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Villa Victoria bekommt neuen inneren Kern

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Von: Anke Hillebrecht

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Stiftungsvorstand Prof. Michael Madeja zeigt ein Deckengemälde, das im Erker zum Vorschein gekommen ist. Es zeigt einen Sternenhimmel. Dieser Gebäudeteil ist der älteste; er stammt von 1870.
Stiftungsvorstand Prof. Michael Madeja zeigt ein Deckengemälde, das im Erker zum Vorschein gekommen ist. Es zeigt einen Sternenhimmel. Dieser Gebäudeteil ist der älteste; er stammt von 1870. © Priedemuth

Else-Kröner-Fresenius-Stiftung will neue Innenwände einbauen - 100 Jahre alte Fassade bleibt erhalten

Bad Homburg -Der Umbau der Villa Victoria hat begonnen - ein Bagger ist seit wenigen Tagen dabei, die Anbauten hinter dem Altbau am Paul-Ehrlich-Weg abzureißen. Wie berichtet, hat eine aufwendige Asbestsanierung den Abbruch und damit die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes verzögert. Die Else-Kröner-Fresenius-Stiftung (EKFS) hat es vor einem Jahr von der Kur erworben und will sich hier ihren Stiftungssitz einrichten.

Doch bis dahin sind noch einige Hürden zu umschiffen. Im alten, vorderen Teil hat sich die Bausubstanz als "desaströs" herausgestellt, wie Stiftungsvorstand Prof. Dr. Michael Madeja nun bei einem Baustellentermin erörterte. "Die Innenwände wurden bereits schlecht und mit der Absicht der Kostenersparnis gebaut. Und die Eingriffe ab 1954 haben das Gebäude so stark zerstört, dass mehr als 90 Prozent der Innenwände nicht mehr tragfähig sind", erklärte er.

In den vergangenen Monaten ist in der Villa der gesamte Putz von den Wänden entfernt worden. Das Fachwerk wurde sichtbar - und teils "abenteuerliche" Umbaumaßnahmen der vergangenen Jahrzehnte: Da wurden Türen vergrößert und Balken verkürzt, die eigentlich die Traglast halten sollen. Mancherorts ist das tragende Sprengwerk - die typische Holzkonstruktion mit Diagonalbalken - nicht mehr da. Auch die Decken, teils mit Stroh und alten Ziegeln verfüllt, weisen viele Lücken zwischen den Balken auf.

Warten auf die Baugenehmigung

Nun haben die Stiftung und ihre Architekten die Ausbauplanung geändert. Innenwände und Decken sollen "orts- und formgleich" mit modernen Baustoffen ersetzt werden, so dass das Gebäude von innen her eine neue tragende Konstruktion bekommt - ein "Stützskelett", das die Außenwände entlastet. Bisher ruhte alle Last auf den Außenwänden. "Den Bauantrag haben wir Mitte Juni gestellt; wir hoffen, im September die Baugenehmigung von der Stadt zu bekommen", so Madeja. Die Stadt hat die Sanierungspläne voriges Jahr wohlwollend begleitet; "wir freuen uns, dass an der Villa ein neues und nachhaltiges Kapitel aufgeschlagen wird", sagte Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU). Dem einstigen Erholungsheim werde seine Würde wiedergegeben.

Zuvor ist aber noch viel zu tun. Ist die Baugenehmigung da, könnte im Oktober der Umbau beginnen - zunächst mit der Sicherung der historischen Fassade. Die Front im Stile der italienischen Hochrenaissance soll wieder so hergestellt werden, wie sie sich im Jahr 1903 präsentierte. Auch die vorderen Außenwände bleiben bis hinter dem Seiteneingang stehen; ihr Mauerwerk ist erhaltenswert - ebenso Reste eines Deckengemäldes im Erkerchen. Das Dach hingegen ist "statisch bedenklich" und wird neu nachgebaut.

"Um die Villa langfristig zu erhalten, muss sie entkernt werden", ist sich Madeja sicher. Der Mediziner ist inzwischen auch Bausachverständiger: Mehr als die Hälfte seiner Arbeitszeit und viel Freizeit wendet der Vorsitzende der sehr geschäftigen Bad Homburger Stiftung derzeit für die Baubegleitung auf. Für die Erkundung und mehrere zusätzliche Gutachten der Villa hat die Stiftung bereits 150 000 Euro gezahlt.

Während hinten der Bagger sein grobes Werk tut, ist vorne im alten Teil der Sachverständige für Mauerwerk, Bauingenieur Herbert Fiur, mit seinem Team zugange. Die Männer kratzen von innen den alten Mörtel aus den gemauerten Außenwänden, entfernen kaputte Steine und verfüllen die Ritzen mit neuem, vom Denkmalamt genehmigtem, zementfreiem Kalkmörtel. Zur Stabilisierung legt Fiur metallene Spiralanker in die Fugen - sie ziehen auch Risse wieder zusammen.

18 Mitarbeiter hat die EKFS. Der Neubau im hinteren Teil ist jedoch "auf Zuwachs" geplant. Das Ziel, Ende 2023 hier einzuziehen, hat die Stiftung noch nicht aufgegeben. Madeja hofft, dass es, bedingt durch den Ukraine-Krieg, keine weiteren Verzögerungen mehr gibt. Die EKFS hat die Villa für vier Millionen Euro von der Kur gekauft und weitere sechs Millionen für den Umbau einkalkuliert. Madeja rechnet mit einer Preissteigerung, glaubt aber, in etwa im Kostenrahmen zu bleiben. "Aber wir bauen nicht um jeden Preis", erklärt der Stiftungsvorstand.

Eine Stiftung in ständigem Wachstum

Die 1983 gegründete gemeinnützige Else-Kröner-Fresenius-Stiftung (EKFS) fördert medizinisch-wissenschaftliche Projekte und unterstützt medizinisch-humanitäre Projekte in Entwicklungsländern. Für beides gibt es einen enormen Bedarf, wie Stiftungsvorstand Madeja erzählt. Mit einem jährlichen Fördervolumen von aktuell mehr als 60 Millionen Euro ist die EKFS nach eigenen Angaben die größte Medizin fördernde Stiftung Deutschlands. Das Vermögen aus Dividenden des Fresenius-Konzerns steigt seit Jahren.

An den Innenwänden der Villa wird der Mörtel erneuert. Für mehr Halt installiert der Mauer-Sachverständige Herbert Fiur einen Spiralanker.
An den Innenwänden der Villa wird der Mörtel erneuert. Für mehr Halt installiert der Mauer-Sachverständige Herbert Fiur einen Spiralanker. © jp
Seit einigen Tagen wird im hinteren Teil des Geländes am Paul-Ehrlich-Weg der marode Anbau aus den 1970er Jahren abgerissen.
Seit einigen Tagen wird im hinteren Teil des Geländes am Paul-Ehrlich-Weg der marode Anbau aus den 1970er Jahren abgerissen. © jp

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