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Über 60 Millionen Euro für Neubau: Kläranlage wird Mammutprojekt

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Von: Harald Konopatzki

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Aus Richtung Eschbach gesehen erinnert die Kläranlage an ein Mittelding zwischen mittelalterlicher Trutzburg und Kulisse für einen Steampunk-Film. In den kommenden Jahren soll die Anlage komplett erneuert werden.
Aus Richtung Eschbach gesehen erinnert die Kläranlage an ein Mittelding zwischen mittelalterlicher Trutzburg und Kulisse für einen Steampunk-Film. In den kommenden Jahren soll die Anlage komplett erneuert werden. © hko

Im ersten Schritt wird das Belebungsbecken gebaut. Bis 2027 müssen alle Maßnahmen abgeschlossen sein - sonst drohen fatale Folgen.

Bad Homburg - Die Kläranlage Ober-Eschbach gehört eigentlich nicht zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt, auch wenn ihr Turm samt großem Homburger Wappen vom Ostring aus gut zu sehen ist. Sie ist wichtig, ja unverzichtbar. Aber Champagnerluft geht nun einmal nicht von ihr aus . . .

In den kommenden Jahren wird die Anlage erneuert und vergrößert - und das am bestehenden, räumlich begrenzten Standort. Das wird logistisch wie finanziell ein Mammutprojekt. Mit exakt 60 031 204 Euro beziffert die Verwaltung das Projekt "Neubau Kläranlage" im aktuellen Investitionsprogramm, für dieses Jahr stehen 3,7 Millionen Euro im Haushalt, für kommendes Jahr werden 4,2 für 2024 5,0 Millionen Bedarf erwartet.

Vorbereitungen laufen: Kläranlage in Bad Homburg steht in den Startlöchern

Die Vorarbeiten sind längst angelaufen, das Gelände zwischen Autobahn, bestehender Anlage und "Am Sauereck" ist - bis auf das Gelände des Wertstoffhofs - geräumt und gerodet. Auf einem großen Teil der Freifläche soll das "Belebungsbecken" entstehen. Was sich eher nach einem Wellnessbereich einer Therme anhört, ist der Fachausdruck für die erste Klärstufe, in der Bakterien und Kleinstlebewesen Stoffe wie Kohlenstoff, Stickstoff und Phosphor aus dem Abwasser ziehen, das vorher "mechanisch gereinigt", also von großen Feststoffen befreit, wurde.

Die Stadt hat jetzt die Errichtung der Baugrube für das Belebungsbecken ausgeschrieben - dafür sind 23 500 Kubikmeter Erde zu beseitigen, so dass eine 57 mal 48 Meter große und 8 Meter tiefe Grube entsteht, die mit 3000 Quadratmetern Bohrpfahl-, beziehungsweise Spundwand stabilisiert werden soll.

Auf der gerodeten Fläche nördlich der bestehenden Anlage soll die Baugrube für das Belebungsbecken ausgehoben werden.
Auf der gerodeten Fläche nördlich der bestehenden Anlage soll die Baugrube für das Belebungsbecken ausgehoben werden. © hko

Bad Homburg: Wertstoffhof Teil des Baufelds

Laut Rahmenterminplan soll die Baustelle vom 21. November an eingerichtet werden. Nach Vorarbeiten sollen die Bohrarbeiten für die Pfähle der Stützwand am 21. Dezember beginnen. Die eigentliche Baugrube wird dann von Ende März bis Anfang Juni ausgehoben, wobei der Erdaushub dort bis zum endgültigen Abtransport zwischengelagert werden soll, wo bislang der Betriebshof seine Fläche hatte.

Mit den jetzt ausgeschriebenen Arbeiten ist auch klar, dass ein weiteres Thema konkret wird. Stichwort: Schließung des Wertstoffhofs. Das war bei der jüngsten Bürgerversammlung zum Thema bereits auf den 1. November terminiert worden.

Bad Homburg: Wertstoffhof bis 1. November geräumt

Allerdings hatte es in der Vergangenheit immer wieder Verschiebungen gegeben - der Wertstoffhof sollte bereits zum Frühjahr 2021 geschlossen werden. Geht da noch was? Nein, betont Stadtsprecher Marc Kolbe und ergänzt: "Bis 1. November soll das Gelände geräumt sein, der Betrieb des Wertstoffhofs wird also schon etwas früher eingestellt."

In der Ausschreibung für den ersten Abschnitt der Kläranlage heißt es denn auch folgerichtig: "Die Hauptzufahrt zur Baustelle erfolgt von der Zufahrtstraße Am Sauereck über das Tor zum ehemaligen Wertstoffhofgelände."

Dabei wird das Wertstoffhof-Gelände von der eigentlichen Baugrube nicht tangiert. Diese erstreckt sich vornehmlich auf dem Areal des ehemaligen Übungsplatzes der Jugendfeuerwehr. Allerdings ist der Standort der Container als Teil des vorgesehenen Baufelds ausgewiesen.

Bad Homburg: Verzug könnte fatale Folgen haben

Die Vorgaben, die die Stadt im Rahmen dieser Ausschreibung macht, sind noch etwas vage. So gibt es keinen expliziten Plan zur Verkehrsführung und Beschilderung. Unklar ist freilich, ob die Ausschreibung angesichts der Lage auf dem Bau-Sektor erfolgreich ist. Unternehmen haben bis Ende August Zeit, entsprechende Angebote einzureichen.

Die Zeit für das Projekt insgesamt drängt. War 2017 noch eine Modernisierung der bestehenden Anlage ins Auge gefasst worden, hatte die Stadt schon im Juli 2021, als die Planungen für den Neubau angepasst werden mussten, zur Begründung von Änderungen im laufenden Prozess deutliche Worte gefunden: "Bei ungehindertem Fortgang der Planungsleistungen kann der Bau Anfang 2022 ausgeschrieben und die neue Anlage am Ende des Bewirtschaftungszykluses 2027 in Betrieb genommen werden. Die Einhaltung dieses Zeitplanes ist zwingend notwendig. Sollten die Vorgaben der WRRL nicht (fristgerecht) eingehalten werden können, drohen eine Nutzungsuntersagung und mithin ein Ausfall der Abwasserbeseitigung im Stadtgebiet sowie ein Versorgungsnotsand." In diesem Falle wäre "nicht allein die Abwasserversorgung im Stadtgebiet, sondern auch die Gesundheit der Bevölkerung gefährdet".

Die Kläranlage reinigt nach Angaben der Stadt das im Einzugsbereich anfallende Schmutz- und Regenwasser - täglich bis zu 62 400 Kubikmeter. (Harald Konopatzki)

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