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Villa Victoria: Sanierung beginnt

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Von: Anke Hillebrecht

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Grüner Vorbote des baldigen Umbaus. Seit weit mehr als 100 Jahren blickt diese Fassade im Paul-Ehrlich-Weg hinter Bäumen in Richtung Kurpark. In den nächsten Wochen soll die Villa Victoria umfassend saniert werden.
Grüner Vorbote des baldigen Umbaus. Seit weit mehr als 100 Jahren blickt diese Fassade im Paul-Ehrlich-Weg hinter Bäumen in Richtung Kurpark. In den nächsten Wochen soll die Villa Victoria umfassend saniert werden. © Anke Hillebrecht

Verzögerung wegen Asbestsanierung - Kur trennt sich von Geschäftsführerhaus

Bad Homburg -Sie ist noch eine der ganz alten Kur-Villen, 1857 gegenüber den Kuranlagen erbaut. Doch nun steht die Villa Victoria im Paul-Ehrlich-Weg schon seit 20 Jahren leer. 2021 hat die Kur- und Kongreß-GmbH das historische Gebäude an die Else-Kröner-Fresenius-Stiftung (EKFS) verkauft, die in Bad Homburg einen neuen Firmensitz gesucht hatte. Vor ziemlich genau einem Jahr stellte die Stiftung ihre Pläne zur umfassenden Sanierung vor. Seither liegt die Villa scheinbar im Dornröschenschlaf.

Innen allerdings ist viel passiert. Davon zeugen der grüne Container vorm Haus, rot-weiße Absperrbänder und weiter hinten weiße Säcke neben dem Gebäude. "Die Villa ist baulich in einem sehr viel schlechteren Zustand als erwartet", berichtet Prof. Dr. Michael Madeja, Vorstandsvorsitzender der EKFS. Nicht nur zeigte der zweite Blick, dass nach 1950 viel von der ursprünglichen Bausubstanz zerstört wurde. Auch fanden die Arbeiter größere Mengen von Asbest, das bei einer Modernisierung 1979 eingebaut wurde - vor allem in den gekachelten Flächen. Eine umfangreiche Asbest-Sanierung war nötig.

Um den 7. Juli soll nun mit dem Abriss des Anbaus im hinteren Bereich des Grundstücks begonnen werden. Madeja erwartet schweres Baugerät am Kurpark. Wenn die nicht schützenswerten Teile des ehemaligen Sanatoriums, Kinder- und Mütterheims verschwunden sind, soll ein stilistisch passender Neubau entstehen, dessen Kern eine große Treppenskulptur sein wird. Die Fassade im Stil der italienischen Hochrenaissance soll stehenbleiben - daran zumindest kann laut Madeja festgehalten werden.

Die gemeinnützige EKFS widmet sich der Förderung medizinischer Forschung und unterstützt medizinisch-humanitäre Projekte. Mit einem jährlichen Fördervolumen ist sie nach eigenen Angaben die größte Medizin fördernde Stiftung Deutschlands. Ihr Wirken hat sich zuletzt in der Corona-Pandemie gezeigt.

Stiftung wird wohl später einziehen

Wie die Fassade zur Hoch-Zeit der Kur in Homburg - also vor 1903 - aussah, davon gibt es nur zwei aussagekräftige Fotografien. Deshalb hatte der Stiftungschef gehofft, von Bürgern oder Nachfahren einstiger Kurgäste Bildmaterial zu erhalten, das für die denkmalgeschützte Sanierung hilfreich sein könnte. Bisher hat die Stiftung allerdings keinerlei Bilder bekommen. "Eigentlich müsste es welche geben; es waren so viele Kurgäste hier und Mitglieder der US-Armee", sagt Madeja.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Stiftung, die dringend mehr Platz braucht, wie geplant Ende 2023 dort einziehen kann, sieht der Vorsitzende als nicht sehr hoch an. "Ich hoffe, dass wir im Bauprozess Zeit aufholen können", so Madeja. Auch ist unklar, ob die für die Sanierung veranschlagten Kosten von sechs Millionen Euro zu halten sein werden. Zeit- und Kostenhorizont werden, wie bei allen Bauprojekten derzeit, vom Ukraine-Krieg und den damit verbundenen Lieferengpässen ausgedehnt. Die neuen Planungen für die geplante Forschungsstätte am Kurpark will Madeja bei einem Pressetermin am 12. Juli vorstellen.

Unterdessen will die Kur das Geschäftsführerhaus der Villa Victoria veräußern, samt dem 2564 Quadratmeter großen Grundstück. Es liegt nebenan, hinter dem Hotel "Haus am Park". Das ebenfalls leerstehende Einfamilienhaus mit Zeltdach wirkt ein wenig aus der Zeit gefallen; auch hier ist die Ausstattung "vollständig überaltert", wie es in der Ausschreibung heißt. "Das Areal soll sinnvoll genutzt werden, deshalb gehen wir nun in ein Bieterverfahren", erklärt Kurdirektor Reuter.

Zur Entwicklungsmöglichkeit sagt die Ausschreibung: "Die Nutzung des Gebietes lässt sich bauplanungsrechtlich am besten als Gemengelage mit kurähnlichen Nutzungen bezeichnen." Reuter hält dort auch Wohnbebauung für möglich - "kein Hochhaus", aber "etwas Moderates, was städtebaulich passt" und sich am Umfeld orientiere.

Den Beschluss über den Zuschlag trifft die Stadtverordnetenversammlung. Das höchste Gebot wird den städtischen Gremien vorgeschlagen. Das Hotel vorne bleibt unterdessen bestehen. Reuter: "Das läuft sehr gut."

Wer hat alte Fotos?

Die Else-Kröner-Fresenius-Stiftung dokumentiert den Umbau der alten Villa Victoria und hat viel über ihre früheren Nutzungen geforscht. Von der historischen Fassade existieren nicht viele Bilder. Wenn Bürger noch alte Fotos, Postkarten oder sonstige Ansichten der historischen Fassade aus der Zeit vor 1903 haben - vielleicht auf dem Speicher oder in alten Fotoalben von Vorfahren -, ist die Stiftung daran sehr interessiert. Kontakt per Mail unter kontakt@ekfs.de oder telefonisch unter (0 61 72) 89 75-0.

Vor allem im Anbau hinter dem historischen Gebäude wurde viel Asbest gefunden und entsorgt.
Vor allem im Anbau hinter dem historischen Gebäude wurde viel Asbest gefunden und entsorgt. © ahi

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