung geworben.

Die Gäste kamen in den Genuss einer sensationellen, vor allem einer denkwürdigen Geschichtsstunde. Weber führte sie selbst durchs Schloss, vielleicht auch, um hier und da einen dezenten Hinweis darauf zu geben, dass das Land Hessen als Eigentümer des Schlosses zwar durchaus Geld für die im Inneren notwendig gewordenen Sanierungen bereitstellt – aber nicht genug.

Weber machte es einem leicht, sich mit dem geschichtsträchtigen Bau zu identifizieren, und so mancher sah aus, als würde er am liebsten gleich in den Geldbeutel greifen. Kein Wunder, plauderte der „Schlossherr“ doch in bester Entertainer-Manier auf solch beschwingte Art über den „Söldner“ Landgraf Friedrich II., der „nun mal dringend Kohle für sein Schloss brauchte“ und sich dazu nicht nur von anderen zum Kämpfen „anheuern ließ“, sondern auch gleich zwei Mal reich heiratete. „Ich darf mal ein bisschen chauvinistisch sein: Jeden Cent, den man heiratet, muss man nicht verdienen – so mag er gedacht haben“, sagte Weber – und sorgte für Lacher.

Aber warum muss das Schloss eigentlich saniert werden? „Reiche Ehefrauen hin oder her, auch da wurde aufs Geld geschaut. Der Architekt bekam von des Landgrafs zweiter Gattin Elizabeth zwar den Auftrag, nach außen hin alles super zu machen und aufzustocken. Aber bitteschön billig! Das bereitet uns jetzt Kopfzerbrechen“, sagte Weber und fügte, an die Gäste gewandt, die sich im Flur vor Elizabeths Schlafzimmer an die Wand lehnten, hinzu: „Die Wände, an die Sie sich lehnen, die sehen zwar aus wie Marmor. Sie tun aber nur so, als wären sie Marmor. Tatsächlich sind sie aus poliertem Gips.“

Die vier Säulen hingegen, die seien tatsächlich aus jeweils über fünf Tonnen schwerem Marmor. „Wahrscheinlich hat Elizabeth sie geschenkt bekommen und deswegen mussten sie irgendwo untergebracht werden.“ Allerdings ohne darauf zu achten, dass sie gegen das obere, von Elizabeth beauftragte Neugeschoss drückten. Die Folge: Risse in der Wand. Und zwar gewaltige. „Und wir müssen’s jetzt richten. Das kostet . . . “

Also, wenn Weber noch ein paar solcher Führungen macht, dann dürfte er das Geld schnell zusammenbekommen – so viel Spaß an Geschichte hat einem lange keiner mehr vermittelt. Und so viel Sinn dafür, wofür es sich zu spenden lohnt, auch nicht.

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