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Zweigeschossig soll sie werden, die neue Gymnastikhalle in Dornholzhausen. So sieht es der Entwurf der Planer vor.

TV Gonzenheim

Wann steht die Gymnastikhalle in Gonzenheim endlich?

  • vonFlorian Neuroth
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Die Kostenschätzung für die neue Halle in Gonzenheim liegt bei 3,7 Millionen Euro. Aber es gibt noch Hindernisse.

Gonzenheim -Das lange Warten für die Mitglieder des Turnverein Gonzenheim geht seinem Ende entgegen. Seit zehn Jahren treiben die Turner im Provisorium "Containerbau" Sport. Nun soll es bald losgehen mit dem Bau einer Gymnastikhalle auf dem Grundstück an der Langen Meile. Am 17. Dezember soll im Stadtparlament über den Vorentwurf von Magistrat und Verwaltung abgestimmt werden.

Vorgeschlagen wird, im nordöstlichen Teil des Grundstücks, entlang der Langen Meile in der Nähe zum Oberen Mittelweg, ein zweigeschossiges Gebäude zu errichten. Neben Räumen für den TV Gonzenheim im Erdgeschoss, sollen in der oberen Etage zudem Umkleide- und Nebenräume für einen ebenfalls auf dem Gelände geplanten neuen Sportplatz entstehen.

Angedacht ist, den Hallenbau in einem ersten Bauabschnitt bis März 2023 fertigzustellen. Anschließend soll der bestehende Containerbau abgerissen und eine Stützwand errichtet werden. Im letzten Bauabschnitt sollen laut Planung Sportplatz und Parkflächen im südlichen Geländeteil entstehen.

Damit würde ein Dauerbrenner ausglimmen. Zur Erinnerung: Nach Abbruch der alten Turnhalle auf dem Gelände der Ebert-Schule sollte die 2010 erbaute Containeranlage eigentlich nur eine Übergangslösung bis 2015 sein. Zwei Mal wurde die Baugenehmigung seither verlängert.

"Eine weitere Verlängerung über das Jahr 2025 hinaus ist nicht möglich. Es muss Ersatz her oder der Turnverein steht in fünf Jahren auf der Straße", sagte der städtische Fachbereichsleiter Gebäudemanagement, Enzo Spardano, am Montagabend in der Sitzung des Gonzenheimer Ortsbeirats.

In der Sitzung erklärte Spardano auch, warum der Bau erst im Oktober nächsten Jahres und damit einige Monate später als ursprünglich geplant, beginnen wird. Im Zuge der Bodenanalyse seien Bauschutt und Müll zutage getreten. Das müsste nun erst einmal abgetragen werden. Rund 300 000 Euro kostet die Entsorgung der kontaminierten Bodenauffüllungen. Mehrkosten, die dazu führen, dass der Gesamtinvestitionsbedarf für den 1. Bauabschnitt auf 3,7 Millionen Euro gestiegen ist. Bei der Aufstellung des Haushalts für die Jahre 2020/2021 ging man noch von 2,8 Millionen Euro aus.

Anlieger fordern Mauer

Für kontroverse Diskussionen im Stadtteil-Gremium sorgte der Plan, entlang der Langen Meile eine 40 Meter lange und 2,50 Meter hohe Mauer aufzustellen. 100 000 Euro sind dafür veranschlagt. Da das Lärmgutachten eine Mauer nicht vorschreibe, sei eigentlich eine Hecke geplant gewesen, sagte Sparda-no. Aber die Stadt sei den Wünschen der Anwohner entgegengekommen.

"Wenn eine Mauer nicht gebraucht wird, frage ich mich, warum trotzdem eine gebaut wird", kritisierte Isolde Asbeck (CDU). "Städtebaulich und ökologisch ist das immer schlechter als eine Hecke", sagte sie. Noch kritischer war Vize-Ortsvorsteher Thomas Kreuder (SPD). Er sei zwar froh, dass es endlich losgehe, aber: "Auf Kosten der Allgemeinheit werden hier private Sonderinteressen befriedigt", sagte er.

Laut Spardano gebe für das Gebiet keinen Bebauungsplan. Da sei eine gewisse Zustimmung der Nachbarschaft erforderlich und auch vom Anstand her geboten. Spardano: "Wenn wir alles berücksichtigt hätten, was die Bürgerinitiative gefordert hat, würden wir gar nicht bauen." Hinsichtlich der Mauer gehe es vor allem um die Lärmentwicklung auf dem Parkplatz. "Nach dem Sport gehen die Leute gemeinsam zu ihren Autos, unterhalten sich, Türen werden zugeschlagen. Das Gutachten bezieht sich eher auf den Hallenlärm", erklärte er.

Übel stieß Kreuder auch auf, dass das Bauprojekt erst jetzt in den Ortsbeirat getragen wurde. Mehrfach habe der Beirat um Informationen gebeten, sie nie erhalten. "Dafür wurde hinlänglich mit den Anwohnern ge-sprochen, einer Gruppe, die durch nichts demokratisch legitimiert ist. Ich kritisiere dieses Verfahren", sagte er. "Wer ist denn mehr legitimiert als die Anwohner? Auf einem Sportplatz entsteht viel Lärm, da kann ich die Anwohner verstehen", setzte Wolfgang Lindstaedt (fraktionslos) entgegen. Zudem werde der Schallschutz auf dem Papier "niedrig gerechnet". "Es ist vollkommen richtig, dass dort eine Mauer gebaut wird."

Im Rathaus wollte man Kreuders Vorwürfe so nicht stehen lassen. "Die Planungen waren noch nicht abgeschlossen. Nachdem das erfolgt ist, kam der Beschlussvorschlag jetzt in den Ortsbeirat", sagte Stadtsprecher Marc Kolbe auf Anfrage dieser Zeitung. Um die "unendliche Geschichte Lange Meile" abzuschließen, mussten "die Anwohner mitgenommen" werden.

Ähnlich sah die Sache auch Ortsvorsteher Karl-Alexander Rastädter (CDU). "100 000 Euro sind eine Menge Geld. Aber wenn das Projekt auf diese Weise endlich umgesetzt wird, sage ich mit Bauchschmerzen: Lasst die Mauer bauen." Dem schlossen sich die Beiratsmitglieder an und votierten einstimmig für den Vorentwurf. Gegenstimmen gab es in Fragen der Finanzierung.

Lediglich eine knappe Mehrheit votierte dafür, dass die Deckung der Mehrausgaben teilweise durch eine Reduzierung von Geldern fürs "JUZ Ober-Eschbach" erfolgt. Dazu wird es nun aber ohnehin nicht kommen. Der Magistrat habe die Vorlage abgeändert, beim JUZ werde nichts zurückgestellt, die Kosten würden durch Mehreinnahmen aus Grundstücksverkäufen gedeckt, sagte Stadtsprecher Kolbe. Einen Tag vor der Abstimmung im Stadtparlament gehe die Vorlage daher noch einmal in den Beirat.

Von Florian Neuroth

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