Julia und Christian Hess leiten gemeinsam mit ihrer Mutter Gordana die Geschicke von Livipur. Für das Spielzeug, das sie verkaufen, können sie sich immer noch begeistern.
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Julia und Christian Hess leiten gemeinsam mit ihrer Mutter Gordana die Geschicke von Livipur. Für das Spielzeug, das sie verkaufen, können sie sich immer noch begeistern.

20. Geburtstag

Das Unternehmen Livipur - Pioniere des Bio-Spielzeuges

  • vonMonika Melzer-Hadji
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„Kinder wie die Zeit vergeht“, will man rufen, wenn das Bad Homburger Unternehmen Livipur in diesem Jahr seinen 20. Geburtstag feiert. Die Geschichte ökologisch gesunder und fair gehandelter Kinderprodukte reicht indes noch viel weiter zurück, nämlich ins Jahr 1976.

Das große Fest ist schon ein paar Wochen her. Stolz erzählen Julia und Christian Hess, wer alles an den Hessenring gekommen ist, um den 20. Geburtstag des Spezialgeschäfts für Spielzeug, Möbel und Textilien für kleine Menschen mit ihnen zu feiern. Die Geschwister und ihre Mutter Gordana bilden heute die Geschäftsleitung von Livipur, das eine lange Vorgeschichte hat: Heinz Hess und seine erste Frau Dorothea suchten 1976 für ihren Erstgeborenen vergeblich nach chemisch unbehandelter Kleidung.

„Unser ältester Bruder wurde in die Plastikwelle der 70er Jahre hineingeboren. Unser Vater wollte ihm das nicht antun und hat nach natürlichen Materialien für Kleidung und Spielzeug gesucht“, erzählt Julia Hess. Der anthroposophisch geprägte Betriebswirtschaftler machte sich auf die Suche, entdeckte beispielsweise in Peru naturbelassene Baumwolle und in der Rhön die Wolle der Rhönschafe. Daraus entwickelten sich „dorothea hess – Versand naturgemäßer Waren“ und bald ein kleines Lädchen in der Wallstraße.

Den Begriff „Bio“, wie er heute ist, gab es noch nicht, doch die Nachfrage nach natürlichen, giftfreien Produkten stieg stetig, und 1986 zog man in den Hessenring, von wo aus der Versandhandel und der Einzelhandel ausgebaut wurden. Die Geschäfte liefen so gut, dass der Versandhandel 1992 nach Butzbach ausgelagert wurde, am Hessenring blieb das Ladengeschäft, das die Familie führte. 1998 übernahm Hess zudem das Versandhaus „Kunst und Spiel“ – fortan wurde unter dem Namen „Purpur“ auch anthroposophisches Spielzeug angeboten, jene Firma, die heute als „Livipur“ firmiert. „Der Gedanke war, Kindern hochwertiges, naturbelassenes und langlebiges Spielzeug anzubieten, das ihre Fantasie und die Sinne anregt, womit nicht nur nachgespielt werden soll. Die Kinder sollen ein Körpergefühl entwickeln und fürs Leben lernen, ohne dass es sich wie lernen anfühlt“, so Christian, der mit 29 Jahren jüngste Sohn von Heinz Hess, der wie seine Geschwister eine Waldorfschule besucht hat.

2001 wurde die Kleidungssparte HessNatur, das längst auch ein Sortiment für Erwachsene anbot, an den Neckermann-Konzern verkauft. Das Familienunternehmen konzentriert sich seither wieder auf Kindersachen, wobei der Schwerpunkt bei Spielzeug und Möbeln liegt, „Textilien machen nur einen ganz kleinen Bereich unseres Sortiments aus“, so Julia Hess. Sie zeigt die zwei Meter langen bunten Filzschnüre, die exklusiv für Livipur produziert werden und mit denen Kinder unendlich viel anzufangen wissen. Auch die kleinen Jahreszeiten-Figuren aus Filz, von denen es inzwischen viele Hundert verschiedene Exemplare gibt, werden in Handarbeit nur für Livipur hergestellt. Das Sortiment bietet aber auch Spielzeug-Klassiker wie die Brio-Eisenbahn, Käthe Kruse-Puppen und Ostheimer Holzfiguren.

Als Heinz Hess 2006 plötzlich verstarb, führte seine zweite Frau Gordana Hess das Unternehmen weiter. Zwischenzeitlich stand man aber vor der Entscheidung, ob der Familienbetrieb bestehen bleiben soll und kann. Die Entscheidung fiel zugunsten der Firma, und seit 2014 sind die jüngsten der fünf Kinder des Firmengründers, Julia und Christian, mit an Bord.

Während die Betriebswirtschaftlerin für Marketing und Einkauf verantwortlich zeichnet, kümmert sich der Bürokaufmann um die Logistik und den Internet-Handel. Zusammen bauten sie das Segment der Kindermöbel weiter aus. Sämtliche „maximal durchdachten, wandelbaren und lutschfesten“ Möbel werden aus Bio-Erlen-Massivholz exklusiv für Livipur hergestellt. „Natürlich sind die Möbel relativ teuer, aber sie haben besondere Qualität und einen Mehrwert“, erläutert Julia Hess die Firmenphilosophie.

Dass Livipur heute wieder gut aufgestellt ist, stolz und groß seinen 20. Geburtstag feiern kann, ist der Verdienst einer engen Familienbande, die an ihren Grundsätzen festhält. Bis heute agieren sie nach den Prinzipien von Heinz Hess, der einst gesagt hat: „Die Welt der Zukunft besteht aus den Erfahrungen unserer Kinder.“

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