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Ante Letica, Daniel Guischard und Ralf Eisenacher (von links) erläutern, wie das Notstromaggregat, eine Netzersatzanlage mit 250 KVA Leistung, funktioniert. Derzeit läuft in der Feuerwache an der Dietigheimer Straße eine Mitarbeiterschulung zum Thema.

Homburger Feuerwehr

Wenn alles dunkel wird: Stromausfälle werden häufiger

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Eine knappe Stunde lang waren am Dienstagabend Teile der Kurstadt duster. Ein Kabelfehler hatte das Stromnetz lahmgelegt. Hätte es länger gedauert, hätte die Homburger Feuerwehr ihre Notaggregate zum Einsatz gebracht. Denn ein Stromausfall kann heute durchaus zu einem größeren Blackout führen. Dann wird es ungemütlich.

Es war dunkel, aber zu kurz, als dass es kalt geworden wäre. Binnen einer halben Stunde, mancherorts in etwa 50 Minuten hatte der Energieversorger Syna die Stromzufuhr so umgeschaltet, dass alle Teile Bad Homburgs und Oberstedtens wieder mit Strom versorgt waren. Wegen eines Kabelfehlers war am Dienstagabend von 17.13 bis 18.23 Uhr in einem breiten Streifen westlich des Hindenburgrings – vor allem in der Berliner Siedlung und in Teilen Kirdorfs – der Strom ausgefallen. Laut Daniel Guischard, Leiter der Bad Homburger Feuerwehr, waren 19,1 Prozent der Haushalte in Bad Homburg und 31,2 Prozent derer in Oberstedten betroffen.

Warum der Fehler auftrat, wird laut Syna noch untersucht. Die Zeitspanne, in der es auf den Straßen dunkel blieb und auch in zwei Lebensmittelmärkten keinen Strom gab, blieb relativ kurz, weil der Fehler „nur“ im Verteilnetz war und die unterbrochenen Versorgungsstränge rasch von anderswoher versorgt werden konnten, erläutert Guischard. Doch: „Stromausfälle sind viel häufiger geworden“, sagt er.

Vorige Woche war’s kritisch

Die Komplexität des europäischen Verbundnetzes könne Auswirkungen bis nach Bad Homburg haben. Die Steuerung läuft per Computer und ist störungsanfällig. Hinzu kommen Gefahren wie Cyberkriminalität. Guischard: „Hacker suchen sich gern wichtige Institutionen der kritischen Infrastruktur aus.“ Gemeint sind Instanzen wie Polizei, Feuerwehr, Krankenhäuser.

Beim Stromausfall in Bad Homburg gab es laut Guischard keine Unfälle oder andere Unglücksfolgen – obwohl es dunkel war, diverse Ampeln nicht gingen und Berufsverkehr war. Doch das könne ganz anders aussehen, erklärt Homburgs oberster Brandbekämpfer und verweist auf vorige Woche, als in Frankreich beinahe ein flächendeckender europäischer Blackout ausgelöst worden wäre. „Das geht kaskadenartig“, sagt er und beschreibt, was passiert, wenn der Strom länger aussetzt: Licht und Heizung funktionieren nicht mehr; Gebäudeaufzüge, medizinische Geräte, Lebensmittelkühlung und Abwasser-Hebeanlagen fallen aus. Die Menschen nutzen exzessiv ihre Handys (Telefon, Whatsapp, Internet, Taschenlampenfunktion). Nach rund einer Stunde bricht das Netz zusammen. Es droht Chaos.

Fertignahrung im Keller

So weit soll es in Bad Homburg nicht kommen. Seit sechs Jahren arbeitet die Feuerwehr an Maßnahmen der Notstromversorgung. Mit leistungsstarken Geräten kann sie schon jetzt die zwei Wachen sowie vier Feuerwehrhäuser im Stadtgebiet mit Stromaggregaten versorgen. Einige Geräte sind mobil; künftig sollen alle Feuerwehrhäuser feste Maschinen haben. Derzeit läuft gerade eine Mitarbeiterschulung zum Thema. Im Keller der Wache Dietigheimer Straße lagert gefriergetrocknete Nahrung für den Notfall. Wasser kann direkt aus der stadteigenen Quelle gezapft und transportiert werden.

Drei Bevölkerungschutzstützpunkte soll es in der Stadt geben. Dort können 24 Stunden lang 500 besonders schutzbedürftige Personen versorgt werden. Schon jetzt geht das im Bürgerhaus Kirdorf und in der Erlenbach-Halle, hinzu kommen nach deren Sanierung Vereinshaus und Wache Gonzenheim.

„Frankreich und der Fall am Dienstag in Homburg haben uns gezeigt, dass es wichtig ist, sich mit dem Thema zu befassen“, so Guischard. „Die Bürger sollten sich vergegenwärtigen, dass ein Blackout im Bereich des Möglichen liegt.“

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