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Die Fensterfront der Commerzbank-Filiale auf der Louisenstraße liegt in Trümmern, im Hintergrund sieht man die demolierten Geldautomaten. Unbekannte Täter haben am frühen Freitagmorgen zwei Automaten mittels eines Gasgemischs in die Luft gesprengt.

200.000 Euro Sachschaden

Unbekannte Täter sprengen in der Commerzbank zwei Geldautomaten

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Der Spuk dauerte keine zehn Minuten, da waren die Täter auch schon wieder weg. Zuvor hatten sie mit einem Gasgemisch zwei Geldautomaten gesprengt. Die Höhe ihrer Beute ist noch nicht bekannt.

Freitagvormittag, Bad Homburg Innenstadt. Es ist Markttag, in der Fußgängerzone gibt es nur ein Thema: Die Sprengung zweier Geldautomaten in der Commerzbank. „Hammer“, raunt ein Passant, der am völlig verwüsteten Vorraum des Kreditinstituts vorbeiläuft. Immer wieder bleiben Passanten stehen, versuchen, einen Blick auf die zerfetzten Geldautomaten zu erhaschen. Der Rahmen der Eingangstür ist schwarz von dem Pulver, mit dem die Polizei Fingerabdrücke sichert. Und während ein Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma dafür sorgt, dass sich niemand der mit Flatterband abgesperrten Bankfiliale nähert, nimmt ein Glaser Maß an einer Fensterscheibe, deren Splitter auf der Fußgängerzone liegen.

Am frühen Freitag haben die Täter zugeschlagen. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei sind um 3.48 Uhr mindestens drei unbekannte Männer in den Vorraum der Bank eingedrungen, haben ein Gasgemisch in zwei von drei Geldautomaten geleitet und beide gleichzeitig zur Explosion gebracht. Anschließend schnappten sich die Unbekannten mehrere Geldkassetten und rannten zu zwei dunklen Fahrzeugen, mit denen sie verschwanden.

Als wenig später Polizei und Feuerwehr – die Explosion hatte die Brandmeldeanlage ausgelöst – am Tatort eintrafen, stießen auf nichts als Dunst und Trümmer. Dennoch rückten die Feuerwehrleute nur in Polizeibegleitung in den Vorraum ein – für den Fall, dass ein verletzter Täter zurückgelassen wurde. Doch der Raum war menschenleer, dafür war der Fußboden mit 10- und 20-Euro-Scheinen übersät. Sofort eingeleitete Fahndungsmaßnahmen der Polizei verliefen ergebnislos.

Während der durch die Explosion entstandene Sachschaden auf rund 200 000 Euro geschätzt wird, liegen zur Höhe der Beute noch keine Erkenntnisse vor. Auch die Frage, ob die Automaten mittels Farbpatrone oder Vernebelung gesichert waren, blieb ebenso unbeantwortet wie die Frage nach Videoaufzeichnungen. „Wir können dazu derzeit keine näheren Angaben machen“, so Commerzbank-Sprecher Thomas Schwarz. Klar ist nur, dass es an der Bankfiliale auf der Louisenstraße keinen lauten, sondern nur einen stillen Alarm gibt. Zudem wird die Tür zum Vorraum, in dem neben den insgesamt drei Geldautomaten auch noch vier Kontoauszugsdrucker stehen, zwischen 23 und 5 Uhr verriegelt.

Während ein Anwohner, dessen Schlafzimmerfenster zur anderen Seite liegt, von dem ganzen Schrecken nichts mitbekommen hat, hat es einen anderen Anlieger förmlich aus dem Bett gerissen. „Ich habe einen sehr lauten Knall gehört“, sagt er. Eine Frau, die im selben Haus wohnt, hat die Täter durch ein Fenster beobachtet. „Ich habe drei bis vier Männer gesehen, die waren alle in Schwarz gekleidet. Die kamen aus der Bank gelaufen und hatten einen großen schwarzen Sack in der Hand.“ Vermutlich die Beute. Außerdem hat die Zeugin ein dunkles Auto beobachtet, mit dem die Täter flüchteten. „Ich wollte noch schnell ein Foto machen, aber mein Mann hat gemeint, ich soll vom Fenster wegkommen, sonst passiert mir noch was.“ Und ja, sie habe tatsächlich ganz schön Angst gehabt. „Wie bei einem Krimi im Fernsehen“ hat ihr Nachbarn die nächtlichen Turbulenzen empfunden.

Am morgen nach der Tat wies ein Schild Kunden darauf hin, dass der Schalterraum der Filiale am Freitag geschlossen bleibt, anberaumte Kundengespräche hingegen fanden in den oberen Geschossen statt. „Wir hoffen, dass der Schalterbetrieb am Montag wieder aufgenommen werden kann“, so Schwarz weiter. Die Inbetriebnahme der Automaten könne hingegen noch etwas länger dauern. Commerzbank-Kunden könnten zwischenzeitlich die Geldautomaten der Deutschen Bank, der Postbank oder der Hypo-Vereinsbank gebührenfrei nutzen, mit denen die Commerzbank die Cash-Group bildet.

Was eine Einschätzung angeht, ob es sich bei den Tätern um Profis handelt, hält sich Polizeisprecher Volker Hamann zurück: „Sie wussten zumindest wie es geht.“ Nicht selten würden Täter die Automaten sprengen, aber nicht ans Geld kommen. Zunächst mal werden Zeugen oder Hinweisgeber werden gebeten, sich beim Diebstahlskommissariat der Kriminalpolizei unter Telefon (0 61 72) 1 20–0 zu melden.

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