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Uni könnte Zählung in Fußgängerzone übernehmen

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Von: Harald Konopatzki

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Im Fokus: Verkehr in der Louisenstraße
Im Fokus: Verkehr in der Louisenstraße © nn

Hohe Kosten stehen Erhebung durch Fachfirma im Weg. Jetzt soll eine Alternative geprüft werden-

Regelmäßig gibt es Klagen über die Fußgängerzone: Zu viel Durchgangs-, und Lieferverkehr, der sich nicht an die Zeiten hält, viele Radfahrer, die auch - und ob Rollerfahrer legal oder illegal rollern, wird regelmäßig neu diskutiert.

So hatte sich nicht nur die BLB Klarheit gewünscht, die mit einem Antrag im Oktober 2021 eine Mehrheit der Stadtverordneten hinter sich vereinen konnte. So sollten an zwei Tagen sämtliche Verkehrsbewegungen in der Louisenstraße beobachtet und ausgewertet werden. Also Lkw- und Lieferverkehr ebenso wie durchfahrende Autos (auch vor dem Kurhaus), wobei eventuelle Durchfahrtsgenehmigungen zu prüfen seien, außerdem Fahrrad- und Rollerfahrten. So wurde es zwar beschlossen, die Umsetzung jedoch lässt auf sich warten. Denn der Fachbereich Öffentliche Ordnung kontrolliert zwar in der Fußgängerzone, nimmt aber keine Verkehrszählungen vor.

Firma kostet bis zu 20 000 Euro pro Tag

„Verkehrserhebungen entsprechend den in dem Beschluss geforderten Ausmaß können nur von dem Fachbereich Stadtplanung in Auftrag gegeben werden“, informierte die Verwaltung nun. Um alle Verkehrsarten erfassen zu können und um festzustellen, ob es sich um Durchgangs- oder Ziel- und Quellverkehr handelt, seien mindestens fünf Zählstellen erforderlich, die zwischen 6 und 20 Uhr abzudecken wären. Die Stadtplanung habe auch eine Kostenschätzung eingeholt. Und die hat es in sich: Das befragte Büro geht von Kosten zwischen 15 000 und 20 000 Euro aus - pro Untersuchungstag. „Sollte das Parlament die Verkehrszählung angesichts der nicht unerheblichen Kosten wünschen, müsste die Stadtplanung für eine Vergabe Vergleichsangebote einholen“, hieß es nun in der Vorlage, die das Thema zurück in die Gremien gibt. Verbunden mit zwei Vorschlägen. A: Angesichts der mit der Verkehrserhebung verbundenen hohen Kosten wird auf die Zählung verzichtet. Oder B: Die Verkehrserhebung wird durchgeführt und entsprechende Mittel werden eingestellt. Armin Johnert (BLB) warb für sein Anliegen, auch wenn er die Kosten angesichts der schwierigen Finanzlage als zu hoch ansah: Nach dem Motto: „Wer ,A‘ sagen will, sollte ,C‘ sagen“, brachte er in Richtung Koalition eine dritte Option auf den Tisch: Die Zählung könnte von der Stadt in Eigenregie unter Einbeziehung von Ehrenamtlichen durchgeführt werden. „Interessierte Helfer gibt es, etwa Mitglieder des ADFC oder engagierte Privatpersonen“, zeigte sich Johnert sicher.

Es braucht belastbare Zahlen

Denn, so betonte er, durch eine solche Untersuchung könnten sich neue Möglichkeiten eröffnen, die vielleicht irgendwann sogar in einen Verkehrsversuch münden könnten. Um „diesen gordischen Knoten zu zerschlagen“ bräuchte es belastbare Zahlen als Basis.

Von der Koalition gab es zurückhaltende, aber nicht gänzlich ablehnende Reaktionen. Jürgen Stamm (SPD) gab zu bedenken, dass man, wenn das Großprojekt Kurhaus umgesetzt werde, ohnehin Zahlen zum Verkehr brauchen werde. „Selbst wenn wir jetzt ,A‘ sagen und die Zählung ablehnen, werden wir es irgendwann brauchen“, versuchte er einen ersten Brückenschlag in Richtung Vertagung. Und Stamm erklärte, dass bei einer Zählung beziehungsweise Befragung ohnehin Polizei und Ordnungsamt einbezogen seien. „Nur die dürfen den Verkehr anhalten - wer die Befragung macht, steht wieder auf einem anderen Papier - das haben vor den Schulen auch schon mal Kinder gemacht“, erinnerte sich der ehemalige Polizist.

Dr. Roland Mittmann (CDU) fragte sich, ob die Verwaltung Kapazitäten hätte, eine solche Befragung auf die Beine zu stellen. „Da ist viel zu organisieren, ich bin skeptisch.“ Auch sei fraglich, was man mit den erhobenen Daten anfangen wolle. „Die Lösungen müssen wir uns überlegen - und da bräuchten wir eine Firma, die uns die Zahlen als Grundlage interpretiert.“ Als dem auch Dr. Thomas Kreuder (SPD) beipflichtete, schien das Thema schon beerdigt.

Denn Freiwillige könnten, so sagte er, eine solche Befragung und Auswertung nicht auf dem Niveau leisten, für das eine Fachfirma viel Geld verlange. „Und ich will später keine Entscheidung treffen, die aufgrund der angewandten Methode in Zweifel gezogen werden könnte“, begründete er seine Bedenken. Ja, man brauche die Zahlen irgendwann, aber nicht unbedingt jetzt. „Lassen Sie uns in ein bis zwei Jahren nochmals darüber reden“, schlug er vor. Dann könnte die finanzielle Situation wieder besser sein.

Eine mögliche Lösung brachte Frauke Thiel (Grüne) ein: „Die Verkehrsuntersuchung der Fußgängerzone wäre ein perfektes Thema für eine Master-Arbeit an der Uni“, schlug sie vor. Sicher wäre es zu viel für einen Absolventen, „aber es gibt auch die Möglichkeit, das im Team zu machen.“ Und just die Fachhochschule Frankfurt, die heutige „Frankfurt University of Applied Sciences“, habe einen entsprechenden Master-Studiengang Mobilität, in dem genau solche Fragestellungen behandelt würden. „Eine Win-Win-Situation.“

Elektropoller werden erneuert

Peter Braun (PfB) schilderte ebenfalls seine Erfahrungen. „Ich bekomme das als Marktbeschicker an drei Tagen in der Woche mit und bin selbst manchmal erstaunt, wer da alles fährt.“ Da gäbe es sicher bessere Lösungen. Wobei es die ja grundsätzlich schon gäbe, wie Mittmann betonte: „Es gibt zum Beispiel einen Beschluss, dass die Elektropoller erneuert werden. Und auch zum Radfahren in der Fußgängerzone haben wir eine Meinung“, verwies er auf die geltenden Regelungen und die Fahrradzone in der Dorotheenstraße. Ob man die Zahlen wirklich brauche, sei diskutabel, „aber es widerspricht dem Uni-Ansatz nicht“, bilanzierte Mittmann. Auch Johnert, der noch einmal auf den „spürbaren Druck und die Unzufriedenheit“ verwies, konnte sich damit anfreunden.

So einigte sich der Ausschuss auf Variante „D“: Die Entscheidung über eine Verkehrszählung beziehungsweise -befragung wird vertagt. Die Stadt soll prüfen, ob das von Thiel vorgeschlagene Vorgehen möglich ist und Kontakt mit der Uni aufnehmen, ob dort Interesse bestehe. Liegt das Ergebnis vor, soll das Thema in einer der nächsten Sitzungen des Mobilitätsausschusses erneut aufgerufen werden.

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