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In der Hängematte liegen und mit Chef Marcus Braum mit einem Gläschen Sekt anstoßen ? so sieht der Arbeitsalltag von Manfred Gerasch nicht aus. Die Reklame im Hintergrund ist übrigens nicht dem treuen Mitarbeiter gewidmet . . .

Von wegen Leben in der Hängematte

Manfred Gerasch ist nicht unbedingt ein Freund von Veränderungen. So hat der 58-Jährige direkt nach seiner Schreinerausbildung beim Möbelland Hochtaunus angeheuert – und ist heute noch immer dort tätig. Kürzlich feierte er seine 40-jährige Betriebszugehörigkeit.

Groß, schwer und motorisiert: So könnte man den Trend bei Couchgarnituren in kurzen Worten zusammenfassen. Ein Trend, der Manfred Gerasch jedoch nicht sonderlich gefällt. Denn der 58-jährige Bad Homburger ist Auslieferungsschreiner im Möbelland Hochtaunus und ein Sofa mit Motor bedeutet für ihn eine größere Last. „Eine solche Couchgarnitur ist sauschwer. Wenn sie die in den zweiten Stock mit Seilen hochgezogen haben, dann wissen Sie, was Sie geschafft haben“, erzählt er lachend. Dennoch liebt er seinen Job, den er jetzt bereits seit 40 Jahren im gleichen Unternehmen ausübt. Ein Jubiläum, das nicht nur im Betrieb gefeiert wurde, sondern auch eins, dass in der heutigen Arbeitswelt sehr selten ist.

Manfred Gerasch ist einer der wenigen, die so lange zur Firma gehören. „Ich glaube sogar, dass ich der ,Älteste‘ bin“, sagt er. Und das will was heißen, schließlich handelt es sich bei seinem Beruf um eine schwere körperliche Arbeit, für die man fit sein muss. Und genauso fühlt er sich noch immer: topfit. „Ich bin ein Bär und habe keinerlei körperliche Probleme.“ Sollte es gesundheitlich so weitergehen, will er bis zum 65. Lebensjahr weitermachen. „Das ist einfach das, was ich gut kann. Außerdem habe ich eine Familie zu ernähren.“ Der Bad Homburger hat einen Sohn.

Er habe auch nie den Wunsch gehabt, etwas anderes zu machen oder woanders hinzugehen. Nach seiner dreijährigen Schreinerlehre habe er 1978 bei Herrn Braum senior, dem damaligen Besitzer des gleichnamigen Möbelgeschäftes, angefangen. „Ich habe miterlebt wie das Möbelland Hochtaunus entstanden ist, war in den ersten vier bis fünf Jahren als Springer tätig und wurde mal im Lager oder mal in der Ausstellung eingesetzt und musste auch mal ausliefern“, erinnert sich der 58-Jährige. Beim letzteren Job ist er bis heute geblieben. Seit etwa 35 Jahren liefert er Möbel an die Kunden und baut diese auch auf.

In den 40 Jahren habe er diverse Möbeltrends erlebt. Früher dominierten große Standmodelle die Wohnzimmer der Deutschen, heute werde viel mehr „gehängt“, wie Gerasch weiß. Er müsse daher mehr Regale aufbauen, die Einzelteile ineinander stecken oder eben an die Wand hängen. Auch die Farbgebung habe sich geändert, wobei viele Töne von früher manchmal wiederkehren. Bei Couchgarnituren sei mitunter es angesagt, dass man Rückenlehne oder Liegeflächen verstellen kann, was dazu führe, dass diese Modelle schwerer seien. Doch mit der Zeit habe er auch hierfür bestimmte Grifftechniken entwickelt, so dass er noch jedes Möbelstück in die entsprechende Wohnung geschafft habe. Am meisten sei in den Wintermonaten los, denn im Sommer würden die Leute seltener Möbel kaufen.

In den Anfängen des Unternehmens seien rund 15 Leute im handwerklichen Bereich tätig gewesen, heute beschäftige das Unternehmen etwa 125 Mitarbeiter. Die Firma sei nicht nur größer geworden, sondern fordere auch mehr. „Es ist alles schnelllebiger geworden, mittlerweile baue ich am Tag das doppelte von dem auf, was vor einigen Jahren üblich war“, berichtet Gerasch. Er komme jedoch ganz gut mit. Und er freut sich jeden Tag auf seine Arbeit und auf die Überraschungen, die ihn erwarten. Denn erst morgens erfährt er, was zu ist. Das ist dann schon etwas Abwechslung in seiner 40-jährigen Tätigkeit.

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