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Im Mondanzug und mit Highheels wurde die ?Walking Woman? gestern auf dem Bahnhofsvorplatz angeliefert. Sobald die Skulptur im Boden verankert ist, wird sie im bekannten schwarzen Dress gen Innenstadt schreiten.

Blickachsen

„Walking Woman“ fliegt ein

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Sie hat die Politiker der Kurstadt beschäftigt, doch jetzt ist sie da: die Bronzeskulptur „Walking Woman“ von Sean Henry. Für die Kurstadt soll es nicht das letzte „Blickachsen“-Kunstwerk sein.

Sie wurde geschaffen, um mit entschlossenem Blick vorwärts zu schreiten. Doch drei Jahre lang musste sie liegen, im Depot des Homburger Galeristen Christian Scheffel in Frankfurt – schließlich sollte das Umfeld erst tipptopp aussehen, bevor der Bronzeguss seine Position vor dem Bahnhof bezieht. Nun nimmt der Vorplatz Form an (siehe „Info“) – und gestern durfte die „Walking Woman“ endlich ihrer überdimensionalen Holzkiste entsteigen. Zwei lange Bolzen unter beiden Füßen, die mit einem Betonblock unter den Pflastersteinen verbunden werden, halten die 2,17 Meter hohe Skulptur künftig in der Balance.

Über die Skulpturenallee, wo weitere Kunstwerke stehen (siehe „Zum Thema“), schreitet die „Walking Woman“ nun in Richtung Innenstadt – so, wie es unzählige Menschen jeden Tag tun. Im neuen Pflaster des Vorplatzes wurde extra ein „Catwalk“ aus dunkleren Steinen für das Kunstwerk angelegt. Kunst sei ein „Grundnahrungsmittel für die Gesellschaft“, betonte der Galerist Christian Scheffel, der den Ankauf nach der „Blickachsen“-Ausstellung 2013 einfädelte. Dass die „Walking Woman“ keine europäischen Gesichtszüge trage – sie erinnert an eine Asiatin –, sei „Symbol der Internationalität“ Bad Homburgs. „So leben auch wir“, sagte der Galerist.

Der britische Künstler Sean Henry schuf die „Walking Woman“ bereits 2008. Es existieren fünf Abgüsse; mit einem davon wirbt die norwegische Hauptstadt Oslo für ihr kulturelles Angebot. Die Homburger Arbeit, so Scheffel, sei dennoch ein Unikat – schon wegen ihrer individuellen Bemalung.

Bei den „Blickachsen 9“ (2013) war die „Woman“ das wohl beliebteste Fotomotiv im Kurpark. Die Stadt kaufte das Werk nach Ende der Schau für 100 000 Euro. Im folgenden Jahr entspann sich eine hitzige politische Debatte über den kostspieligen Ankauf und darüber, dass Kulturdezernentin Beate Fleige (BLB) ein anderes stadteigenes Kunstwerk von Bernar Venet in Zahlung gegeben hatte, um das Geld zusammenzubekommen.

Doch gestern schienen alle Zeichen auf Grün zu stehen, was den Ankauf weiterer Kunstobjekte betrifft. Zwar hat die Stadt im vorigen Jahr kein „Blickachsen“-Werk erworben – was auch mit dem Wechsel des Oberbürgermeisters zu tun hat. Lieber wolle er die dafür vorgesehenen 70 000 Euro sparen und kommendes Jahr zusätzlich im Etat haben, um bei den nächsten „Blickachsen“ ein umso passenderes Werk zu finden, erklärte OB Alexander Hetjes (CDU). Das findet auch Christian Scheffel sinnvoll.

Um den Homburgern den britischen Künstler nahezubringen, wird Scheffel im August eine Ausstellung mit weiteren Skulpturen von Sean Henry sowie Zeichnungen in der Englischen Kirche konzipieren. Die überlebensgroßen Menschenfiguren waren voriges Jahr auch auf der Saalburg sowie im Hessenpark zu sehen.

Ihr männliches Pendant hat die „Walking Woman“ übrigens vorm Bahnhof in Eschborn, wo seit vorigem Jahr ein „Walking Man“ steht. Dort allerdings schreitet er zu den Zügen.

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