Hotels im Konkurrenzkampf

Von wegen zufrieden

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Konkurrenz belebt das Geschäft, so sagt man. Manchmal erdrückt zu viel Konkurrenz aber auch. Das ist vor allem auf dem Hotel-Sektor zu spüren. Im Taunus haben gerade die kleinen, zumeist inhabergeführten Häuser unter der starken Konkurrenz zu leiden.

„Hoteliers sind zufrieden“ – so titelte die TZ kürzlich nach einer Umfrage unter Hotelbetreibern. „Stimmt so nicht“, sagen jetzt Gertrud Stöckl vom Hotel- und Gaststättenverband Hochtaunus und Gerhard Wolff, Dehoga Bad Homburg. „Gerade die inhabergeführten Hotels haben zu kämpfen, leiden vor allem unter der Flut neuer Hotels rund um die Messe in Frankfurt“, erklärt Stöckl. Das sei vor zwei Jahren noch ganz anders gewesen. Vor allem die Appartementhäuser, die wie Pilze aus dem Boden sprießen, sind den Hoteliers ein Dorn im Auge. Letztlich müsse man konstatieren, dass der Kuchen nicht größer werde, sondern nur die Stücke kleiner. Wegen der wachsenden Konkurrenz entwickle sich in Frankfurt eine „preisliche Todesspirale“ – eine Kostenminimierung, gegen die die kleinen Häuser nicht ankämen.

In Bad Homburg schneidet sich seit vergangenem Jahr das B & B-Hotel hinter dem Bahnhof mitsamt dem angegliederten Boardinghaus weitere Stücke vom Kuchen ab. Allein durch diese beiden Anbieter seien anderen Hoteliers bis zu 250 Übernachtungen weggebrochen.

Weitere Konkurrenz erwächst den Hoteliers in Bad Homburg und andernorts beispielsweise auch durch Jugendherbergen, die ebenfalls „mit Dumping-Preisen“ Kunden locken würden. Hinzu komme, dass sich in den vergangenen Jahren auch das Verhalten der Firmen verändert habe. Wo früher während einer Messe übernachtet wurde, reisten die Mitarbeiter jetzt morgens an und abends ab.

„Aber die Fixkosten für unsere Mitgliedern bleiben gleich hoch“, erklärt Wolff. Pacht, Versicherung, Gema- und GTZ-Gebühren – es gibt keinen Nachlass, wenn die Häuser nicht ausgelastet sind. Und das sind die kleinen Hotels gerade mal zwischen 50 und 60 Prozent. Die Möglichkeit, den Standort zu wechseln oder aufzugeben, haben sie auch nicht. In offiziellen Statistiken ist häufig von wesentlich höheren Auslastungsquoten die Rede. Das, so Wolff, sei zumindest in Bad Homburg Augenwischerei. Denn in solche Statistiken fließen auch die Kurkliniken ein, die in der Regel sehr gut belegt sind.

Für die großen, zu einer Kette gehörenden Hotels – Steigenberger und Maritim in Bad Homburg, Mercure in Friedrichsdorf oder das Mövenpick in Oberursel – stelle sich die Situation mitunter wesentlich günstiger dar. Dort verfüge man über eine ganz andere Professionalität, habe mehr Manpower, Agenturen, die ganze Kontingente verkaufen würden, und große Marketingabteilungen. „Die kleinen Pächter müssen das alles allein leisten“, so Wolff.

Im Usinger Land, ergänzt Stöckl, habe die Entwicklung im Hotel-Sektor bereits dramatische Folgen gehabt – mehrere ehemals traditionsreiche Häuser seien mittlerweile geschlossen. Messegäste sieht man jenseits der Saalburg kaum noch. Stöckl: „Und das schleicht jetzt aus dem Usinger Land in Richtung Vordertaunus.“ Schon gibt es Befürchtungen, dass auch in Bad Homburg Hotels schließen müssen. Andere Anbieter überlegen, dieser Entwicklung aus dem Weg zu gehen, indem sie Flüchtlinge in ihren Zimmern unterbringen.

Und dass jetzt in Kronberg (Bahnhof) und Oberursel (Villa Gans) neue Hotelprojekte geplant sind, bringt Stöckl vollends auf die Palme. „Neue Hotels braucht es aus Sicht des Hotel- und Gaststättenverbandes nicht“, sagt die Vorsitzende. Auf die Politik ist sie in diesem Zusammenhang übrigens nicht gut zu sprechen: „Die versperren sich unseren Argumenten und haben nur ihre eigene Kommune im Blick.“

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