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Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand.

Prozess

Unglaublich: Mit 3,2 Promille am Steuer

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Ohne Führerschein mit einem geliehenen Auto einen Unfall gebaut, dazu noch alkoholisiert – der 50-Jährige hatte sich wirklich einiges geleistet. Dass er trotzdem noch auf freiem Fuß ist, verdankt er einem Versäumnis der Behörde.

Viele mehr falsch machen, als dass, was sich der 50-Jährige am 11. Mai geleistet hat, ist eigentlich unmöglich. Zunächst einmal lieh er sich ein Auto, obwohl er überhaupt keinen Führerschein hatte. Dann sprach er gewaltig dem Alkohol zu, und dann fuhr er in diesem Zustand auch noch los. Aber nicht lange. Denn gegen 19.40 Uhr war die Fahrt im Gluckensteinweg abrupt zu Ende, als er schlangenlinienfahrend auf einen vor ihm haltenden Wagen knallte.

Der Aufprall war heftig. Es habe einen explosionsartigen Knall gegeben, berichteten mehrere Zeugen der Polizei. Bei dem Unfall hatte es zudem einen Domino-Effekt gegeben. Denn durch die Wucht des Aufpralls wurde der Vordermann noch auf ein drittes Auto geschoben. Allein der Schaden an den beiden Fahrzeugen, die unverschuldet in Mitleidenschaft gezogen worden waren, belief sich auf 18 000 Euro.

Damit aber noch nicht genug: denn der 50-Jährige versuchte sich nach dem UNfall aus dem Staub zu machen. Zunächst mit dem Auto, das aber nach wenigen Meter den Dienst versagte, dann zu Fuß. Denn ein anderer Mann konnte ihn stellen und auf dem Boden fixieren, bis die Polizei am Unfallort eintraf. Bei dem Unfall hatte eine Frau, die im angefahrenen Wagen saß, Prellungen an Kopf und Hals sowie einen Bandscheibenvorfall erlitten. Sie musste stationär im Krankenhaus behandelt werden.

Der zur Tatzeit in einem Köpperner Hotel wohnende Verursacher wurde – da er keinen festen Wohnsitz hatte – dem Haftrichter vorgeführt. Dieser erließ Haftbefehl wegen „Gefährdung des Straßenverkehrs, (Trunkenheit am Steuer) Verkehrsunfallflucht, Fahren ohne Fahrerlaubnis und fahrlässige Körperverletzung)“. Dennoch ging der Mann nicht in Haft, da der Haftbefehl mit Meldeauflagen außer Vollzug gesetzt wurde. Dafür sollte er immer mittwochs bei der Polizei erscheinen.

Doch das interessierte den 50-Jährigen wenig. Die Polizei bekam den Mann nie zu Gesicht – zumal auch die Strafverfolgungsbehörde es versäumt hatte, die Aussetzung der Haftverschonung zu veranlassen.

Der Mann blieb auf freiem Fuß. Doch wo genau, wusste niemand. Er könne sich nach Kroatien abgesetzt haben, war nun die Vermutung beim Amtsgericht, wo der Fall verhandelt wurde. Richter Martin Gierke hatte aber wohl schon geahnt, das der Angeklagte nicht erscheinen würde. Eigentlich habe er 15 Zeugen zur Verhandlung vorladen können, sagte er, er habe darauf aber verzichtet.

In solchen Fällen hat der Richter die Möglichkeit, einen Strafbefehl zu erlassen, vorausgesetzt, das Strafmaß liegt nicht über einem Jahr Freiheitsstrafe. Gegen den Angeklagten wurde ein Strafbefehl von 180 Tagessätzen erlassen, die mit einer Höhe von 10 Euro pro Tag angesetzt wurde, also eine Geldstrafe von 1800 Euro.

Außerdem wurde ihm eine Fahrsperre von 15 Monaten auferlegt. Ob und wie der 50-Jährige von diesem Urteil erfährt, ist ungewiss. Dass er aber wegen seines Vergehens gerichtlich zur Rechenschaft gezogen wird, dürfte ihm aber bekannt sein.

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