U-Bahn gerät ins Stocken

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Für die geplante Verlängerung der U-Bahnlinie 2 von Gonzenheim an den Bahnhof werden nicht nur hohe Investitionskosten aufgerufen, man rechnet auch mit einem alljährlichen Defizitausgleich. Doch wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld? Darum geht es zurzeit bei Verhandlungen zwischen den Städten Bad Homburg und Frankfurt.

Es ist noch gar nicht lange her, da wurde der vorliegende Planfeststellungsbeschluss für die Verlängerung der U-Bahnlinie 2 von Gonzenheim bis zum Bad Homburger Bahnhof als Meilenstein gefeiert. Mittlerweile jedoch scheint eine Realisierung des Projekts wieder in weite Ferne gerückt. Grund sind komplett unterschiedliche Vorstellungen der Beteiligten – die Stadt Homburg auf der einen, Frankfurt, die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) sowie Traffiq auf der anderen Seite – über die Finanzierung und Unterhalt.

Nach Informationen dieser Zeitung wurde bislang über zwei mögliche Finanzierungsmodelle gesprochen. Plan 1 sieht vor, dass die VGF als Bauherr auftritt. Dieses Modell wird jedoch vonseiten der Stadt Frankfurt abgelehnt, da die städtische Verkehrsgesellschaft nicht in der Lage sei, bestehende Risiken sinnvoll einzugrenzen. Bei Plan 2 würde Bad Homburg die Funktion des Bauherrn übernehmen und wäre für Kostentragung und Risikoübernahme zuständig. Ein Modell, das die Frankfurter Seite bevorzugt.

Doch damit nicht genug: Die Kurstadt könnte die Bauleitung nicht direkt an die VGF als Generalunternehmer vergeben – das sei rechtlich nicht zulässig. Traffiq regt daher an, dass doch Bad Homburg eine Projektgesellschaft gründen könne. Die Kurstadt würde bei dieser Variante vollständig die Kosten für den Bau von Tunnel und Strecke übernehmen, wäre im Gegenzug auch Eigentümer aller „betriebstechnischen Anlagen“. Die VGF würde Kosten des laufenden Betriebs übernehmen. Allerdings läge das Ausfallrisiko – sollten die prognostizierten Fahrgastzahlen nicht eintreten – bei der Stadt.

OB Alexander Hetjes wollte auf Nachfrage der TZ nicht auf einzelne Punkte eingehen, bestätigte aber, dass man in Gesprächen mit Frankfurt sei. Und: „Die Kostenaufteilung – wie sie im Moment auf dem Tisch liegt – ist finanziell für Bad Homburg nicht darstellbar“, sagt der OB. Vor allem lägen bislang noch keine verlässlichen Zahlen für die zu erwartenden Folgekosten vor. Klar sei aber, „dass wir keine defizitäre U-Bahn-Strecke finanzieren können“, so Hetjes weiter. Auf dem Tisch liegen bislang nur die kalkulierten Baukosten, die sich aktuell auf knapp 50 Millionen Euro belaufen. Stand heute wäre die Stadt mit einer Investition von 15 bis 18 Millionen an dem Bau beteiligt.

Aus Frankfurt war es derweil schlechterdings unmöglich, eine Stellungnahme zu erhalten. Der Sprecher von Traffiq verwies auf das Verkehrsdezernat – „Wir sprechen da mit einer Stimme“ –, dort war gestern aber auch keine Auskunft zu erhalten.

Probleme ganz anderer Natur kommen aus Gonzenheim auf die U-Bahn-Verlängerung zu. Wie der bekennende Verlängerungs-Gegner Dr. Wolfgang Lindstaedt unserer Zeitung bestätigte, haben bereits drei Anwohner Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss eingereicht. Und Lindstaedt kann nicht ausschließen, dass noch weitere folgen. Das ist Wasser auf den Mühlen seines Parteifreundes Wolfgang Hof, dessen FDP sich als einzige Partei im Wahlkampf entschieden gegen den Ausbau der U-Bahn ausgesprochen hatte. „Das war absehbar“, sagt nun der Fraktionschef der FDP. Die Debatte gebe aber immerhin Anlass, die Kosten noch mal genau zu berechnen. „Die bislang zugesagten Landeszuschüsse beruhen auf einer ebenerdigen Planung, berücksichtigen keine Untertunnelung“, so Hof. Zudem könne es nicht angehen, dass derjenige, der am meisten von dem Projekt profitieren würde – nämlich Frankfurt – sich von vornherein nicht an den Kosten beteiligen wolle.

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