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Das Gericht bemängelte nach Durchsicht eines Gutachtens die Konzeption der U-Bahn-Anlage in Ober-Eschbach. Die VGF sagt: Die Anlage ist nach den gesetzlichen Vorgaben der Verordnung über den Bau und Betrieb von Straßenbahnen gebaut und seit Jahren ohne Auffälligkeiten in Betrieb.

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Nach Unglück: VGF wehrt sich gegen gerichtliche Aussage über "falsche Konzeption"

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Ein U-Bahn-Fahrer hatte im Mai 2017 ein Haltesignal an der Haltestelle in Ober-Eschbach übersehen. Bei dem Zusammenstoß mit einem Auto starb eine 54 Jahre alte Frau. Das Verfahren gegen den U-Bahn-Fahrer wurde im Dezember vergangenen Jahres wegen geringer Schuld eingestellt. Aber die Richterin bemängelte mit Blick auf verschiedene Gutachten auch eine falsche Konzeption der Anlage an dieser Stelle. Stimmt nicht, sagt jetzt die VGF.

Ober-Eschbach - Ist der Bahnübergang in Ober-Eschbach sicher oder nicht? Diese Frage stellen sich seit dem tragischen Tod einer 54 Jahre alten Frau, die im Mai 2017 von einer U-Bahn tödlich erfasst worden war, so manche Bürger. Im Dezember vergangenen Jahres stand deswegen der U-Bahn-Fahrer vor Gericht. Fahrlässige Tötung lautete die Anklage. Denn der Fahrer hatte damals ein Haltesignal übersehen. Die Bahn der Linie U 2 prallte gegen den Wagen der Frau, die gerade über die Gleise fuhr. Die Bahnschranken waren geöffnet und die Ampel ausgeschaltet. Die Fahrerin starb noch an der Unfallstelle.

Nach den Ausführungen eines Gutachters bei Gericht wäre das Unglück aber auch nicht zu vermeiden gewesen, wenn der Fahrer das Signal erkannt und gebremst hätte. Der Mann hatte darauf vertraut, dass, wie eigentlich üblich, die Schranken an dem Bahnübergang geschlossen waren und die Ampel für die Autofahrer auf Rot stand. Warum dies nicht geschehen war, konnte bei der Verhandlung aber nicht geklärt werden.

Das Verfahren gegen den Lokführer wurde eingestellt, der Mann muss 300 Euro an die gemeinnützige Einrichtung der Clown-Doktoren bezahlen. Womit das Verfahren zwar strafrechtlich beendet ist, aber zivilrechtlich ist die Sache durchaus noch offen. Die Anwältin des Witwers und seiner Familie, Katja Eva Spies von Spies Rechtsanwälte in Frankfurt, hatte im Dezember durchblicken lassen, dass sie sich zwar einen Vergleich für ihren Mandanten wünsche, weil er „genug durchgemacht hat“, wie sie damals sagte, dass aber eine zivilrechtliche Klage im Bereich des Möglichen liege.

Nicht zuletzt, weil das Gericht nämlich auch einen „Fehler im System der Verkehrsgesellschaft“ sah, weil das an der Bahnstrecke installierte Warnsignal den Lokführer auch bei eingehaltener Geschwindigkeit vor das Problem stelle, den Zug in Notsituationen nicht rechtzeitig anhalten zu können. Der Unfall sei nicht nur auf ein einfaches Versagen der Technik zurückzuführen, sondern auf eine grundsätzlich falsche Konzeption der Signalanlage und der Geschwindigkeitsregelung, sagte die Richterin damals und dass es der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) obliege, dies zu verändern, um künftig Unfälle dieser Art zu vermeiden. Diese Aussage ließ sie auch ins Protokoll aufnehmen.

„Ohne Auffälligkeiten“

Dr. Wolfgang Lindstaedt, für die FDP im Gonzenheimer Ortsbeirat und schon seit Jahren darum bemüht, dass „endlich die Lärmschutztechniken, die auf dem Markt verfügbar sind, auf der U-Bahn-Strecke eingesetzt werden“, hatte diesen Passus nun ganz genau gelesen und die VGF schriftlich angefragt, auf welche Weise sie die „Fehlkonstruktion“ an der Unfallkreuzung in der Kalbacher Straße geändert hat oder zu ändern gedenke.

Auch diese Zeitung ist dieser Frage nachgegangen und hat bei der VGF nachgehakt. „Wir bedauern den Unfall am Bahnübergang in Ober-Eschbach sehr und haben anschließend alle notwendigen Schritte unternommen, um die Anlage und ihre Funktion zu überprüfen“, erklärte der Leiter Unternehmenskommunikation der VGF, Bernd Conrads, schriftlich auf die Zeitungsanfrage.

Bei dem Bahnübergang handele es sich – wie bei allen Überwegen im Netz der VGF – um eine Anlage, die nach den gesetzlichen Vorgaben der für die VGF gültigen Verordnung über den Bau und Betrieb von Straßenbahnen (BOStrab) gebaut wurde. Sie sei schon seit Jahren in Betrieb und dabei ohne Auffälligkeiten gewesen. Nach dem tragischen Unfall im Mai vergangenen Jahres habe man die Anlage noch am selben Tag gemeinsam mit der zuständigen technischen Aufsichtsbehörde, der Technischen Aufsichtsbehörde des Regierungspräsidiums Darmstadt (TAB), überprüft. Ergebnis: „Sie entspricht dem Regelwerk, ist voll funktionsfähig und es gab seitens der Aufsichtsbehörde keine Beanstandungen oder Anmerkungen“, betont Conrads.

Mehrfach überprüft

Da der Überweg nach Prüfung der TAB als ordnungsgemäß und sicher eingestuft worden sei, „gab und gibt es – anders als es die Berichterstattung über das Urteil des Amtsgerichts vermuten lässt – keine Veranlassung, hier Veränderungen vorzunehmen“, betont Conrads und fügt hinzu: „Eine nochmalige Überprüfung im Januar diesen Jahres ergab das gleiche Ergebnis.“

Auf den Verlauf und das Ergebnis des Prozesses vor dem Amtsgericht Bad Homburg könne man konkret leider nicht eingehen, da weder die VGF noch die TAB im Laufe der Untersuchungen befragt worden seien. Conrads: „Auch die in dem Verfahren herangezogenen Gutachten sind uns leider nicht bekannt, ebenso wenig die Frage, in wie weit diese Gutachten das für uns gültige Regelwerke, besagte BOStrab, einbezogen und berücksichtigt haben.“ Denn: „Akteneinsicht ist uns bislang trotz eines entsprechenden Antrags nicht gewährt worden“, betont der VGF-Sprecher.

Lindstaedt wiederum findet diese Argumentation doch „ein bisschen dünn“. Das seien Gerichtsgutachten, die „müssten doch eigentlich einsehbar sein“.

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