Bad Homburg - Diese Woche wurde vor der Fresenius-Zentrale der große Weihnachtsbaum aufgestellt. Manche Dinge ändern sich halt nie - andere aber schon. Denn wenn man von der Pappelallee aus in die bodentiefen Fenster des EK3, des neuesten Gebäudes auf dem Campus des Pharmakonzerns, schaut, sieht man kaum Menschen in den Büros. Nur rund 30 Prozent der rund 4500 Mitarbeitenden am Standort Bad Homburg waren zuletzt regelmäßig im Büro anwesend - der Rest sitzt nach wie vor im Homeoffice. Gestern kam wegen der stetig steigenden Zahlen von der Geschäftsleitung die Anweisung, dass in jeder Abteilung nur noch höchstens ein Viertel anwesend sein darf.
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Bad Homburg - Diese Woche wurde vor der Fresenius-Zentrale der große Weihnachtsbaum aufgestellt. Manche Dinge ändern sich halt nie - andere aber schon. Denn wenn man von der Pappelallee aus in die bodentiefen Fenster des EK3, des neuesten Gebäudes auf dem Campus des Pharmakonzerns, schaut, sieht man kaum Menschen in den Büros. Nur rund 30 Prozent der rund 4500 Mitarbeitenden am Standort Bad Homburg waren zuletzt regelmäßig im Büro anwesend - der Rest sitzt nach wie vor im Homeoffice. Gestern kam wegen der stetig steigenden Zahlen von der Geschäftsleitung die Anweisung, dass in jeder Abteilung nur noch höchstens ein Viertel anwesend sein darf.

Coronavirus in Bad Homburg

Unternehmen setzen wieder mehr auf Homeoffice

Mitarbeiter sollen Büro meiden - Bei Fresenius ist das mobile Arbeiten auch Modell der Zukunft

Bad Homburg -Diese Woche wurde vor der Fresenius-Zentrale der große Weihnachtsbaum aufgestellt. Manche Dinge ändern sich halt nie - andere aber schon. Denn wenn man von der Pappelallee aus in die bodentiefen Fenster des EK3, des neuesten Gebäudes auf dem Campus des Pharmakonzerns, schaut, sieht man kaum Menschen in den Büros. Nur rund 30 Prozent der rund 4500 Mitarbeitenden am Standort Bad Homburg waren zuletzt regelmäßig im Büro anwesend - der Rest sitzt nach wie vor im Homeoffice. Gestern kam wegen der stetig steigenden Zahlen von der Geschäftsleitung die Anweisung, dass in jeder Abteilung nur noch höchstens ein Viertel anwesend sein darf.

In der Konzernzentrale des größten Arbeitgebers der Stadt befinden sich vor allem Arbeitsplätze in der Verwaltung. Und so ist für Fresenius das "mobile Arbeiten" auch ein Modell der Zukunft. "Wir haben damit in den ersten Monaten der Pandemie gute Erfahrungen gemacht", erklärt Konzernsprecherin Vera Szmoniewski. Auch für die Zeit, in der Corona hoffentlich einmal vorbei sein sollte, werde derzeit die Technik ausgebaut. "Wir rüsten die Besprechungsräume nach, so dass hybride Meetings - einige Teilnehmer sind online dabei - unter besseren Bedingungen gemacht werden können."

Soeben wurde im größten Konferenzraum, in dem auch die Bilanz-Pressekonferenzen stattfinden, der Beamer durch eine neue LED-Technik ersetzt. "Wir haben hier sieben Kilometer Kabel verlegt", erläutert Andreas Neukam, Bereichsleiter des Immobilien-Managements. Und auch in den kleineren Besprechungsräumen wurde nachgerüstet - mit doppelten Bildschirmen, die zugleich die Teilnehmenden und das Präsentierte zeigen. Deckenmikrofone registrieren, wer spricht, und lassen die Kameras automatisch dorthin schwenken. Die Technik ist laut Neukam auch für Laien gut bedienbar. "Wenn nur ein Teil der Belegschaft anwesend ist, ist es wichtig, dass man gut gehört wird", sagt Neukam. "Dafür wollen wir beste Voraussetzungen schaffen." So dürfen sich Menschen, die zu Hause arbeiten, genauso gut informiert und präsentiert fühlen wie jene, die anwesend sind.

Beim Gang durch die weitgehend leeren Büroräume der drei Hauptgebäude EK1, EK2 und EK3 - benannt nach der Konzerngründerin Else Kröner - offenbaren sich weitere Veränderungen, die Corona mit sich gebracht hat. Wie wahrscheinlich in den meisten Unternehmen wurden in den Kantinen Einbahnregelungen aufgemalt, zum besseren Abstandhalten Sitze abgeklebt und die Anzahl der höchstens erlaubten Personen an Türen vermerkt. Rund 100 Sensoren wurden installiert, die Türen wie von Zauberhand aufgehen lassen.

Im August ist der werksärztliche Dienst, zuvor eher behelfsmäßig in Büroräumen untergebracht, an zentrale Stelle gezogen - deutlich größer und eingerichtet wie eine richtige Arztpraxis. "Hier fanden auch unsere Impfaktionen statt", erklärt Neukam.

Wie machen es andere große Arbeitgeber in der Kurstadt?

Rund 350 der knapp 1000 Mitarbeitenden bei der Stadt können gar nicht von zu Hause arbeiten, weil sie als Erzieherinnen Kinder betreuen oder als Stadtpolizisten durch die Straßen gehen müssen. Jenen aber, die in der Verwaltung tätig sind, werde seit Beginn der Pandemie die Möglichkeit eingeräumt, das Büro zu meiden - was, je nach Corona-Lage, laut Rathaussprecher Marc Kolbe auch angenommen werde.

Die 676 Beschäftigten der Basler Versicherungen dürfen pro Jahr 60 Prozent ihrer Arbeitszeit im Homeoffice arbeiten. Aktuell sind mehr als 90 % der Mitarbeitenden regelmäßig außerhalb der Büroräume am Bahnhof tätig, erläutert Christine Seeger, Teamleiterin der Unternehmens- und Marketingkommunikation. Angesichts der Lageverschärfung könnten bald noch größere Arbeitszeit-Anteile ins mobile Arbeiten verschoben werden; zudem wird empfohlen, auf Präsenzveranstaltungen zu verzichten. Im März 2020 hat die Versicherung rasch ihre technische Ausstattung verbessert, um einfaches Arbeiten im Homeoffice zu ermöglichen. Im Büro wurden die Räume so umgebaut, dass Audio- und Video-Konferenzen schnell eingerichtet werden können.

Bei der Taunus Sparkasse beraten seit Beginn der Pandemie fast 90 Prozent der 740 Mitarbeiter vom heimischen Schreibtisch aus. "Wir wollen in beiden Welten - online und in den Filialen - für unsere Kunden da sein", sagt Sprecher Lars Dieckmann. Wer in die Bank kommt, muss sich täglich testen.

Für Amadeus Germany war es zu Beginn der Pandemie das umfangreichste Programm in der Geschichte des Unternehmens, damit Mitarbeiter auch außerhalb des Büros tätig werden konnten. Nach den positiven Erfahrungen mit dem abwechselnden Arbeiten im Büro und daheim will man "weltweit zu einem dauerhaft hybriden Arbeitsmodell übergehen", erläutert Sprecher Klaus Ennen.

Fresenius Medical Care leidet unter Covid - Kritik am Stellenabbau

Weil derzeit viele Dialysepatienten schwere Krankheitsverläufe erleiden und sterben, führt Konzerntochter Fresenius Medical Care (FMC) pandemiebedingt weniger Behandlungen in den Dialysezentren durch. Deshalb hatte FMC Anfang November verkündet, weltweit 5000 Stellen zu streichen. Wie der Gesamtbetriebsrat und die zuständige Gewerkschaft IG BCE mitteilte, könnten 500 bis 750 Stellen allein in Deutschland wegfallen - auch in allen Bereichen am Hauptsitz in Bad Homburg. Seit vergangener Woche lägen grobe Pläne und erste Maßnahmen für Deutschland vor. Das Unternehmen habe die Beschäftigten über die Pläne informiert. Rund die Hälfte der 4500 Mitarbeiter am Campus Bad Homburg gehört der Konzerntochter an.

Gewerkschaft und Betriebsrat übten Kritik an der Stellenstreichung. Das Sparprogramm sei als alternativlos vorgestellt worden; man habe aber zu wenig Informationen, um konkret Stellung zu allen Plänen zu beziehen. "Unsere oberste Priorität gilt der Beschäftigungssicherung und der sozialen Sicherheit der Beschäftigten", heißt es. Für den Mutterkonzern indes rechnet Fresenius für 2021 trotz Corona mit einem Umsatzwachstum im niedrigen zweistelligen Prozentbereich. Von Anke Hillebrecht

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