Lang, lang ist's her: Hochwasser im Bereich Castillostraße /Paul-Ehrlich-Weg.
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Lang, lang ist's her: Hochwasser im Bereich Castillostraße /Paul-Ehrlich-Weg.

Hochwasser-Vorkehrungen in Bad Homburg

Wehr will Rettungsboote bestellen

  • VonMatthias Pieren
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Flutkatastrophe hat Denken in der Homburger Politik verändert - Videos verschiedener Katastrophen-Szenarien gehen demnächst online

Bad Homburg -Die Risikoanalyse "Starkregen" für die Kurstadt ist zwar bereits zwei Jahre alt - aber aktueller denn je. Seit 2019 wurde diese von der Stadt in Auftrag gegebene Studie in städtischen Ausschüssen und im Stadtparlament, aber auch von Vertretern der Feuerwehr, von der Straßenbaubehörde Hessen Mobil, der Telekom, von Syna und OVAG als Stromnetzbetreiber vorgestellt und diskutiert.

Die Flutkatastrophe des Sommers sowie die Schreckensbilder von den verheerenden Folgen im Ahrtal haben der vom Ingenieurbüro Fugro aus Dresden erstellten Simulation eine ganz neue Dringlichkeit gegeben. Die darin visualisierten Szenarien will die Stadt deshalb nun auch den Bürgern über alle möglichen Informationskanäle zugänglich machen.

Vorab wurden nochmals die Mitglieder des Klimaschutz- und Umweltausschusses informiert. "Alle, die in bekannten Risikogebieten leben und durch Hochwasserlagen besonders betroffen sein werden, sind verpflichtet, im Rahmen ihrer Möglichkeiten selbst Vorsorge zu tragen", sagte der Leiter der Umwelt- und Landschaftsplanung, Holger Fröhlich, eine ganz bedeutende Grundvoraussetzung.

Seine Einschätzung, dass "bei der Vorsorge vieles möglich ist, aber eben nicht alles", war angesichts der zuvor undenkbaren Wassermassen im Ahrtal und deren Zerstörungskraft absolut einleuchtend. Bei einem Jahrtausend-Hochwasser wie diesem hätten selbst die besten Hochwasserschutz-Maßnahmen die eingetretenen verheerenden Schäden nicht verhindern können.

"Auch die Feuerwehr kann bei einem Extrem-Hochwasser erst helfen, wenn das Wasser wieder abgelaufen ist", sagte Fröhlich und konkretisierte am Ende der Sitzung auf Nachfrage von Beate Denfeld (SPD) im Hinblick auf den anstehenden Bau des U-Bahn-Tunnels zum Bahnhof: "Die Flutung der U-Bahnen in Köln, New York und Prag haben gezeigt: Da ist nichts zu machen."

Geplanter Tunnel für U2 gilt als flutsicher

Die Feuerwehr könne in einem solchen Katastrophenfall nur zusehen. Da würde kein Mensch in die Röhre geschickt und unnötig Menschenleben riskiert. So emotional die U2-Verlängerung auch sein mag: "Es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn der Tunnel volllaufen sollte", so Fröhlich. "Die zu erwartenden Überflutungen in kritischen Stadtlagen wie der Altstadt und entlang den Bachläufen sind entscheidender."

Die grafischen Kartendarstellungen und ein beeindruckendes, wenn nicht gar beunruhigendes Katastrophen-Video dokumentieren drei Szenarien, wie sich bei unterschiedlichen Niederschlagsmengen die dann zu erwartenden Wassermassen, vom Stadtwald kommend, über Bäche und Straßen in die Kurstadt ergießen.

Heute - nach den Erfahrungen der möglichen Fluten im Ahrtal - erscheinen die drei Szenarien nicht mehr als Horrorszenarien schwarzsehender Berufspessimisten. "Szenario 1 visualisiert einen Niederschlag von 47,5 Millimetern (mm) in einer Stunde, was statistisch einmal in hundert Jahren vorkommt."

Szenario 2 verdeutlicht die Auswirkungen bei einem Niederschlag von 80 mm pro Stunde, wie es im Mai 2016 in Wiesbaden der Fall war. Szenario 3 geht von 261,7 mm aus, wie es sich im Juli 2014 in Münster ereignete. "Im Ahrtal summierten sich die Niederschläge auf 200 mm in 24 Stunden", sagte Fröhlich. "Bei 80 mm Niederschlägen könnte die Feuerwehr mit ihren Fahrzeugen gar nicht mehr die Feuerwache in der Dietigheimer Straße verlassen."

Als eine der bereits anvisierten Konsequenzen aus den Ergebnissen der Studie habe die Feuerwehr sogar die Anschaffung von Rettungsbooten angestoßen, was bislang gewiss im Bereich des Undenkbaren lag. Die Ergebnisse der Studie sollen im Dezember auf der städtischen Homepage bereitgestellt werden. Zudem will die Stadt bei mehreren Infoveranstaltungen Bürger und Unternehmen informieren. Von matthias pieren

Viel Regen und eine einzige große Pfütze.
Kritische Situation in Ober-Erlenbach.

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